Ibor AG stärkt Produktionsstandort Millioneninvestition in Ettiswil

Von Matthias Böhm 5 min Lesedauer

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Mit derzeit 19 CNC-Bearbeitungszentren und 35 Mitarbeitenden ist die Ibor AG (Ettiswil LU) in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen, so dass die bestehende Produktionshalle an ihre Grenzen stösst. Der Verwaltungsrat der Ibor AG hat zusammen mit der Geschäftsleitung beschlossen, in weitere Produktionshallen zu investieren und zudem den Maschinenpark zu modernisieren und zu erweitern. Zusätzlich soll ein CNC-Kompetenz- und Ausbildungszentrum in das Unternehmen integriert werden. Manuel Meier (Inhaber und CEO der Ibor AG) zeigt auf, welche Zukunftspläne die Geschäftsleitung konkret hat.

Die Ibor AG fokussiert sich auf grosse Fräsbearbeitungsmaschinen sowie 5-Achs-Maschinen mit flexiblen Automationslösungen für kleine und mittelgrosse Serien. Auch in 3D-Messmaschinen wird investiert.(Bild:  Thomas Entzeroth)
Die Ibor AG fokussiert sich auf grosse Fräsbearbeitungsmaschinen sowie 5-Achs-Maschinen mit flexiblen Automationslösungen für kleine und mittelgrosse Serien. Auch in 3D-Messmaschinen wird investiert.
(Bild: Thomas Entzeroth)

SMM: Bevor wir auf Ihre zukünftigen Millioneninvestitionen eingehen, ein Blick in die Gegenwart: Welche Baugruppen, Komponenten und typischen Losgrössen sind aktuell der Fertigungsfokus der Ibor AG und welches Werkstoffspektrum bearbeiten Sie im Wesentlichen?

Manuel Meier: Bauteile bis X 5500 mm und Y 1500 mm sowie automatisiert gefertigte kubische Teile bis Störkreisdurchmesser D = 1200 mm sind heute die Kernkompetenzen der Ibor AG. Die typischen Losgrössen sind 1–100 Stück, bei einem Anteil von Neuprojekten mit 75 Prozent. Bearbeitet werden 70 Prozent Aluminium und 30 Prozent Stahl- wie auch Rostfrei-Materialien. Unser Teilespektrum ist mittlerweile sehr gross und wir sind in vielen unterschiedlichen Branchen verankert.

Sie investieren aktuell und in den kommenden Jahren massiv in Ihr Unternehmen. Erstens ...: Welche baulichen Massnahmen nehmen Sie konkret vor und in welchem Zeitrahmen werden die neuen Industriegebäude fertiggestellt?

M. Meier: Zurzeit läuft der Erweiterungsbau mit total 1350 m2 Produktions- und Aufenthaltsfläche, welcher dann an das bestehende Gebäude gekoppelt wird. Bis April 2025 sollte dieser Neubau abgeschlossen sein. Anschliessend werden die bestehenden Produktionsgebäude energetisch saniert und diverse Räume bis September 2025 angepasst bzw. optimiert. Im 2026 und 2027 werden dann noch weitere Gebäude für zusätzliche Produktions- und Logistikflächen dazukommen. Das Betriebsareal der Ibor AG wird somit bis 2027 von 3150 m2 auf 7450 m2 vergrössert.

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... und zweitens: Das heisst, es gibt auch mehr Platz für Werkzeugmaschinen. In welche Produktionsmittel werden Sie konkret investieren und welche Komponenten und Bauteile können Sie zukünftig zu Ihrem bisherigen Bauteilspektrum fertigen?

M. Meier: Wir fokussieren uns in Zukunft weiterhin auf grosse Fräsbearbeitungsmaschinen sowie 5-Achs-Maschinen mit flexiblen Automationslösungen für kleine und mittelgrosse Serien. Auch in 3D-Messmaschinen wird investiert, damit wir die hohen Qualitätsstandards gewährleisten können. Wir wollen somit in Zukunft ein noch viel breiteres Teilespektrum wie auch grössere Bauteile abdecken können.

Mit der Investition in eine FTP-Portalfräsmaschine mit einer möglichen Bearbeitungsgrösse von 6000 × 4000 mm gehen Sie in komplett neue Dimensionen. Welches Kundenspektrum peilen Sie mit dieser Investition an?

M. Meier: Diese Maschine werden wir mit einem 5-Achsen-Kopf mit automatischem Fräskopfwechselsystem ausrüsten, damit wir einen möglichst grossen Anteil an gros­sen Bauteilen am Markt abdecken können: vom klassischen Maschinenbau bis in die Luft- und Raumfahrttechnik. Wir werden aber auch unsere bestehenden grossen Maschinen damit entlasten und gewisse Frästeile können auf der neuen Maschine noch effizienter hergestellt werden. Durch den grossen Aufspanntisch können wir mehrere Teile aufspannen, um den Stillstand der Maschine zu reduzieren und so grosse Teile wirtschaftlich, flexibel und mit kurzer Lieferfrist herzustellen.

Welche Rolle spielt Fertigungsautomation in Ihrem Unternehmen, aktuell und in Zukunft?

M. Meier: Einige unserer Maschinen sind mit einem Palettenwechsler mit bis zu 22 Paletten ausgestattet, um auch kleinere Stückzahlen flexibel zu automatisieren. Im Tagesbetrieb werden Einzelteile und Kleinstserien bearbeitet und in der Nacht sowie an den Wochenenden laufen dann diese Maschine automatisiert. Auch in Zukunft werden Neu- oder Ersatzinvestitionen immer mit einer Automation geprüft. Da wir einen sehr hohen Anteil von ca. 75 Prozent an Neuprojekten haben, sind sehr flexible Automationslösungen gefragt.

Sie wollen auch neu ein Kompetenz- und Schulungszentrum in die Ibor AG integrieren. Können Sie näher ausführen, was das konkret bedeutet?

M. Meier: Neben der Berufsbildung für Polymechaniker investieren wir viel in die Ausbildung unserer Mitarbeitenden. Da wir viele Neuteile haben, ist unser Programmieraufwand hoch. Deshalb setzen wir 15 CAM-Arbeitsplätze ein; heisst: bei jeder 4-/5-Achsen-Maschine einen eigenen CAM-Arbeitsplatz. Diese Strategie bietet einige Vorteile in unserem hektischen Umfeld. Zwei Führungspersonen sind für eine stetige Ausbildung der Mitarbeitenden verantwortlich. In Gruppen wird dann fortlaufend geschult und über mögliche Optimierungen diskutiert. Nur so kann das hohe Niveau gehalten werden und können Schwachstellen aufgezeigt werden, welche dann mit gezielten Massnahmen behoben werden können. Im Neubau entsteht ein grosszügiger Schulungsraum, welcher dann für verschiedene Schulungszwecke der Mitarbeitenden verwendet werden kann.

Unsere Jahreshauptausgabe läuft unter dem Thema Trends und Innovationen. Was muss man als Produktionsunternehmen Mitarbeitenden bieten, damit sie langfristig und motiviert agieren? Wie realisieren Sie das bei der Ibor AG?

M. Meier: Ein gut funktionierendes Team in einer klaren Organisationsstruktur, eine moderne Infrastruktur mit zeitgemässen Anstellungsbedingungen. Entscheidend ist aus meiner Sicht ein offener, vertrauensvoller und wertschätzender Umgang miteinander. Seit Jahren leben wir nach diesen Grundsätzen.

Entscheidend ist aus meiner Sicht ein offener, vertrauensvoller und wertschätzender Umgang miteinander.

Manuel Meier, Inhaber und CEO der Ibor AG

30 Ihrer 35 Mitarbeitenden sind gelernte Polymechaniker, welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht eine gute Grundausbildung für den Unternehmenserfolg?

M. Meier: Eine solide Grundbildung als Polymechaniker finde ich sehr wichtig. Wenn dann nach der Berufsbildung immer noch viel Freude am Beruf dabei ist, dann ist die Basis gelegt für die Entwicklung zum Spezialisten. Wichtig scheint mir, dass die ausgelernten Polymechaniker stetig gefordert werden, Verantwortung übernehmen können und eine gewisse Freiheit bekommen. Dann steigt die Motivation und dann logischerweise auch der Unternehmenserfolg – eigentlich ganz einfach.

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Können Sie beschreiben, wie Sie die Verantwortung im Unternehmen verteilen und welche Verantwortung der/die einzelne MitarbeiterIn übernimmt?

M. Meier: Wir haben ein sehr stabiles, junges Team mit langjährigen Mitarbeitenden, welche sich in den Jahren intern und extern weitergebildet haben. Dadurch können wir gerade in einer solchen Wachstumsphase die Aufgaben intern verteilen. Das gibt Abwechslung und mit zusätzlicher Verantwortung steigt auch die Erfahrung.

Jeder Polymechaniker ist von der Programmierung bis zur Auslieferung verantwortlich, inkl. Terminüberwachung. Neben der Geschäftsführung besteht unsere Führungscrew aus einer Geschäftsleitung mit 3 Mitarbeitenden (AVOR/Produktion/Logistik) und aus einem Kader mit 3 Mitarbeitenden (Aus- und Weiterbildung/Systemtechnik/Buchhaltung).

Seit Ihrem Einstieg als CEO im 2012 ist die Ibor AG kontinuierlich von 17 auf mittlerweile 35 Mitarbeitende gewachsen. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe respektive Schlüsselelemente, dass Ihr Unternehmen sich dermassen gut entwickelt hat?

M. Meier: Ohne das gut funktionierende und motivierte Team wäre eine solche Entwicklung nie möglich gewesen. Dank dieser tollen Entwicklung der letzten Jahre konnten wir sehr viel in Mitarbeitende, Erneuerungen, zusätzliche Maschinen und die allgemeine Infrastruktur investieren. Auch das Netzwerk wurde stetig ausgebaut und wir sind heute in sehr vielen unterschiedlichen Branchen unterwegs. Absolute Zuverlässigkeit, schnelle Reaktionszeit und kurze Lieferfristen sind dann das Resultat dieser Schlüsselelemente.

Bei der Ibor AG läuft es in den letzten Jahren ausgezeichnet. Wie schätzen Sie die gesamte Entwicklung des Werkplatzes Schweiz in der näheren Zukunft ein, von der das Wachstum der Ibor AG letztlich auch abhängig ist?

M. Meier: Die Entwicklung des Werkplatzes Schweiz ist in den letzten Monaten leider alles andere als gut und die Aussichten sind im momentanen Umfeld (EU) extrem schwierig einzuschätzen. Auftragsmangel, Wechselkurs, Energiepreise und Mangel an Arbeitskräften sind dabei die grössten Herausforderungen der KMU-MEM-Branchen. Hat man ein motiviertes Team im Unternehmen und investiert fortlaufend in die Infrastruktur, dann wird man auch solche Herausforderungen bewältigen. Wir blicken zuversichtlich nach vorne, machen unsere «Hausaufgaben» und packen die Chancen, welche entstehen werden.

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