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35. Deutscher Logistikkongress Mehr Augenmaß bei den Fahrverboten!

Redakteur: Bernd Maienschein

"Warum darf der Grenzwert am Arbeitsplatz 23 mal höher sein als im öffentlichen Raum?" Mit dieser provokanten Frage bittet BDI-Präsident Prof. Dieter Kempf auf dem 35. Deutschen Logistik-Kongress in Berlin um mehr Augenmaß bei den drohenden und zum Teil schon umgesetzten Fahrverboten in Städten.

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BDI-Präsident Prof. Dieter Kempf: "Irgendwann brauchen wir nicht nur Logistik, sondern auch Logik in unseren Diskussionen."
BDI-Präsident Prof. Dieter Kempf: "Irgendwann brauchen wir nicht nur Logistik, sondern auch Logik in unseren Diskussionen."
(Bild: Maienschein)

"Irgendwann brauchen wir nicht nur Logistik, sondern auch Logik", so der oberste Industrieverbandsvertreter. In der EU erreichten die deutschen Automobilhersteller bei Elektromobilen circa 50 % Marktanteil. Dabei koste ein E-Golf in Norwegen etwa 5000 Euro weniger als das gleiche Modell mit Verbrennungsmotor. Trotzdem sei ein "All-Electric-Szenario" für den Verkehr lauf Kempf nicht zu erwarten.

Globalisierung hat viele Aspekte

Carsten Spohr, der vier Jahre lang Lufthansa Cargo geleitet hatte und jetzt Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG in Köln ist, macht mit einer aufs Erste seltsam anmutenden Bemerkung hellhörig: "Der Luftverkehr in Deutschland leidet momentan unter dem Wachstum." Spohr spielt damit auf die Tatsache an, dass sich der Luftverkehr in den letzten fünf Jahren doppelt so stark entwickelt hat als das, was als volkswirtschaftliche Entwicklung zugrunde liegt.

Carsten Spohr, CEO der Deutschen Lufthansa AG, Köln: "Logistik ist der Beweis dafür, dass es nicht um 'entweder, oder' zwischen Realem und Digitalem geht, sondern um 'sowohl, als auch'."
Carsten Spohr, CEO der Deutschen Lufthansa AG, Köln: "Logistik ist der Beweis dafür, dass es nicht um 'entweder, oder' zwischen Realem und Digitalem geht, sondern um 'sowohl, als auch'."
(Bild: Maienschein)

Das sei ein Ausdruck der Globalisierung. "Die Globalisierung steigt, aber sie ist nicht unumstritten", so der Luftverkehrs-Manager. Die wirtschaftliche Bedeutung sei aber nur ein Aspekt der Globalisierung - auch Themen wie Kultur und Völkerverständigung spielten da stark mit rein.

Privat getriebenes Wachstum im Luftverkehr

Spohr verdeutlicht das rasante Wachstum an selbst Erlebtem: LH454, der Flug von Frankfurt nach San Francisco, der vor Jahren, als er noch selbst hinter dem Steuerknüppel saß, dreimal pro Woche abhob, heißt immer noch genauso und verkehrt heute dreimal am Tag - zur Hälfte mit Passagieren, die andere Hälfte macht Fracht aus.

Dabei komme das jüngste Wachstum im Luftverkehr ganz klar nicht von Geschäftskunden, sondern von privat. Und auch in der Logistik gelte: Immer mehr hochpreisige Konsumgüter fliegen um die Welt.

Entscheidend sind die Mitarbeiter

Digitales werde bei Lufthansa sehr gut kombiniert mit Dingen der Realwirtschaft. Auch in Zukunft gebe es keine Disruption beim "realen Fliegen", ist Spohr sicher. Kurzum: Digitalisierung sei nur ein Teil der Lösung, wenngleich seine Piloten selbstverständlich auch von ihr profitierten, beispielsweise von dynamischen Navigationssystemen im Cockpit. Bis 2020 sollen außerdem 80 % der Frachtstücke papierlos fliegen.

Für die deutsche Vorzeige-Airline gelte eine Prämisse: "Egal wie gut wir in der Digitalisierung werden: Entscheidend sind immer die Mitarbeiter."

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Lufthansa Cargo

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