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Aufschwung schwächt sich ab MEM-Industrie: Gutes Geschäftsjahr – unsicherer Ausblick

| Redakteur: Silvano Böni

Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie blickt auf ein sehr gutes Geschäftsjahr zurück. Auftragseingänge, Umsätze und Exporte nahmen teils kräftig zu. Die Wachstumsdynamik schwächte sich jedoch im zweiten Halbjahr deutlich ab, so dass sich der Aufschwung in den nächsten Monaten wohl nicht fortsetzen wird.

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(Bild: Swissmem)

Es waren erfreuliche Zahlen, die Swissmem zum Geschäftsjahr 2018 präsentierte. Die Auftragseingänge nahmen im Vergleich zu 2017 um 6,5 Prozent zu. Auch die Umsätze stiegen im Vergleich zu Vorjahr um 11,4 Prozent kräftig an. Grossfirmen und KMU profitierten gleichermassen von höheren Aufträgen und Umsätzen. Der gute Geschäftsgang wirkte sich auf die Kapazitätsauslastung in den Betrieben aus. Diese bewegte sich über das gesamte Jahr hinweg mit durchschnittlich 91,3 Prozent deutlich über dem langjährigen Mittelwert von 86,4 Prozent. Ebenfalls erfreulich entwickelte sich die Beschäftigungslage. Die Anzahl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schweizer MEM-Industrie erhöhte sich in den ersten neun Monaten des letzten Jahres um 7800 Stellen auf 320400 Arbeitsplätze.

Ungenügende Marge

Im Weiteren hat sich auch die Ertragslage gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert. In der Umfrage zum Geschäftsjahr 2018 meldeten 13 Prozent (2017: 14 Prozent) der Unternehmen einen Verlust auf Stufe EBIT. Eine zwar positive aber letztlich unbefriedigende Marge von null bis fünf Prozent gaben 24 Prozent (2017: 26 Prozent) der Firmen an. Immerhin 44 Prozent (2017: 40 Prozent) der Betriebe erzielten eine gute Marge von über acht Prozent. Unter dem Strich konnte die MEM-Industrie die nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses erlittenen Margenverluste aber noch nicht wettmachen. Somit hat über ein Drittel der Unternehmen nicht genug Geld verdient, um neue Investitionen zu tätigen. Gerade jetzt, zu Zeiten von Industrie 4.0 und Digitalisierung, in welcher Prozesse optimiert werden sollen, wiegt das natürlich schwer.

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Eintrübung im zweiten Halbjahr

Gesamthaft war 2018 ein sehr gutes Jahr für die MEM-Industrie. Allerdings schwächte sich die sehr hohe Wachstumsdynamik im dritten und vierten Quartal 2018 deutlich ab. Zwar nahmen die Umsätze um 8,5 Prozent (Q3/18) beziehungsweise 5,7 Prozent (Q4/18) gegenüber den jeweiligen Vorjahresquartalen zu. Im Gegensatz dazu reduzierten sich die Auftragseingänge im Vergleich zu den Vorjahresperioden im dritten (-6,0 Prozent) und vierten Quartal (-11,3 Prozent) deutlich. Diese hohen Rückgänge müssen jedoch etwas relativiert werden, da die Bestellungseingänge in den Vorjahresquartalen ein sehr hohes Niveau erreicht hatten.

Wachstumsimpulse fehlen

Aufgrund der konjunkturellen Abkühlung in den wichtigsten Absatzmärkten rechnet Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem, aber nicht mit einer Fortsetzung des Aufschwungs: «Es fehlen die Wachstumsimpulse aus dem Ausland. Als Folge der generellen Konjunkturabkühlung in vielen zentralen Märkten dürfte es somit in den nächsten Monaten zu einer Seitwärtsbewegung in der Geschäftsentwicklung der MEM-Industrie kommen». Darüber hinaus sind der Brexit, die Schuldensituation in einigen EU-Staaten sowie die weltweit nach wie vor schwelenden Handelskonflikte die bedeutendsten Unsicherheitsfaktoren für die künftige Entwicklung.

Auch die Unternehmer der MEM-Industrie zeigen sich nicht mehr so optimistisch wie noch vor einem Jahr. Damals erwarteten 53 Prozent der Unternehmer höhere Aufträge. Dieser Wert hat sich innert Jahresfrist um 21 Prozentpunkte auf 32 Prozent reduziert. Gemäss der jüngsten Swissmem-Befragung geht eine relative Mehrheit von 45 Prozent für das Jahr 2019 von gleichbleibenden Aufträgen aus dem Ausland aus. Mit sinkenden Bestellungen rechnen 23 Prozent der Unternehmen. SMM

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