In Gedenken an Ueli Steck «Prozessorientiertes Denken ist wichtig»

Redakteur: Luca Meister

In Gedenken an Ueli Steck veröffentlichen wir hier nochmals das Interview, welches unser Redaktor Luca Meister am SMM Kongress 2015 mit dem Extremalpinist geführt hat. Ueli Steck hat am SMM Kongress als Keynote Speaker teilgenommen und die Besucher mit seinen Ausführungen über sein Leben als Extremalpinist sehr beeindruckt und gezeigt zu welcher Leistung man mit Leidenschaft und Disziplin fähig ist. Das Team vom SMM ist in Gedanken bei den Angehörigen von Ueli Steck.

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(Bild: Robert Bösch)

SMM: Herr Steck, Sie sind ausgebildeter Zimmermann. Welche Fähigkeiten muss man da zusätzlich entwickeln, um eine Firma wie die Ueli Steck GmbH zu führen?

Ueli Steck: Das ist schwierig zu beantworten. Am Anfang war Ueli Steck der Bergsteiger, der ein paar Sponsoren hatte. Das Ganze hat sich Schritt für Schritt weiterentwickelt, mittlerweile habe ich neben meinem Coach und meinem Physiotherapeuten auch Mitarbeiter für den administrativen Bereich. Die Ueli Steck GmbH ist zu einem kleinen Unternehmen gewachsen, das sich auch um die Produktion von Filmen und Büchern sowie die Organisation von Expeditionen und Vorträgen kümmert – mit dem Produkt meines Bergsteigens.

Inwiefern unterstützt Sie das Team bei den Vorbereitungen Ihrer Expeditionen?

U. Steck: Ich konzentriere mich vollständig auf das Bergsteigen und versuche alles andere von mir wegzuweisen. Vor diesem Interview habe ich zum Beispiel bis um 13 Uhr trainiert. Wenn ich hier nach meinem Vortrag wieder rausgehe, bin ich gleich wieder der Athlet. Pro Woche trainiere ich aktuell 35 bis 50 Stunden für mein nächstes Projekt am Shisha Pangma, Himalaya. Dies zu halten, ist anspruchsvoll. Der Trainingsplan, der ganze Aufbau, ist mit meiner Vortragsreihe abgestimmt.

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Aber, wenn wir jetzt als Beispiel ihr 82-Summits-Projekt anschauen, die Route bestimmen schon Sie selbst?

U. Steck: Genau, die bestimme ich. Dieser Prozess ist mental ein entscheidender Teil für die Motivation, die ja ausschliesslich von mir kommen muss. Wenn ich mich nach dem körperlichen Teil noch eineinhalb Stunden mit der Route befasse, gehört das für mich zum Training. Wenn ich diese eineinhalb Stunden jedoch für das Beantworten von E-Mails aufwenden müsste, würde mich das zu fest zerstreuen.

Unabhängig von Ihrem körperlichen und mentalen Zustand spielt auch die von Ihnen benutzte Ausrüstung eine wichtige Rolle. Hätten Sie Ihre Projekte auch schon vor 50 oder 100 Jahren mit der gleichen Effizienz durchführen können?

U. Steck: Der Bereich der Ausrüstung hat sich extrem entwickelt und ist auch ein wichtiger Grund, warum wir heute viel schneller sind als früher. Nehmen wir zum Beispiel eine Besteigung der Eigernordwand aus dem Jahr 1938 und vergleichen die Schuhe dieser Bergsteiger mit meinen. Dazwischen sind Welten. Deshalb investiere ich mit meinen Partnern auch sehr viel Zeit für die Optimierung meines Equipments. Ich bin soeben von einem Besuch der Schuhfabrik Scarpa in Italien zurückgekommen. Wir haben dort zusammen ein neues Schuhkonzept entwickelt, das auf einer Idee von mir basiert und nun umgesetzt wird.

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