Produktive Platinenbearbeitung für die Uhrenindustrie Prodex-Award 2014: Platz 3 geht an Röhm

Redakteur: Matthias Böhm

Der dritte Platz des Prodex-Awards wurde an das Unternehmen Röhm dank einer Neuentwicklung, die die Produktion der Schweizer Uhrenindustrie optimieren hilft, verliehen. Mit dem neu entwickelten Kraftspannfutter KPF-MT ermöglicht Röhm erstmals die beidseitige Bearbeitung von Uhren-Platinen in einer Aufspannung. Bereits jetzt zeigt sich, dass die Neuentwicklung den Nerv der Uhrenindustrie getroffen hat. Während der Prodex bestand ein massives Interesse an dem Spannsystem.

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Blick in den Bearbeitungsraum der Werkzeugmaschine. Dank dem neuen Platinenspannfutter können die Uhrenplatinen in einem Arbeitsgang fertig bearbeitet werden.
Blick in den Bearbeitungsraum der Werkzeugmaschine. Dank dem neuen Platinenspannfutter können die Uhrenplatinen in einem Arbeitsgang fertig bearbeitet werden.
(Bild: Böhm)

Bisher wurden Platinen (z. B. für Uhren) in zwei Aufspannungen bearbeitet: Zuerst die Oberseite und dann – nach dem Umspannen – die Unterseite. Dieser Umspannvorgang kostete nicht nur wertvolle Zeit, sondern brachte auch noch einen Genauigkeitsverlust mit sich.

Wie der Schweizer Geschäftsführer Damiano Casafina gegenüber dem SMM sagte, ermögliche das neue Platinenfutter nun die Bearbeitung beider Seiten der Platine in einer Aufspannung. Das zeitaufwändige Umspannen erfolge durch eine schnelle Schwenkbewegung des Futters – die Lage der Platine bleibe exakt erhalten und sichere somit höchste Präzision.

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Der Clou: flexible Abstützung

Eine der Grundproblematiken der Platinenfertigung ist die sehr labile Struktur der Uhrenplatinen. Das heisst, selbst wenn sie über den gesamten Umfang gespannt werden, neigen die Platinen leicht zum Schwingen, was einer prozesssicheren Fertigung nicht förderlich ist.

Der Clou des Futters ist eine flexible Abstützung der Platine. Diese wird benötigt, da sich sonst die Platine bei der Bearbeitung durchbiegen würde. Wenn das Futter nach der Bearbeitung der ersten Seite um 180° schwenkt, bewegt sich die Abstützung zeitgleich auf die andere Seite und stützt hier die Platine sicher für die Bearbeitung der zweiten Seite ab.

Neuheit im Bereich Platinenfertigung

Die bisher eher unproduktive Art der Platinenbearbeitung hat den Mitarbeitern der Schweizer Röhm Spanntechnik AG keine Ruhe gelassen. Man wollte den Schweizer Uhrenherstellern eine effiziente Alternative bieten, die jedoch die Bearbeitungsgenauigkeit nicht verschlechtert – im Gegenteil – das neue Spannfutter sollte noch präziser werden. So wurde gemeinsam mit der deutschen Zentrale des Spannmittelherstellers unter Einbeziehung von namhaften Uhrenherstellern und eines Maschinenherstellers eine geniale Lösung erfunden: Ein Spannfutter, das erstmals die Bearbeitung von Platinen auf beiden Seiten in einer Aufspannung ermöglicht.

Patentierte Innovation

Die patentierte Innovation spannt die Platine auf eine Konsole und die erste Seite wird bearbeitet. Ist die erste Seite fertig, wird das Futter durch die Maschine (z. B. eine Wiegenplatte oder einen Teilapparat) um 180° geschwenkt. Während des automatischen Schwenkvorgangs pendelt auch die Werkstückabstützung auf die andere Seite der Platine. Somit wird auf beiden Seiten eine sichere Abstützung der Platine gewährleistet.

Ein Überdrücken der Platine wird durch die Backen verhindert. Ein Vakuum im Anschlag verhindert zudem ein Abheben der Platine und sorgt für zusätzliche Prozesssicherheit. Nun kann die zweite Seite der Platine sicher und ohne Genauigkeitsverlust bearbeitet werden.

Potential in Medizin- und Elektronikindustrie

Das Spannfutter wird mittels vierer Leitungen komplett pneumatisch betätigt, die Beladung und die Entnahme der Platine kann über einen Greifer automatisch erfolgen. Mittels verschiedener Spannsätze kann eine Vielzahl von diversen Uhren-Platinen bearbeitet werden. Aber auch in anderen Branchen sorgt das Futter für mehr Effizienz und Präzision: Beispielsweise bei der Bearbeitung von Platten für die Medizintechnik oder bei der Herstellung von Elektronikkomponenten.

Der SMM gratuliert an dieser Stelle für die hervorragende Neuentwicklung im Namen der gesamten Jury.<<

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