Diametal: Kleine Losgrössen automatisiert bearbeiten Präzisionswerkzeuge flexibler und effizienter fertigen

Autor / Redakteur: Das Interview führte Konrad Mücke / Konrad Mücke

Dem Frankenschock folgte die nüchterne Analyse. Der Werkzeughersteller Diametal AG in Biel entschied sich, seine Strukturen effizienter, wirtschaftlicher und flexibler zu gestalten. Geschäftsführer Dr.-Ing. Michael Op de Hipt erläutert sein Konzept.

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«... mit einer breiteren Produktpalette an Hartmetallwerkzeugen alles aus einer Hand liefern und damit den Kundenkreis erweitern und zusätzliche Aufträge auch bei bestehenden Kunden gewinnen.» Dr.-Ing. Michael Op de Hipt, Geschäftsführer die Diametal AG in Biel.
«... mit einer breiteren Produktpalette an Hartmetallwerkzeugen alles aus einer Hand liefern und damit den Kundenkreis erweitern und zusätzliche Aufträge auch bei bestehenden Kunden gewinnen.» Dr.-Ing. Michael Op de Hipt, Geschäftsführer die Diametal AG in Biel.
(Bild: SMM, Konrad Mücke)

SMM: Herr Dr. Op de Hipt, wie beurteilen Sie die aktuelle wirtschaftliche Situation für einen Hersteller hochwertiger Präzisions­werkzeuge in der Schweiz, wie es die Diametal AG ist?

Michael Op de Hipt: Nach wie vor arbeiten wir an einem sehr kostenintensiven Produktionsstandort. Im Vergleich zu europäischen oder gar asiatischen Herstellern kämpfen wir nach wie vor mit unseren deutlich höheren Kosten. Andererseits profitieren wir von einigen Vorteilen. Die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen sind äusserst stabil. Wir verfügen über sehr gut ausgebildete Fachkräfte. Und ganz wesentlich: Wir sind mitten in unseren Märkten, wir sind nah am Kunden. Zudem gewährleisten wir zuverlässig eine herausragende Qualität für unsere Produkte sowie für die kaufmännischen und die technischen Prozesse.

Welche Pläne haben Sie, um Ihre Vorteile auszuspielen und künftig erfolgreich dem Wettbewerb europäischer und asiatischer Werkzeughersteller zu begegnen?

M. Op de Hipt: Unsere Kunden erwarten, dass wir flexibler werden. Das gilt einerseits für immer kurzfristigere Liefertermine, andererseits für die sehr volatil wechselnden Losgrössen. Darüber hinaus betrifft dies auch das Werkzeugspektrum, also die Bandbreite an Hartmetallwerkzeugen, die wir aus einer Hand liefern können. Diesen Forderungen wollen wir zum einen mit einer schlankeren und deutlich effizienteren Auftragsabwicklung und Produktion entsprechen. Zum anderen wollen wir unse­re Produktpalette ausweiten. Um Letzteres zu verwirklichen, haben wir im Jahr 2017 zwei kleinere Unternehmen in unsere Strukturen integriert: die BTBienne Special Tools AG und die Malisani AG. Beide Unternehmen haben ihre Betriebsstätten ganz in der Nähe unseres Standorts in Biel. Sie sind spezialisiert auf kleine und kleinste Hartmetallwerkzeuge, insbesondere Sonderwerkzeuge für die Serienfertigung in speziellen Branchen wie der Elektronikindustrie und in der Kommunikationstechnik. Sie ergänzen somit sinnvoll unsere eigene, bisherige Produktpalette.

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Eine Unternehmensübernahme und die anschliessende Integra­tion unterschiedlicher Kulturen fordern allerdings das Management und die Mitarbeiter. Wie gehen Sie unter den wirtschaftlich schwierigen Bedingungen mit dieser zusätzlichen Belastung um?

M. Op de Hipt: Wir sehen nicht vordergründig diese mögliche Belastung. Wesentlich bedeutender und wichtiger auch für unsere Beschäftigten ist, dass wir mit unserem breiteren Angebot den Kundenkreis erweitern und zusätzliche Aufträge auch bei bestehenden Kunden gewinnen können. Es ist doch für jeden Anwender deutlich besser, das komplette Spektrum an Werkzeugen aus einer Hand zu bekommen, angefangen vom Mikro- und Sonderwerkzeug mit nur 0,1 mm Durchmesser bis zum Decolletagewerkzeug für die Serienfertigung im Durchmesserbereich einiger Millimeter. Das vereinfacht die technischen und die kaufmännischen Abläufe, von der Beratung und dem Service über die Kalkulation bis zur Logistik und der Faktura.

Zudem können wir intern von zahlreichen Synergien profitieren. Diese sorgen dafür, dass wir kostengünstiger und effizienter entwickeln, konstruieren und produzieren. Unseren Maschinenpark werden wir effizienter nutzen. Zudem lässt sich der Einkauf optimieren. Beispielsweise beim Beschaffen von Hartmetallrohlingen können wir deutlich bessere Konditionen aushandeln.

Wie werden Sie das grundsätzliche Konzept sowie die Darstellung Ihrer Produkte und des Unternehmens künftig ausrichten?

M. Op de Hipt: Dienstleistungen und Produkte höchster Qualität und Zuverlässigkeit zu liefern, zeichnet seit vielen Jahren Schweizer Unternehmen aus. Selbstverständlich werden wir ohne Abstriche an dieser Strategie festhalten, aber unser Konzept entsprechend weiterentwickeln. Dazu gehört, dass wir zukünftig wesentlich flexibler und produktiver arbeiten. Dies bewältigen wir unter anderem mit Hilfe der Digitalisierung der Organisation und der Automatisierung in der Fertigung. Beides wird dazu beitragen, dass wir demnächst selbst kleine Fertigungslose weitgehend unbeaufsichtigt automatisiert bearbeiten. So schaffen wir das optimale Umfeld, um wirtschaftlich und wettbewerbsfähig hochwertige Hartmetallwerkzeuge und kundenspezifische Sonderwerkzeuge für den globalen Markt zu produzieren. Darüber hinaus sehen wir uns künftig sehr viel stärker als Lösungsanbieter, der als Dienstleister das Gesamtpaket aus Prozessanalyse, Fertigungskonzept, Werkzeugen sowie kaufmännischer Kalkulation und Abwicklung verwirklicht und dem Anwender liefert. Wenn sich dabei hochwertige Werkzeuge als produktiver und prozesssicherer erweisen und somit beim Anwender für eine insgesamt wirtschaftlichere und zuverlässigere Produktion sorgen, wird der um wenige Prozentpunkte höhere Preis keine besondere Rolle spielen. Diese Geschäftsstrategie sehen wir als Erfolgsrezept für uns und auch andere Entwicklungs- und Produk­tions­betriebe in der Schweiz.

Herr Op de Hipt, vielen Dank für Ihre Erläuterungen. SMM

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