Qualität und Produktivität

Pick-up-Automation sorgt für hohe Produktivität ab Losgrösse 1

| Autor / Redakteur: Markus Isgro / Anne Richter

Der 12-fach-Werkzeugrevolver ist auch für angetriebene Werkzeuge geeignet und zeichnet sich durch sehr kurze Schwenkzeiten aus.
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Der 12-fach-Werkzeugrevolver ist auch für angetriebene Werkzeuge geeignet und zeichnet sich durch sehr kurze Schwenkzeiten aus. (Bild: Emag)

Humbel Gear Technology hat seinen Maschinenbestand mit einer Vertikaldrehmaschine VL 4 von Emag erweitert. Ausschlaggebend war die integrierte Pick-up-Automation. Sie sorgt für eine steigende Produktivität und garantiert gleichzeitig die nötige Bauteilqualität in der Hauptbearbeitung.

Wenn Alex Humbel, Geschäftsführer bei Humbel Gear Technology mit Sitz im thurgauischen Kradolf, das besondere Know-how und Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens auf den Punkt bringen soll, muss er nicht lange überlegen: «Präzision ist für uns das alles entscheidende Wort. An unserem Hauptstandort in der Schweiz produzieren wir sehr anspruchsvolle Zahnräder und Getriebebauteile, bei denen wirklich höchste Qualität gefragt ist.» Warum das genau der Fall ist, deutet bereits eine einfache Aufzählung der Kundenbranchen an: Zahnräder von Humbel kommen zum Beispiel in der Formel 1 und Formel E, in der Luft- und Raumfahrt, in unterschiedlichen Maschinenbau-Feldern oder als Prototypen für neue E-Autos zum Einsatz. Es geht also immer um perfekte Oberflächen und hohe Bauteilstabilität – allerdings nicht um riesige Stückzahlen: Losgrössen von 200 Stück stellen am Schweizer Standort eine Obergrenze dar. Dabei zeichnet das Unternehmen grundsätzlich eine grosse Fertigungstiefe aus mit allen relevanten Verfahren vom Drehen, Verzahnen, und Schleifen über die kubische Bearbeitung und das Erodieren bis zum Härten. «Wir haben uns zu einem hochspezialisierten Full-Service-Anbieter entwickelt und bieten neben der kunden- und anwendungsspezifischen Fertigung auch die Getriebeentwicklung an», fasst Alex Humbel die Entwicklung des Familienunternehmens zusammen, das bereits 1928 als «Zahnradfabrik» gegründet wurde.

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Automationslösung im Zentrum

Aktuell haben die Spezialisten in mehrere Maschinen von Emag investiert: Drei davon stehen bei den beiden Tochtergesellschaften in Rumänien und Tschechien. Eine vierte Maschine befindet sich am Hauptstandort in Kradolf, rund 20 Kilometer entfernt von St. Gallen. Dass es sich dabei um eine Pick-up-Drehmaschine vom Typ VL 4 handelt, dürfte Branchenkenner überraschen. Immerhin ist diese Maschine häufig im Einsatz, um eher grössere Losgrössen zu verarbeiten. Bei Humbel werden hingegen nur 50 bis 200 Flanschteile auf der VL 4 weichbearbeitet. Dann steht wieder ein Bauteilwechsel an.

Warum hat sich Humbel für die Maschine entschieden? «Wir beschäftigen uns bereits seit längerer Zeit mit Emag Technologie», sagt der Geschäftsführer. «Vor allem die integrierte Pick-up-Automation hat uns letztlich überzeugt. Der Ansatz ermöglicht es uns, auch bei kleineren Stückzahlen die Produktivität zu steigern. Schliesslich vollzieht sich der Gesamtablauf nach Einrichtung der Maschine weitgehend mannarm und trotzdem prozesssicher. Darüber hinaus ist die Emag Automationslösung denkbar einfach aufgebaut. Viele alternative Automationskonzepte anderer Anbieter erschienen uns komplizierter als die Emag Lösung und damit eben auch zu fehleranfällig.»

Drehbearbeitung schafft Basis für Qualität

Auf der anderen Seite spielte die geforderte Bauteilqualität bei der Investitionsentscheidung eine Rolle, denn die Drehmaschine muss in der Hauptbearbeitung eine ideale Basis für alle weiteren Prozesse schaffen. «Wenn bereits hier eine hohe Qualität vorliegt, ist es einfacher, die nachfolgenden Schleifprozesse auszulegen und dabei perfekte Ergebnisse zu garantieren», sagt Pascal Wanner, verantwortlich für die Technologie-Implementierung der Emag Maschinen bei der Humbel Gruppe. «Diese Anfangsqualität im Prozess können wir mit der VL 4 garantieren.» Darüber hinaus ist interessant, dass Humbel regelmässig vor besonderen Werkstoff-Herausforderungen steht. Zum Beispiel werden die Motorsport-Komponenten aus hochlegierten Einsatzstählen gefertigt, die sich verhältnismässig schwer bearbeiten lassen. In diesen und ähnlichen Zusammenhängen profitieren die Spezialisten von weiteren Ausstattungsdetails der Maschine. So reduziert das Maschinenbett aus dem Polymerbeton Mineralit die Schwingungen während des Fräsprozesses und sorgt für lange Werkzeugstandzeiten. Ausserdem ist die Hauptspindel per Kreuzschlitten an der Vorderseite befestigt und ermöglicht eine dynamische Bewegung in der X-und Z-Achse. Der 12-fach-Werkzeugrevolver ist auch für angetriebene Werkzeuge geeignet und zeichnet sich durch sehr kurze Schwenkzeiten aus. «Die Stabilität und Leistung der Maschine hat uns überrascht. Wir fahren tatsächlich höhere Zustellungen und Vorschübe, als wir vorher erwartet hatten», sagt Pascal Wanner dazu.

Maschine passt zur Strategie

Seit April 2018 ist die kompakte VL 4 inklusive O-Band-Automation und Fanuc-CNC-Steuerung bei Humbel im Einsatz. Eine gezielte Beratung zu Ausstattung und Konfiguration erfolgte durch den Emag Vertriebspartner Suvema AG mit Sitz in Biberist. Das Unternehmen übernimmt seit 2016 den Vertrieb der Emag Fertigungssysteme in der Schweiz. «Wir legen sehr viel Wert auf einen umfassenden Service und kennen zugleich die Vorgaben der einheimischen Produktionsindustrie. Auf dieser Basis bringen wir Emag Technologie verstärkt in den Markt ein», erklärt Daniele Corso von der Suvema AG. – Dass die Zahnrad- und Getriebespezialisten von Humbel mit der Gesamtperformance ihrer neuen Maschine zufrieden sind, zeigen nicht zuletzt die Investitionen in eine VL 3-Duo-Drehmaschine und eine VL 8 für den rumänischen sowie in eine VL 8 und eine VMC 450 (wird noch geliefert) für den tschechischen Standort. «Speziell in der Schweiz bleibt es unsere Strategie, besonders anspruchsvolle Bauteile zu produzieren», sagt Alex Humbel. «Dabei sehen wir uns aber nicht nur als Einzel­teilefertiger, sondern haben für die Zukunft auch komplette Getriebebaugruppen im Blick – zum Beispiel aus dem Bereich des Motorsports oder der Elektromobilität. Hier eröffnet uns die Flexibilität und Wirtschaftlichkeit der VL 4 alle Möglichkeiten.» SMM

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