Salvagnini: Menschlich digitalisieren

Menschen im Mittelpunkt von Digitalstrategien

| Redakteur: Konrad Mücke

Vordenken ausreichend: Beim Konzept Social Industry konzentriert sich der Mensch auf die Gestaltung und das Produkt, die Software und die Digitalisierung sorgen für die sachgerechte Produktion.
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Vordenken ausreichend: Beim Konzept Social Industry konzentriert sich der Mensch auf die Gestaltung und das Produkt, die Software und die Digitalisierung sorgen für die sachgerechte Produktion. (Bild: Salvagninigroup)

Der Maschinenhersteller Salvagnini fokussiert darauf, augenscheinliche Widersprüche zu überwinden. So wird nach seiner Ansicht die digitalisierte Produktion vor allem von der sozialen Kompetenz, dem Fachwissen und den Fähigkeiten der Mitarbeitenden bestimmt.

Die Industrie hat sich gewandelt. Flexibilität und Effizienz sind entscheidende Voraussetzungen zur Handhabung von immer kleiner werdenden Losgrössen und rasch wechselnden Aufträgen. Die Vision beim Spezialisten für Umformtechnik Salvagnini hat sich entsprechend weiterentwickelt. Sein Spektrum an Maschinen und Leistungen hat das Unternehmen inzwischen um das Social-Industry-Modell ergänzt. Es soll digitale – per Definition nicht greifbare – Technologien mit den modernsten Produktionskonzepten, Prozessflüssen und smarten Herstellverfahren vereinen. Der Mensch und sein Fachwissen sind der Berührungspunkt zwischen diesen beiden Dimensionen, die augenscheinlich so weit voneinander entfernt sind wie die soziale Dimension des Immateriellen von der physischen der Produktionsprozesse. Das Ergebnis ist eine Kombination aus adaptiven, effizienten und automatisierten Prozessen, die optimal aufeinander abgestimmt und innerhalb und ausserhalb des Fertigungsbetriebs miteinander vernetzt sind. Das beinhaltet, Mensch und Umwelt zu respektieren, untereinander zu kommunizieren, Produktionsstillstände zu eliminieren, Produktivität zu maximieren, Produktionen kundenspezifisch anzupassen sowie Ausschuss und Verbrauch zu minimieren.

Mensch im Zentrum

Die Zentralität des Menschen ist der Schlüssel, der Eckpfeiler von Social Industry. «Wir ermöglichen den Menschen, etwas anderes zu machen als in der Vergangenheit», erklärt Tommaso Bonuzzi, Verkaufsleiter bei Salvagnini. «Wir fördern ihre Fähigkeiten, übertragen ihnen die Steuerung und die Verwaltung von Produktionssystemen aus der Distanz und eliminieren alle Tätigkeiten mit geringem Mehrwert, die in gewisser Hinsicht entfremdend sind; somit ermöglichen wir ihnen, ihr gesamtes Entwicklungspotenzial zu entfalten. Mit unseren neuen Softwarelösungen kann der Bediener die Produktion auf bestmögliche Weise organisieren, Arbeitsflüsse aufeinander abstimmen und nur das produzieren, was gebraucht wird, wenn es gebraucht wird. Die komplett mit Sensoren ausgestatteten adaptiven Maschinen korrigieren sich selbst während des Bearbeitungszyklus und verbrauchen nur die wirklich erforderliche Energie.»

Gesamteffizienz betrachten

Neben der Effizienz einzelner Prozesse konzentriert sich diese Strategie auf die Gesamteffizienz eines Fertigungsbetriebs. Salvagnini stellt dafür dem Menschen aktuelle Mittel für eine authentische, flexible Automatisierung zur Verfügung. Das sieht der Hersteller als den wahren Mehrwert von Social Industry. Dazu sagt Tommaso Bonuzzi: «Es geht um eine vollständig integrierte und optimal aufeinander abgestimmte Lösung, mit der man das produziert, was gebraucht wird, wenn es gebraucht wird, unabhängig von den jeweiligen Losgrössen.» Wie er weiter berichtet, fordern Fertigungsbetriebe zunehmend eine solche Strategie. Der Hersteller Salvagnini bietet dafür seine adaptiven Maschinen, die in einem ineinander verketteten Arbeitsfluss zusammenarbeiten. Zur Messe Euroblech in Stuttgart konnten Fachkräfte diesen miteinander verknüpften Materialfluss und seine automatische, digitale Steuerung erfahren. Für ein wählbares Werkstück wählten sie die gewünschte Variante und – in Grenzen – individuelle Gestaltung. Im Produktionsablauf interagieren beim Konzept von Salvagnini alle in den Produktionsablauf integrierten Maschinen – Laserschneidmaschine, Abkantpresse oder Biegezentrum. Jede davon informiert automatisch die nachfolgende über den aktuellen Fertigungsfortschritt. Sämtliche Maschinen arbeiten zusammen und interagieren, um das zu produzieren, was gebraucht wird, wenn es gebraucht wird. Sie sind über fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF) miteinander verbunden. Diese bewegen sich frei zwischen den Maschinen und transportieren die Werkstücke für einen durchgängigen Produktionsfluss. Das betrachtet der Hersteller Salvagnini als das zukunftsträchtige Konzept einer digitalen Fabrik.

Software entscheidend

Um diese integrierte Produktion zu programmieren und zu steuern, hat der Hersteller die Software­suite Stream verwirklicht. Sie steuert alle Abläufe vom kaufmännischen bis in den technischen, produktiven Bereich eines Fertigungsbetriebs. Bei Letzterem sind sämtliche Verfahren und Technologien integriert. Von der Planung und Programmierung über die Produktion und die Verwaltung bis zur Kontrolle und zur Optimierung des gesamten Produktionsprozesses enthält sie sämtliche Funktionen. Informationen zu den zu produzierenden Produkten erhält sie direkt vom ERP-System. Ausgehend vom 3D-Modell eines Werkstücks erstellen die Programmierer und Arbeitsplaner die Abwicklung der Bleche, passen diese mithilfe der Software an die verwendete Biegetechnologie an und erfüllen so die technischen Vorgaben der jeweiligen Abkantpresse oder des Biegezentrums. Automatisch werden Bauteile für Laserschneiden, Stanzen oder sogar für kombinierte Laserschneid- und Stanzprozesse verschachtelt. Dank dieser automatisierten Abläufe wird der Programmierer zum Supervisor. Er überwacht und sorgt dafür, dass die Prozesse reibungslos und korrekt ablaufen. Er greift nur ein, wenn der Prozess nach seinen Erfahrungen geändert oder verbessert werden muss. Er benötigt keine Kenntnisse der technischen Eigenschaften und typischen Einschränkungen der Produktionsprozesse und Bearbeitungsverfahren. Diese enthält die Software und berücksichtigt sie beim Programmieren und Planen. Zusätzlicher Vorteil ist, dass die in der Software enthaltenen Daten auch für die Kalkulation von Kosten und Durchlaufzeiten zur Verfügung stehen. - kmu - SMM

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