Anbieter zum Thema
Ziel: autonome Produktion
M. Wick führt fort: «Unser Ziel ist die autonome Produktion, sowohl im Drehen als auch im Fräsen. Das heisst, dass die Maschinen 14 oder mehr Stunden mannarm bis mannlos produzieren, dann können wir einen Stundensatz definieren und bereits direkt während der Anfrage die Preise festlegen. Unsere Kunden fragen Lohnfertiger in verschiedenen Ländern an, auch in China. Bisher bekommen wir immer wieder die Aufträge. Natürlich müssen wir abschätzen, wie personalintensiv die Teile zu fertigen sind. Unsere Manpower fliesst vorwiegend in die Prozessoptimierung, ein personalintensiver Zeitraum. Das kann für ein ganz einfaches Bauteil bis zu drei Monate dauern. Aber dann läufts rund. Im Drehsektor setzen wir seit einigen Jahren auf italienische Biglia-Drehzentren, nicht ohne Grund. Die Biglia-Drehmaschinen haben enorme Verfügbarkeiten von über 99 %. Ihre Prozesssicherheit ist hervorragend. Die älteste Biglia-Maschine ist 6-jährig und deren Zuverlässigkeit ist gewaltig. Die Maschinen sind sehr bekannt dafür, sie haben einen guten Namen. Die Liefertermine sind dagegen weniger positiv zu beurteilen.»
Das bestätigt D. Bührer (Geschäftsführer BWB AG): «Die Lieferfristen sind tatsächlich relativ lang. Das ist leider so, das Unternehmen Biglia ist ein Opfer seines eigenen Erfolges. Die Nachfrage nach den Maschinen ist enorm.»
Sensorbuchse aus Chrom-Nickel-Stahl
Doch jetzt zum konkreten Anwendungsfall, der Sensorbuchse. Das zu bearbeitende Material, ein hochlegierter Chrom-Nickel-Stahl 14404 (X2CrNiMo17-12-2), ist generell anspruchsvoll, wenn es um die Zerspanung geht. Die Sensorbuchsen (D = 52 mm, L = 40 mm) müssen mit Aussen- und Innengewinden sowie Seitenbohrungen, zwei Nuteinstichen radial und einem tiefen Planeinstich (2 mm breit, 4 mm tief) gefertigt werden. Sie sind seitens der Toleranzen unproblematisch (max. 5/100 mm). Kritisch sind dagegen die Anforderungen an die Oberflächenqualitäten aufgrund der Dichtflächen mit N6.
M. Wick: «In die Maschinenlösung des Typs Biglia B 465 Y2 haben wir konkret im Rahmen dieses Auftrages investiert und den Prozess optimiert. In Zahlen ausgedrückt heisst das: 1,5 Stunden Mitarbeiteraufwand pro Tag für die Maschine, die zwischen 16 und 17 Stunden läuft. Mit dem jetzigen Stangenlader (kein Magazin) laden wir um 5.30 Uhr die erste Stange. Sie ist um 11.00 Uhr abgearbeitet. Dann muss die nächste Stange geladen werden usw. Innerhalb eines Jahres produzieren wir 4500 Stunden auf der Maschine. Wir schreiben eine solche Maschinenlösung in 5 Jahren ab, aber ich gehe davon aus, dass wir nach 2 Jahren Gewinn einfahren.»
Prozess drei Monate eingefahren
M. Wick: «Das eigentlich Anspruchsvolle an der Sensorbuchse ist, das wir Tausende Buchsen ohne Ausschuss in der konstanten Qualität mit N6er-Oberfläche fertigen, ohne die Maschine nachzustellen, alles mannlos. Optimal ist, wenn wir alle 5 ½ Stunden die Stange wechseln, jeweils die erste und letzte Buchse pro Stange prüfen und sonst nichts machen müssen. Bis wir den Zerspanungsprozess so weit hatten, mussten wir drei Monate am Prozess optimieren.
Ein wichtiger Faktor ist das Ausgangsmaterial. Die Stangen bestellen wir so, dass wir immer eine Material-Charge fahren können, die Stahlqualität muss stimmen. Wir verfügen bei den Chromstählen über recht viel Erfahrung und haben uns in den letzten fünf Jahren immer wieder mit Zerspanungsstrategien von Chromstählen auseinandergesetzt. Es werden kontinuierlich und systematisch neue Werkzeuge, Beschichtungen usw. getestet, wir fahren unterschiedliche Schnittwerte und, und, und. Wir wissen recht genau, welche Werkzeuge und Schnittwerte für welchen Prozess am besten «verheben».»
(ID:33368740)
