Ergänzendes zum Thema
nachgefragt
Interview mit Yuval Amir, COO Lamina
SMM: Wie kam es konkret zu dieser Automationslösung?
Yuval Amir: Wir haben seit längerem nach einer wirtschaftlichen Roboterlösung für diesen Handlingprozess gesucht und haben bereits im Vorfeld relativ genau gewusst, was wir wollten und entsprechend konkret nach Deltalösungen gesucht.
Ist bei dieser Handhabung die Beschleunigung und Geschwindigkeit matchentscheidend?
Y. Amir: Im Bereich pick and place, wie in unserer aktuellen Anwendung, mussten wir auf höchste Geschwindigkeit setzen. Nach unserem Kenntnisstand ist der Delta-Roboter die schnellste Roboterlösung von allen am Markt befindlichen Lösungen. Ein weiteres entscheidendes Kriterium ist, ob die Reichweite des Roboters auf unsere Anwendung zugeschnitten ist, auch das Kriterium konnte der Delta-Roboter erfüllen. Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen mit Fanuc – sie verfügen über eine exzellente Verfügbarkeit und sind absolut prozesssicher – lag es für uns nah, sich wieder für einen Roboter des japanischen Herstellers zu entscheiden.
Gab es noch andere Entscheidungskriterien?
Y. Amir: Ein weiterer ganz entscheidender Punkt war, dass wir technologisch Vorreiter sein wollen und deshalb auf modernste Technologie setzen, der Delta-Roboter garantiert das. Es gibt im Handlingbereich aktuell nichts Fortschrittlicheres am Markt. Darüber hinaus ist sein Design hervorragend, seine Geschwindigkeit ist beeindruckend und das integrierte Gesamtkonzept absolut überzeugend.
Apropos modernste Technologie, sind die Japaner uns Europäern voraus?
Y. Amir: Das ist eine gute Frage, die ich sehr gerne beantworte. Denn ich kann das so nicht bestätigen. Sie müssen wissen, das Delta-Roboter-Prinzip ist eine Schweizer Entwicklung. Er ist ganz in der Nähe, am EPFL in Lausanne, 1980 von Reymond Clavel entwickelt worden. Sehr typisch für Parallelkinematiken sind ihre hohen Steifigkeiten bei gering bewegter Masse. Mittlerweile sind die Patentrechte ausgelaufen und Fanuc hat das Konzept übernommen, realisiert und vermarktet, was nicht minder anspruchsvoll ist. Insofern kann der Delta-Roboter durchaus als eine schweizerisch-japanische Symbiose angesehen werden.
Welche Softwaretools werden eingesetzt und müssen beherrscht werden?
Y. Amir: Die Softwaretechnologie ist tatsächlich recht anspruchsvoll in diesem Zusammenhang. Es spielen insgesamt fünf Softwaresysteme bei diesem Pick-and-place-Prozess eine entscheidende Rolle. Unter anderem ein Softwarepaket für den Service, eine weitere für die Kinematik des Delta-Roboters und eine Software für das Vision-System. Diese Systeme müssen wir alle beherrschen, da muss man sich reindenken und mitarbeiten, das ist kein Selbstläufer. Die Softwarepakete müssen reibungslos miteinander agieren. Das ist recht anspruchsvoll, doch wir haben das im Team gemeinsam lösen können und realisiert.
Wo sehen Sie ihre grössten Stärken im Unternehmen?
Y. Amir: Ich denke unsere grosse Stärke ist unser Prozess-Know-how. Wenn wir unsere jüngste Delta-Roboter-Integration betrachten, waren wir die längste Zeit damit beschäftigt, das System fein zu tunen. Das war ein intensiver und anspruchsvoller Prozess. Das geht aber nur mit sehr gut qualifiziertem Personal. Jetzt sind wir bei Fanuc: Wenn man weiss, wie man die Fanuc-Roboter effizient in der Produktion und Montage einsetzen kann, dann spielt es keine Rolle mehr, wo man produziert. Aber man muss Mitarbeiter haben, die wissen, wie man den Prozess realisiert und beherrscht.
Läuft eine solche Produktion, wie Sie sie aufgezogen haben, überall?
Y. Amir: Das kann man nicht verallgemeinern. Man muss die richtigen Leute haben. Wir haben eine Produktivität von 98 %. In Deutschland wird man eine Produktivität von 93 % erreichen. Wenn man das gleiche System in Italien fährt, kommen sie auf eine Produktivität von 85 %. Wenn man genügend in ein solches System wie unseres investiert, muss man es auch beherrschen können. Das ist nicht selbstverständlich. Die Schweiz ist ein phantastischer Standort, um in dieser Form zu produzieren. Die Infrastruktur ist hervorragend, wir bekommen darüber hinaus auch aus Frankreich motivierte Mitarbeiter. Ich denke aber nicht, dass man unsere Lamina-WSP in anderen Ländern günstiger produzieren kann, als wir es derzeit realisieren. Unsere Produktionsprozesse sind herausragend.
Das heisst, die Schweiz ist ein Standort mit Zukunft?
Y. Amir: Generell denke ich, dass wir hier in der Schweiz nicht nur hochwertige und teure, sondern auch einfache Bauteile und -gruppen produzieren können. Unsere grosse Herausforderung ist, Bauteile in der Schweiz kostengünstiger herzustellen als in China unter völlig anderen Voraussetzungen. Man kann in der Schweiz 500 000 Franken teure Uhren produzieren, aber wir können auch 100 Franken teure Uhren fertigen. Genau das zeichnet den Werkplatz Schweiz aus. Die jeweiligen Anforderungsprozesse sind komplett unterschiedlich. Aber: Wenn wir richtig produzieren, können wir in der Schweiz alles produzieren.