Interview mit Hans-Peter Kindler, Geschäftsführer Parkem Motivierte und flexible Mitarbeiter sind das A & O

Redakteur: Silvano Böni

>> Der Antriebs- und Steuerungstechnikspezialist Parkem feiert sein 15-Jahre-Jubiläum. Grund genug, sich mit dem Geschäftsführer Hans-Peter Kindler über die vergangenen Jahre und die Zukunft des Unternehmens zu unterhalten. Ausserdem erläutert er, wie einfach es ist, Energie zu sparen, und wieso er kein grosser Freund der Messelandschaft Schweiz geworden ist.

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Das Verkaufen von Produkten ohne dazugehörige Dienstleistungen ist praktisch nicht mehr möglich.
Das Verkaufen von Produkten ohne dazugehörige Dienstleistungen ist praktisch nicht mehr möglich.
(Bild: SMM)

SMM: Sie leiten die Firma Parkem seit ihrer Gründung vor 15 Jahren. Wie hat sich in dieser Zeit der Markt verändert?

Hans-Peter Kindler: Da ist einiges passiert. Nicht nur der Markt hat sich verändert, sondern unser ganzes Leben. Die Gesellschaft hat sich stark gewandelt und mit ihr natürlich auch die Wirtschaft. Das Internet hat es damals so nicht gegeben, zumindest auf der privaten Ebene nicht. Heute dominiert es praktisch das Leben. Wir sind in einer Kommunikationsgesellschaft angekommen, einer digitalen Welt. Zu dieser Zeit kam auch die Einführung des Euros, und durch diesen und die neue Kommunikationsmittel hat sich natürlich auch der Handel mit Produkten stark verändert. Der relativ abgeschottete Schweizer Markt wurde dadurch geöffnet. Man konnte dank Internet und einheitlicher Währung sofort zig andere Lieferanten für sein Produkt finden und die Preise vergleichen.

Ist das Geschäft demnach schwieriger geworden?

H. Kindler: Ich würde nicht sagen schwieriger, es ist anders geworden. Der Markt, wenn er denn funktioniert, ist selbstregulierend. Unsere Aufgabe als Unternehmen ist es, sich diesen Veränderungen anzupassen, neue Lösungen und Wege zu finden. Man muss auch erwähnen, dass der Maschinenmarkt gewissen Zyklen unterliegt. Diese hat es schon immer gegeben, aber sie wurden kürzer und das Auf und Ab wurde intensiver. Das verlangt nach einer grösseren Flexibilität. Eine grosse Veränderung gab es durch die Finanzkrise. Zum ersten Mal hat eine einzelne Branche zahlreiche andere in dem Masse mitgerissen. Das Bittere daran ist, die Finanzwelt hat sich, mit staatlicher Unterstützung, aus dieser Krise befreit, andere Branchen aber noch immer nicht! Vor allem die exportierende Maschinenindustrie muss nach wie vor kämpfen.

Eine dieser kämpfenden Branchen ist der Solarmarkt. Sie liefern Ihre Produkte selbst auch an Meyer Burger, der wohl bekanntesten Schweizer Solarfirma. Wie sehen Sie die Zukunft dieser Branche?

H. Kindler: Die Stärke der Solarbranche kam hauptsächlich durch den politischen Willen zustande, sich für alternative Energien einzusetzen, diese zu fördern und teilweise auch zu subventionieren. Die Nachfrage wurde immer grösser und neue Anbieter, vor allem aus Fernost, schossen wie Pilze aus dem Boden, es entstand ein Überangebot. Darum findet momentan eine starke Marktbereinigung statt. Vor wenigen Wochen musste der weltgrösste Panelhersteller, die chinesische Firma Suntech, Insolvenz anmelden. Vor kurzem ebenfalls die deutsche Firma Conergy. Also, das Angebot ist kleiner geworden, die Nachfrage ist durch den Subventions-Stopp zwar auch geringer, aber ich denke, da wird sich der Markt wieder erholen. Das Niveau der Erholung wird aber weitestgehend durch die Politik bestimmt. Der Atomausstieg ist beschlossene Sache, dies wird für die alternativen Energien eine Rolle spielen. Wie wichtig diese sein wird, kann ich aber nicht abschätzen. Sie wird aber wichtiger sein als heute, darum bin ich überzeugt davon, dass sich dieser Markt erholen wird, wie schnell und wie stark das sein wird, kann ich nicht sagen.

Die SwissMEM erwartete in diesem Jahr eine Trendwende und sagte eine gute Auftragsentwicklung voraus, die erhofften Wachstumsimpulse blieben bis jetzt jedoch aus. Was hören Sie draussen bei Ihren Kunden?

H. Kindler: Generell gesehen ist es natürlich für alle Firmen, die in den Dollar- oder Euro-Raum exportieren, momentan schwierig. Dies hat sich auch mit der Fixierung des Frankenkurses nicht wesentlich verändert. Die Schwankungen sind zwar weg, aber das Niveau ist tief und viele Kunden sagen mir, dass dies nicht reicht. Besonders prekär ist die Situation in der Werkzeugmaschinenbranche und der Papier- und Druckindustrie. Bei Letzterer wird das Print-Produkt mittlerweile vielfach durch digitale Angebote ergänzt oder gar ersetzt. Auch hier wird es eine Marktbereinigung geben, noch mehr als dass es sie jetzt schon gab. Es gibt aber auch Märkte, die das nicht betrifft. Einer der wichtigen Märkte ist sicherlich die Uhrenindustrie, das ist nach wie vor eine Erfolgsbranche.

Kürzlich war aber zu lesen, dass die Uhr als Statussymbol langsam ausgedient habe. Ist das nicht ein Problem für diese Branche respektive auch für Ihr Unternehmen?

H. Kindler: Das ist sicherlich eine der grössten Sorgen, welche die Uhrenindustrie hat. Bei den Premium- und Luxusuhrenherstellern wachsen die Umsätze momentan noch, es wird sich aber zeigen, wie sich das entwickeln wird. Wenn es aber so weit kommt, werden wir uns etwas anderes überlegen. Ich muss aber auch dazu sagen, dass wir, ausgehend von unserer Firmengrösse, so oder so viele Nischenmärkte beliefern. Da spielt es keine grosse Rolle, ob es der Branche schlecht oder gut geht, da wir unsere Produkte in diesen Nischenmärkten absetzen können. Wenn wir agil sind und diese Nischen finden, sehe ich kein Problem.

Sie feiern Ihr 15-Jahre-Jubiläum als Parkem AG. Welche Bedingungen sind erforderlich, damit Sie in 15 Jahren Ihr 30. Jubiläum feiern können?

H. Kindler: Also ich sehe das nicht so, dass bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen, damit es uns gut geht oder wir weiter existieren können. Wir können uns selbst mit diesen neuen, alltäglich sich ändernden Situationen, die auf uns zukommen, auseinandersetzen und uns diesen anpassen. In 15 Jahren werde ich 70 sein, in dieser Zeit wird es zahlreiche Veränderungen in der Welt, unserer Gesellschaft und der Firma geben, eine Prognose zu machen, ist unmöglich. Man muss einfach täglich mit der neuen Situation umgehen. Motivierte, agile und flexible Mitarbeiter sind dabei das A und O. Dazu eine gewisse Gelassenheit gegenüber neuen Herausforderungen und all dem, was auf einen zukommt. Dann dürften wir auch das 30. Jubiläum feiern.

Energiesparen liegt im Trend und ist ein gutes Verkaufsargument. Inwiefern können Ihre Produkte helfen, den Energieverbrauch zu senken?

H. Kindler: Wir sind schon seit jeher auf diesem Gebiet tätig, welches versucht Energie zu sparen. Dazu haben wir im Frühling auch eine Kampagne lanciert, wo wir den Kunden erklären, warum Öl durch Strom oder Hydraulik durch Elektrik ersetzt werden sollte. Die elektrische Antriebstechnik ist einfach die effizienteste Antriebstechnik, die es gibt, trotzdem ist das Sparpotenzial noch riesig. Zehntausende von Motoren werden direkt am Netz betrieben anstatt über einen Frequenzumrichter, da geht viel Energie verloren. Ich kann nur jedem empfehlen, wo immer möglich einen Frequenzumrichter einzusetzen, damit wäre ein grosser Beitrag geleistet. Das Problem ist vielerorts, dass energieeffiziente Produkte in den Anschaffungskosten höher sind. Wenn man aber den Total-Cost-of-Ownership betrachten würde, würde sich trotz höherer Investitionskosten eine positive Bilanz ergeben.

Und wie überzeugt man die Kunden davon, einen Antrieb mit Frequenzumrichter zu betrieben?

H. Kindler: Wir sind Zulieferer von Maschinenbaufirmen, wir können viele energieeffiziente Produkte liefern. Aber unsere Kunden müssen diese effiziente Technik auch ihren Kunden erklären können. Das Problem dabei ist, der Maschinenbauer verkauft seine Maschine auch an Standorte wo Energie nicht so teuer ist wie bei uns, er verkauft an Orte, wo das Umweltbewusstsein noch in den Kinderschuhen steckt. Genau hier wird dann schlussendlich nach dem Preis entschieden. Wir können da zu wenig Einfluss nehmen, dafür sind wir im Markt einfach zu klein.

Eine Ihrer Stärken liegt im Dienstleistungsbereich, in der Wartung, Reparatur und dem Support. Wie stark hat sich dieser Bereich dank neuer Technologien verändert?

H. Kindler: Grundsätzlich muss ich sagen, dass heutzutage das Verkaufen von Produkten ohne die dazugehörigen Dienstleistungen nicht mehr möglich ist. Der Vielfalt von Dienstleistungen sind fast keine Grenzen gesetzt. Eine Form ist der Support oder die Wartung von Produkten. Früher fuhr der Servicetechniker direkt zum Kunden, um Störungen zu beheben. Mit den heutigen Tools, wie einer Fernwartungssoftware, ist das anders. Der Techniker kann das Problem von hier aus analysieren und oft direkt beheben. Er ist in seiner Arbeitsweise effizienter geworden und so viel schneller für den nächsten Kunden frei. So können sechs bis acht Kunden pro Stunde zufriedengestellt werden, früher war es vielleicht einer am Tag, wenn es am Weg lag, auch zwei.

Wie sieht das Ganze im Verhältnis aus? Wie viel Umsatz generieren Sie bereits mit dem Dienstleistungs-Sektor?

H. Kindler: Im Moment ist das Verhältnis circa 85 Prozent Verkauf, 15 Prozent Dienstleistung. Wir forcieren diesen Bereich aber sehr stark. Ziel ist es, in fünf Jahren ein Fifty-fifty-Verhältnis zu haben. Mit unserem Dienstleistungsangebot können wir neue Bedürfnisse abdecken und zusätzlichen Kundennutzen schaffen.

An den Automationsmessen von SwissT.net und easyfairs glänzten Sie mit Abwesenheit. Sagen Ihnen die Messeformate in der Schweiz nicht zu?

H. Kindler: Dieses Thema beschäftigt mich seit fast 30 Jahren. Ich habe bereits verschiedenste Formate mitgemacht, lange überlebt hat keine dieser Veranstaltungen. Die Automationsmessen in der Schweiz funktionieren einfach nicht, wieso, kann ich auch nicht sagen. Ich muss aber festhalten, dass für eine Firma unserer Grösse ein Messeauftritt nicht ganz einfach ist. Da spielen die Standkosten sowie der personelle Aufwand eine Rolle. Wir haben beschränkte Ressourcen und während dieser Zeit sind unsere Verkaufsingenieure effizienter bei den Kunden, wo sie richtig helfen können.

Den Tag über leiten Sie das Unternehmen Parkem. Wie entspannen Sie nach getaner Arbeit?

H. Kindler: Meine Familie ist mir sehr wichtig, ihr widme ich viel Zeit. Meine Familie heisst aber nicht nur meine Frau und meine zwei Kinder, sondern auch meine Geschwister, ihre Kinder und Kindeskinder. Wir sehen uns regelmässig, die Gespräche, die Treffen und das Zusammensein helfen beim Abschalten sehr. Einen anderen Teil meiner Freizeit nutze ich dafür, fit zu bleiben. Ich sorge dafür, dass der Körper Entspannung und Beschäftigung zugleich findet. Ich mache dreimal pro Woche Ausdauer- und Kraftsport. Das Herz, die Lunge, der ganze Kreislauf muss ab einem gewissen Alter einfach mehr gepflegt werden. Aber das alles mache ich zum Spass. Ich muss keinen Berg besteigen oder bis ans Ende meiner Kräfte rennen, ich brauche diesen Adrenalinkick nicht. Ich will etwas für meinen Körper tun, aber es soll auch Spass machen. <<

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