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Moderne Fertigung Modernste Technik und Effizienz für PET-Flaschen

| Autor: Anne Richter

Die Otto Hofstetter AG ist weltweit führender Hersteller von Spritzgiesswerkzeugen unter anderem für PET-Flaschen-Preforms. Das Unternehmen hat sich von einer traditionellen Manufaktur zu einem effizienten, modernen Industrieunternehmen entwickelt, das seine Produkte in die ganze Welt exportiert.

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Qualität im Detail: Für höchste Präzision ist auch immer noch ein Anteil Handarbeit notwendig.
Qualität im Detail: Für höchste Präzision ist auch immer noch ein Anteil Handarbeit notwendig.
(Bild: Anne Richter, SMM)

Es gibt Produkte, bei denen ist es sofort ersichtlich, wie aufwendig und anspruchsvoll die Produktion ist und welche Qualitätsanforderungen dahinterstecken. Bei Autos zum Beispiel oder bei mechanischen Uhren. Und dann gibt es Produkte, die sind so alltäglich, dass der Nichtfachmann nicht erahnen kann, welches Know-how und was für eine Präzision zur Herstellung notwendig sind.

Dies ist zum Beispiel bei PET-Flaschen der Fall. Für die Herstellung der dünnen Wände der Kunststoff-Flaschen sind Spritzgiesswerkzeuge mit hohen Qualitätsanforderungen und hoher Präzision gefragt. Spritzgiesswerkzeuge wie sie die Otto Hofstetter AG aus Uznach in die ganze Welt liefert.

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Je feiner das Produkt, desto präziser die Werkzeuge

«Solch einfache PET-Flaschen haben einen grossen Hintergrund an Technik, je feiner das Produkt und je dünner die Wände des Endproduktes sind, desto präziser müssen die Werkzeuge sein und umso aufwendiger wird es, sie zu bauen», erklärt Stefan Zatti, Bereichsleiter Verkauf & Marketing bei der Otto Hofstetter AG, die technischen Anforderungen an die Hochpräzisionswerkzeuge und ergänzt: «Denn aus dünnen Wandstärken am Kunststoffteil resultiert ein dünner Spalt im Werkzeug zwischen den Stahlteilen. Dementsprechend höher sind die Einspritzdrücke. Und hohe Einspritzdrücke verlangen unter anderem höhere Präzision im Werkzeug.»

Veränderte Rahmenbedingungen erfordern Veränderungen

Doch nicht nur die hochpräzisen Qualitätsprodukte allein machen Hofstetter zu einem weltweit erfolgreichen Unternehmen, sondern eine ganze Reihe weiterer Faktoren. So ist ein wesentlicher Punkt für den heutigen Erfolg die Wandlung und Anpassung des Unternehmens an die Veränderungen im internationalen Geschäft. «Wir haben gesehen, was in der Welt passiert, und uns geöffnet und die bisherigen Strategien infrage gestellt», berichtet St. Zatti.

Bis vor 15 Jahren war die Hofstetter AG ein klassischer Werkzeugbauer, zu vergleichen mit einer Manufaktur, welche sehr gute Produkte herstellt. Doch die Anforderungen und Rahmenbedingungen haben sich seitdem geändert. Die Kunden erwarten immer kürzere Lieferzeiten, eine höhere Flexibilität und natürlich konkurrenzfähige Preise. Daher sind Währungsschwankungen für ein Schweizer Unternehmen eine zusätzliche Herausforderung. «Die Kunden zahlen nicht mehr für unsere Produkte, nur weil der Schweizer Franken so stark geworden ist», erklärt St. Zatti.

Grösste Investition in der Firmengeschichte

So entschied man sich bei Hofstetter zu Investitionen in die Produktion. Ein erstes Projekt war um die Jahrtausendwende der Aufbau einer eigenen Stammformenfertigung. Dabei ging es um höhere Effizienz, schnellere Durchlaufzeiten und mehr Flexibilität. «Es war die grösste Investition in der Firmengeschichte», erzählt St. Zatti, «und trotz anfänglicher Zweifel war das einer unserer grössten Erfolge. In puncto Effizienz haben wir uns so stark verbessert, wie wir es nicht für möglich gehalten hatten.»

Insgesamt wurden so 20 Prozent der Wertschöpfung zurück ins Unternehmen geholt. Allein sieben Millionen Schweizer Franken investierte Hofstetter in seine Grossteileproduktion, die vorher zu 100 Prozent von Zulieferern durchgeführt wurde. «Dadurch sind wir flexibler und schneller geworden und zusätzlich bleibt der Gewinn für diese Teile im Haus», fasst St. Zatti die Resultate der Investitionen zusammen und ergänzt: «Wir haben immer da investiert, wo das Geld verdient wird, und das ist zur Hauptsache in unserer Produktion.» Nach 10 Jahren Produktionszeit wurde dann aufgrund der hohen Auslastung und damit verbundenen Maschinenstundenzahl bereits die 2. Generation der Bearbeitungscenter installiert.

Schlanke Produktion, schlankes Produkteportfolio

Doch es geht nicht nur um materielle Investitionen, sondern um eine durchgängige, schlanke und flexible Produktion. So wurde beispielsweise auch das Werkzeugmaschinenkonzept überdacht. Heute beschränkt man sich bei Hofstetter auf maximal drei verschiedene Hersteller von Maschinensteuerungen. «Dabei geht es gar nicht darum, ob eine Steuerung besser oder schlechter ist, sondern um die Tatsache, dass so ein Mitarbeiter mehrere Maschinen mit immer den gleichen Steuerungskenntnissen bedienen kann», erklärt St. Zatti. Auch im Produkteportfolio konzentriert man sich bei Hofstetter auf eine sehr übersichtliche Range an Produkten. «Wir sehen darin, dass wir uns im Werkzeugbau auf zwei Produktegruppen konzentriert haben, auch einen Teil unseres Erfolgs. Wir denken, wer alles versucht zu machen, schlussendlich nichts richtig macht. Deshalb sind wir beispielsweise bewusst nie in die Medizintechnik eingestiegen», erklärt St. Zatti.

Lieferanten als Partner

Doch die Veränderungen betreffen nicht nur das eigene Unternehmen, sondern auch die Zulieferer. «Wir sehen unsere Lieferanten als strategische Partner und die haben wir bei unseren Veränderungsprozessen auch mit ins Boot genommen», berichtet St. Zatti. So ist nicht nur die Hofstetter AG effizienter geworden, sondern auch die Zulieferbetriebe bzw. die Partnerunternehmen wie St. Zatti betont: «Das ist wahrscheinlich auch eines unserer Erfolgsgeheimnisse; wir haben unsere Lieferanten immer als Partner gesehen.»

Kundenbindung durch Beratung und Service

Natürlich gibt es noch eine Reihe anderer Kriterien und Gründe für die langjährige erfolgreiche Geschäftstätigkeit bei Hofstetter. Dazu gehören die langjährige Erfahrung im Werkzeugbau und damit einhergehenden Kundenbindung, einer Beratung und Service, die den Kunden einbinden: «Unser Erfolg ist nicht nur im Produkt allein begründet, sondern auch in der Beratung und im Service», bestätigt St. Zatti und präzisiert: «Bei unseren Kundenkontakten fragen wir uns immer, wie sich der Mehrwert unseres Werkzeuges für unseren Kunden darstellen lässt. Hier sehen wir einen riesigen Unterschied in der Betrachtungsweise, vor allem zu günstigen Werkzeugbauern ausserhalb Europas.»

Auch im Vertrieb setzt die Hofstetter AG auf Kooperation. Für mittelständige Unternehmen ist es eine grosse Herausforderung, ein weltweites Service- und Vertriebsnetz aufzubauen und zu unterhalten. So pflegt das Unternehmen einen engen Kontakt zu den grossen Spritzgiessmaschinenherstellern. «So sind wir in den weltweiten Vertriebsnetzen derselben integriert», berichtet St. Zatti.

37 Prozent der Mitarbeiter sind ehemalige Lehrlinge

Wie viele Schweizer Vorzeigeunternehmen setzt die Hofstetter AG auf das duale Bildungssystem und die Ausbildung eigener Mitarbeiter. Das zeigt sich vor allem im hohen Stellenwert der Ausbildung. St. Zatti: «In unserer Lehrwerkstatt stehen nicht die ausgedienten Maschinen aus der Produktion, sondern neue, moderne Maschinen, die an unsere Produktion angelehnt sind. Das erhöht die Attraktivität des Ausbildungsplatzes, an welchem sich die jungen Leute verwirklichen können. Dadurch haben wir auch keine grossen Probleme in der Gewinnung von Fachkräften.» Das zeigt sich auch darin, dass 37 Prozent der Mitarbeiter ehemalige Lehrlinge sind.

Aufgrund all der Massnahmen und der hohen Qualitätsansprüche sieht St. Zatti positiv in die Zukunft: «Wir bewegen uns im Topsegment der Qualität. Für solche Spitzenprodukte gibt es immer Abnehmer, welche auch bereit sind, einen fairen Preis dafür zu bezahlen. In diesem Segment ist die Schweiz traditionell immer zu Hause gewesen. Wenn wir unsere Werte pflegen, dann sehe ich überhaupt keine Probleme für den Standort Schweiz.» <<

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Über den Autor

 Anne Richter

Anne Richter

Redaktorin SMM