Jahresergebnis 2021 Oerlikon Oerlikon mit starkem Wachstum und neuem Führungsmodell

Von Anne Richter

Ein starkes Wachstum und höhere Margen in beiden Divisionen meldet Oerlikon für das Geschäftsjahr 2021. Für 2022 wird erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt. CEO Roland Fischer scheidet aus privaten Gründen aus. Im neuen Führungsmodell ünbernimmt Michael Süss die Position als Executive Chair.

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Oerlikon meldet im Geschäftsjahr 2021 ein starkes Wachstum und höhere Margen in beiden Divisionen.
Oerlikon meldet im Geschäftsjahr 2021 ein starkes Wachstum und höhere Margen in beiden Divisionen.
(Bild: Oerlikon)

«Unser Unternehmen ist 2021 weiter gewachsen und hat deutlich höhere Margen erzielt; für 2022 erwarten wir eine Fortsetzung des profitablen Wachstums», erklärte Roland Fischer, CEO von Oerlikon und ergänzt: «Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir im Unternehmen besser aufgestellt sind als schon lange. Im operativen Geschäft haben wir gut gewirtschaftet, unsere Kosten effektiv gesenkt, Lieferengpässe erfolgreich abgefangen und so unser EBITDA wieder auf das Vor-Pandemie-Niveau angehoben. Ausserdem haben wir zwei wertsteigernde, ergänzende Akquisitionen erfolgreich abgeschlossen, unser Geschäft weiter diversifiziert und auch bei unseren Nachhaltigkeitsinitiativen hervorragende Fortschritte gemacht. 2022 werden wir unsere Expansionsstrategie in den Wachstumsmärkten weiterverfolgen und dabei die zunehmende Erholung der Märkte nutzen; ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Kostenkontrolle.»

Starkes Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2021 unter Beteiligung beider Divisionen

Oerlikon verzeichnete steigende Bestellungen und Umsätze, gestützt durch die Markterholung in der Surface Solutions Division und eine starke Nachfrage in der Polymer Processing Solutions Division. Der Bestellungseingang des Konzerns stieg um 25% auf CHF 2 797 Mio., einschliesslich eines positiven Währungseffekts von 0,6%. Der Konzernumsatz stieg 2021 deutlich um 17% auf CHF 2 649 Mio., einschliesslich eines positiven Währungseffekts von 0,7%. 2021 erwirtschaftete die Surface Solutions Division 48% des Konzernumsatzes und 52% des operativen Konzern-EBITDA, während auf die Polymer Processing Solutions Division 52% des Konzernumsatzes und 48% des operativen Konzern-EBITDA entfielen.

Langfristig erfolgreiche Kostensenkungsmassnahmen und operatives Leverage im Geschäftsjahr 2021

Das operative Konzern-EBITDA stieg um 39% von CHF 323 Mio. im Jahr 2020 auf nunmehr CHF 447 Mio. Entsprechend stieg auch die operative EBITDA-Marge auf 16,9% und verzeichnete damit einen Zuwachs von 260 Basispunkten – ein Zeichen für die Umsatzerholung und den nachhaltig positiven Einfluss der Kostensenkungsmassnahmen. Die operative EBIT-Marge belief sich auf 8,7% (CHF 231 Mio.) im Vergleich zu 5,3% (CHF 119 Mio.) im Vorjahr. Das unbereinigte EBITDA des Konzerns stieg um 54,2% auf CHF 444 Mio., was 16,7% des Umsatzes entspricht. Das unbereinigte EBIT des Konzerns betrug CHF 220 Mio. bzw. 8,3% des Umsatzes. 2020 lagen das unbereinigte Konzern-EBITDA bei CHF 288 Mio. bzw. 12,7% des Umsatzes und das EBIT bei CHF 73 Mio. bzw. 3,2% des Umsatzes. Die Überleitung der unbereinigten zu den operativen Zahlen ist den nachfolgenden Tabellen zu entnehmen.

Das Ergebnis des Oerlikon Konzerns aus fortgeführten Tätigkeiten belief sich im Jahr 2021 auf CHF 162 Mio., verglichen mit CHF 38 Mio. im Jahr 2020 – das entspricht einem Zuwachs von 326%. Unter Berücksichtigung des Effekts nicht fortgeführter Tätigkeiten im Jahr 2021 erzielte der Konzern in diesem Jahr einen Ertrag von CHF 168 Mio. und einen Gewinn je Aktie von CHF 0.50. Dem stehen CHF 38 Mio. bzw. CHF 0.11 im Jahr 2020 gegenüber. Per 31. Dezember 2021 wies Oerlikon eine Nettoverschuldung von CHF 341 Mio. aus. Damit betrug das Verhältnis von Nettoverschuldung zu operativem EBITDA 0,7, einschliesslich der Pro-Forma-Beiträge der Akquisitionen. Der Oerlikon Konzern verfügte über ein Eigenkapital (zurechenbar auf Konzernaktionäre) von CHF 1 424 Mio., was einer Eigenkapitalquote von 33% entspricht.

Anhaltend starkes Engagement für nachhaltige Forschung und Entwicklung (FuE)

Im Geschäftsjahr 2021 reichte Oerlikon 90 Patente ein und investierte darüber hinaus kontinuierlich in Innovationen. In die FuE zur Entwicklung neuer, besserer und nachhaltiger Technologien, die den Kundenbedürfnissen gerecht werden, flossen 4% (CHF 105 Mio.) des Konzernumsatzes 2021.

4. Quartal 2021: Starker Umsatz zum Jahresende

Der Bestellungseingang im 4. Quartal erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 4,9 % auf CHF 673 Mio. (4. Quartal 2020: CHF 642 Mio.). Der Konzernumsatz stieg um 21,1% auf CHF 758 Mio. (4. Quartal 2020: CHF 626 Mio.). Das operative EBITDA des Konzerns erhöhte sich um 13,6% auf CHF 128 Mio., was 16,9% des Umsatzes entspricht (4. Quartal 2020: CHF 113 Mio. bzw. 18,0% des Umsatzes). Das operative EBIT des Konzerns betrug im 4. Quartal CHF 71 Mio. bzw. 9,4% des Umsatzes (4. Quartal 2020: CHF 61 Mio. bzw. 9,8% des Umsatzes). Konzernweit lag das unangepasste EBITDA im 4. Quartal bei CHF 129 Mio. bzw. 17,0% des Umsatzes (2020: CHF 108 Mio.; 17,2%) und das unangepasste EBIT bei CHF 67 Mio. bzw. 8,9% des Umsatzes (2020: CHF 53 Mio.; 8,5%).

Dividende

Der Oerlikon Konzern möchte den Aktionären attraktive Renditen bieten und gleichzeitig seine finanzielle Flexibilität für Investitionen in das Wachstum erhalten. Vor diesem Hintergrund und basierend auf dem guten Konzernergebnis wird der Verwaltungsrat den Aktionären empfehlen, auf der am 5. April 2022 in Pfäffikon, Schweiz, stattfindenden Generalversammlung die Ausschüttung einer ordentlichen Dividende von CHF 0.35 je Aktie zu beschliessen.

Ausblick für 2022: Weiteres profitables Wachstum

Oerlikon wird im kommenden Jahr das Geschäft in Wachstumsmärkten weiter ausbauen, Chancen in sich erholenden Märkten nutzen und das erfolgreiche Kostenmanagement fortsetzen. Ausserdem wird der Konzern die weiteren Auswirkungen der kurzfristigen Lieferengpässe und der pandemiebedingten Schwierigkeiten auch 2022 aktiv managen und abmildern. Für das Jahr 2022 wird ein Konzernumsatz von rund CHF 2,9 Mrd. und eine operative EBITDA-Marge von rund 17,5% erwartet.

Neue Konzernleitungsstruktur per 1. Juli 2022, mit Executive Chair-Modell

Sechs Jahre lang hat Roland Fischer als CEO von Oerlikon die erfolgreiche Transformation des Konzerns vorangebracht. Nun scheidet er aus privaten Gründen per 30. Juni 2022 in Absprache und mit Zustimmung des Verwaltungsrats aus. «Ich bin stolz darauf, was wir bei Oerlikon seit meinem Eintritt als CEO erreicht haben und wie wir das Unternehmen zu einem weltweit tätigen Engineering- und Technologiekonzern mit einer klaren strategischen Ausrichtung und Organisation entwickelt haben», sagte Roland Fischer. «In den letzten zwei Jahren hat die Surface Solutions Division erfolgreich Kostenmassnahmen eingeführt und eine Transformation eingeleitet, um die Regionen zu stärken und näher an den Schlüsselmärkten zu sein. Die Polymer Processing Solutions Division hat ihre strategische Diversifikation in Non-Filament-Märkte erfolgreich fortgesetzt. Meine Priorität ist es nun, einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, damit das Unternehmen weiterhin ein globaler Marktführer in den Bereichen Advanced Materials, Oberflächentechnologien und Polymerverarbeitung bleibt.»

«Ich bedaure die Entscheidung von Roland sehr, verstehe und respektiere sie aber. Im Namen des Verwaltungsrats möchte ich ihm unseren tiefen Dank für seine ausserordentlichen Leistungen aussprechen. Er hat entscheidend zum erfolgreichen Wandel von Oerlikon beigetragen», sagte Michael Süss, Verwaltungsratspräsident. «Unsere zwei Divisionen unterscheiden sich voneinander. Sie bedienen unterschiedliche Kunden in unterschiedlichen Branchen und auch ihr Wachstumspotenzial ist unterschiedlich. Deshalb hat der Verwaltungsrat beschlossen, ein Executive Chair-Modell einzuführen. Damit erhalten die CEOs der Divisionen mehr Flexibilität in ihren Entscheidungen und sie können Aktivitäten im Geschäftsumfeld schneller abwickeln und so nachhaltiges Wachstum sicherstellen.»

Beim Executive Chair-Modell delegiert der Verwaltungsrat die Geschäftsführung des Konzerns wie folgt:

  • Die beiden CEOs der Divisionen, Markus Tacke und Georg Stausberg, haben weiterhin die operative Kontrolle und Verantwortung für ihre Divisionen. Zusätzlich verschafft ihnen das neue Führungsmodell mehr Agilität und Schnelligkeit, um ihr Geschäft zu führen und auszubauen.
  • Michael Süss, übernimmt die Position als Executive Chair und somit die Verantwortung für sämtliche Themen der Unternehmensführung auf Konzernebene, zusätzlich zu seiner Rolle als Verwaltungsratspräsident von Oerlikon.
  • Die Konzernleitung trägt bei sämtlichen organisatorischen und divisionsübergreifenden Belangen die Verantwortung für eine abgestimmte und einheitliche Leitung auf Konzernebene.

Ab 1. Juli 2022 besteht die Konzernleitung aus den beiden CEOs der Divisionen, dem Leiter des Finanzwesens, Philipp Müller, und der Leiterin des Personalwesens, Anna Ryzhova, und wird vom Executive Chair geleitet.

Weitere Stärkung der Corporate Governance

Um die Corporate Governance weiter zu stärken, schafft Oerlikon die neue Funktion eines unabhängigen «Lead Director» im Verwaltungsrat und richtet ein Governance Committee, bestehend aus einem Grossteil der unabhängigen Verwaltungsratsmitglieder, ein. Der Lead Director wird vom Governance Committee unterstützt. Er trägt die Verantwortung dafür, dass angemessene Kontrollprozesse im neuen Führungsmodell angewandt werden, welche den Governance-Richtlinien entsprechen, z. B. in Bezug auf den Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance.

Vorbehaltlich seiner Wiederwahl zum Verwaltungsrat bei der nächsten Generalversammlung wird Paul Adams zum Lead Director und Präsident des Governance Committees bestellt. Gerhard Pegam und Zhenguo Yao werden Mitglieder des Governance Committees. In Übereinstimmung mit den Richtlinien von Good Corporate Governance wird Michael Süss aufgrund seiner Position als Executive Chair bei der Generalversammlung 2022 nicht mehr als Mitglied für das Human Resources Committee vorgeschlagen.

Nominierung eines unabhängigen Mitglieds des Verwaltungsrats

Wie bereits im Dezember 2021 angekündigt, steht Suzanne Thoma bei der Generalversammlung 2022 nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung. Frau Thoma trat 2019 dem Verwaltungsrat von Oerlikon bei. Ihre grosse Branchenerfahrung und ihre unternehmerischen Fähigkeiten waren im Verwaltungsrat sehr geschätzt. Der Verwaltungsrat spricht Suzanne Thoma seinen aufrichtigen Dank für ihr grosses Engagement und ihren Einsatz für Oerlikon aus und wünscht ihr alles Gute für die Zukunft.

Bei der Generalversammlung am 5. April 2022 wird der Verwaltungsrat Zhenguo Yao für die Wahl in das Gremium nominieren. Alle übrigen Mitglieder des Verwaltungsrats werden sich zur Wiederwahl stellen. Zhenguo Yao bekleidet derzeit die Stelle Senior Vice President bei der Siemens Energy AG und ist Vorsitzender von Siemens Energy Greater China. Als Experte für die chinesische Energiewirtschaft wird er den regionalen Fokus von Oerlikon stärken und für eine grössere Vielfalt in Bezug auf die Expertise im Verwaltungsrat sorgen.

Surface Solutions Division

Die Surface Solutions Division, zu der Oerlikon Balzers und Metco gehören, profitierte 2021 von der einsetzenden Markterholung in der allgemeinen Industrie sowie im Automobil- und Werkzeugbau. Diese Branchen waren allerdings in der zweiten Jahreshälfte von Lieferengpässen betroffen. Im Luft- und Raumfahrtgeschäft waren die negativen Effekte der Pandemie weiterhin zu spüren; dennoch verzeichnete Oerlikon in der zweiten Jahreshälfte eine leichte Erholung, wenn auch ausgehend von einem niedrigen Niveau. Effektive Kostensenkungsprogramme wurden erfolgreich implementiert und führten zu einer merklichen Verbesserung der operativen Profitabilität.

Der Bestellungseingang der Division stieg 2021 um 17,6% auf CHF 1345 Mio. Auch der Umsatz stieg um 7,2% auf CHF 1 283 Mio., trotz eines ungünstigen Währungseffekts von 0,8%. Im 4. Quartal 2021 verzeichnete die Division einen Zuwachs an Bestellungen um 8,3% und eine Umsatzsteigerung von 2,1%. Wurden im Automobilbau im 4. Quartal 2020 noch die Bestände aufgestockt, war das 4. Quartal des Folgejahres von Lieferengpässen gekennzeichnet.

Das operative EBITDA verbesserte sich 2021 deutlich um 30,3% und stieg damit auf CHF 230 Mio. bzw. 17,9% des Umsatzes, begünstigt durch Umsatzwachstum und Kosteneinsparungen. Im 4. Quartal 2021 wurde die operative EBITDA-Marge durch Lieferengpässe in margenstarken Geschäften und das Ausbleiben der positiven Effekte des 4. Quartals 2020 beeinträchtigt. Das operative EBIT lag bei CHF 72 Mio. bzw. 5,6% des Umsatzes (2020: CHF 11 Mio. bzw. 0,9% des Umsatzes). Das unbereinigte EBITDA belief sich auf CHF 232 Mio. bzw. 18,0% des Umsatzes, gegenüber CHF 144 Mio. oder 12,0% des Umsatzes im Jahr 2020; das unbereinigte EBIT lag bei CHF 66 Mio. oder 5,1% des Umsatzes (2020: CHF -32 Mio. bzw. -2,7% des Umsatzes).

Polymer Processing Solutions Division

Die Division verzeichnete neue Höchstwerte bei Bestellungseingang und Umsatz und konnte ihr operatives EBITDA deutlich verbessern, was auch auf die Übernahme von INglass zurückzuführen war. Der Anstieg des Umsatzes und des Bestellungseingangs betraf alle Regionen und wurde vor allem durch die erhöhte Nachfrage nach Filament- und Texturierungsanlagen sowie die starke Nachfrage nach Non-Filament-Lösungen wie Anlagen-Engineering und Teppichgarnlösungen in den USA begünstigt.

Der Bestellungseingang legte im Jahresvergleich mit 32,4% kräftig zu und erreichte CHF 1 425 Mio. Auch beim Umsatz erzielte die Division einen deutlichen Zuwachs von 28,7% auf CHF 1 366 Mio., einschliesslich eines positiven Währungseffekts von 2,4%. Im 4. Quartal 2021 verzeichnete die Division einen Rekordumsatz infolge der starken Nachfrage nach Filament- und Non-Filament-Lösungen.

Das operative EBITDA stieg auf CHF 213 Mio. oder 15,6% des Umsatzes, verglichen mit CHF 151 Mio. bzw. 14.2% des Umsatzes im Jahr 2020. Die Verbesserung der Marge im 4. Quartal 2021 war durch operatives Leverage, die Übernahme von INglass und den Projektmix bedingt. Das operative EBIT lag 2021 bei CHF 163 Mio. (2020: CHF 120 Mio.) bzw. 12,0% des Umsatzes (2020: 11,3% des Umsatzes). Das unbereinigte EBITDA belief sich auf CHF 208 Mio. bzw. 15,2% des Umsatzes (2020: CHF 150 Mio. bzw. 14,1% des Umsatzes). Das unbereinigte EBIT lag bei CHF 158 Mio. (2020: CHF 118 Mio.) bzw. 11,6% des Umsatzes (2020: 11,2% des Umsatzes).

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