Fertigungsmesstechnik Reale Werkzeugdaten für höhere Produktivität

Redakteur: Anne Richter

>> Das Unternehmen Zoller als führender Hersteller von Einstell- und Mess- geräten ergänzt mit der Software Tool Management sein Angebot und ermöglicht künftig so den Zugriff auf reale Werkzeugdaten. Wir haben mit Alexander Zoller, Geschäftsführer der E. Zoller GmbH & Co. KG, über Potenziale, Einsatz- bereiche und konkreten Nutzen für den Kunden gesprochen.

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Tool Management von Zoller: Zugriff auf reale Werkzeugdaten. (Bild: Zoller)
Tool Management von Zoller: Zugriff auf reale Werkzeugdaten. (Bild: Zoller)

SMM: Das Unternehmen Zoller ist sehr erfolgreich im Bereich der Einstell- und Messgeräte. Was hat Sie bewogen, intensiv in die Sparte Software einzusteigen?

Alexander Zoller: Auf der internationalen Ausstellung 1973 haben wir schon zum ersten Mal auf einem Commodore-V64-System eine Werkzeugverwaltungs-Software präsentiert. Seit damals entwickeln wir Software, welche mit unseren Einstell- und Messgeräten ausgeliefert wird. Aktuell dagegen ist, dass wir die Werkzeugverwaltungs-Software auch ohne Einstell- und Messgeräte vertreiben. Hierzu haben wir uns vor zirka zwei Jahren entschieden, einen zusätzlichen Vertrieb, völlig losgelöst vom Einstell- und Messgerätevertrieb, aufzubauen.

Die Werkzeugverwaltung wird nun ja bereits von einigen CAD/CAM-Herstellern angeboten. Hat die Zoller-Software hier mehr zu bieten und wodurch unterscheidet sich Zoller Tool Management gegenüber den herkömmlichen Lösungen?

A. Zoller: Für das Zoller Tool Management ist entscheidend, dass die Werkzeugdaten einmal angelegt werden und dann in unterschiedlichen Abteilungen bzw. Programmiersystemen genutzt werden können. Sehr häufig stellen wir in der Praxis fest, dass in der Werkzeugverwaltung eines Programmiersystems die Werkzeugdaten nur theoretisch für die Programmierung vorhanden sind, jedoch die realen Werkzeuge für die Fertigung fehlen.

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Sie versprechen mit dem Einsatz von Zoller Tool Management neben der Einsparung an Werkzeugkosten auch eine Reduzierung der Maschinenstillstandszeiten?

A. Zoller: Ja, denn der grosse Vorteil ist, dass Sie damit vorausschauend planen können. Das Zoller-Flash-Modul z. B. mit der Anbindung an unterschiedliche Maschinensteuerungen gibt Informationen darüber, wann Werkzeuge in der Maschine getauscht werden müssen und somit die zu ersetzenden Werkzeuge just in time für den nächsten geplanten Werkzeugwechsel zur Verfügung stehen. Neben der Reduzierung der Maschinenstillstandszeiten können mit diesem Modul auch die Werkzeugstandzeiten optimiert werden.

Es sollen ja mittlerweile einige CAM-Anbieter wegen der reellen Daten auf die Zoller-Datenbank zurückgreifen. Zur Simulation bzw. Kollisionsüberwachung macht das im Zeitalter der 5-Achsen-Bearbeitungen sicher Sinn. Heisst das aber auch, dass man damit die Lager- und Werkzeugverwaltung an Zoller abgibt?

A. Zoller: In der Praxis ist es heute doch so, dass zahlreiche Unternehmen mit mehreren unterschiedlichen Werkzeugdatenbanken arbeiten. Da gibt es eine Datenbank für das Programmiersystem, eine für das Werkzeuglager, eine für ein Einstell- und Messgerät und ein ERP-System ist auch im Einsatz. Diese unterschiedlichen Systeme müssen mit sehr hohem Aufwand gepflegt werden, wenn dies überhaupt gemacht wird. Mit Zoller Tool Management stellen wir deshalb eine Werkzeugdatenbank zur Verfügung, aus welcher sich unterschiedliche Bereiche bedienen können. Der Pflegeaufwand wird somit drastisch reduziert. Abgesehen von der Reduzierung der Werkzeugkosten und Minimierung der Maschinenstillstandszeiten vermindern Sie auch Ihren organisatorischen Aufwand.

In der Praxis gilt die Schnittstellenproblematik als Schreckgespenst. Sie wollen künftig die Lücken zwischen CAM-System, Lagerverwaltung, Voreinstellen, Messen und Maschine schliessen. Wie wollen Sie das erreichen und worauf haben sich Ihre Kunden einzustellen?

A. Zoller: Schreckgespenster treten immer dann auf, wenn Schnittstellen nicht definiert sind oder von Unternehmen Verspre-chen gemacht werden, welche leider nicht gehalten werden. In unserem Stammhaus in Pleidelsheim sowie in unserer Niederlassung in Hannover führen wir «Lunch & Learn»-Seminare durch, in welchen der Werkzeugkreislauf gezeigt wird und die Interessenten Anregungen und Lösungen für eine effiziente Fertigung bekommen. Bei diesen Seminaren wird nicht darüber gesprochen, wie der Werkzeugaustausch sein könnte, sondern wie er aktuell zu unterschiedlichen Programmiersystemen und Maschinensteuerungen stattfindet.

Sie bieten drei Software-Module für den Einstieg an. Für welche Unternehmen rechnet sich was und wann?

A. Zoller: Der Einsatz setzt sicher eine Umstrukturierung in der Organisation voraus. So eine Umstellung beginnt mit der Analyse des Werkzeugbestandes und dem Aufbau einer Werkzeugdatenbank. Das geht nur Schritt für Schritt und nicht über Nacht. Deshalb sind die Module so aufgebaut, dass sie sich Prozess begleitend einsetzen lassen. Das heisst, alle Unternehmen – ob klein oder gross – beginnen mit einem Modul und erweitern dann kontinuierlich. Die Module rechnen sich immer und es kommt nur darauf an, wie schnell und wie viel Geld ein Unternehmen Monat für Monat verdienen will.

Ihr Unternehmen ist bekannt dafür, dass es konkreten Kundennutzen verspricht. So sollen mit dem Einsatz von Tool Management bis zu 20 Prozent Einsparungen bei den Werkzeugkosten möglich sein. Wie kann das sein?

A. Zoller: Zunächst wird mit dem Zoller Tool Management der Werkzeugbestand ja reduziert. Die Unternehmen wissen damit künftig, welche Werkzeuge im Einsatz sind und welche nicht. Ausserdem lässt sich feststellen, ob versprochene Standzeiten realisiert werden. Zudem werden die richtigen Werkzeuge an die richtige Maschine geliefert und Werkzeugsuchzeiten werden auf ein Minimum reduziert. All dies zusammen bedeutet je nach Unternehmensgrösse Gewinn – Monat für Monat.

Zur EMO 2011 stellen Sie neue Einstell- und Messgeräte sowie Inspektionsgeräte vor. Wohin geht denn hier der Trend und was darf man von Zoller in naher Zukunft erwarten?

A. Zoller: In der Messtechnik geht der Trend klar in die virtuelle Werkzeugvermessung. So kann man heute die 3D-Werkzeugdaten eines Werkzeugherstellers in ein virtuelles Inspektionsgerät einlesen. Es lassen sich also bereits während der Werkzeugkonstruktion Messprogrammabläufe definieren oder Toleranzen überprüfen, bzw. festlegen. Bei den Einstell- und Messgeräten werden wir einige Sonderanwendungen präsentieren und so viel sei schon jetzt verraten, Sie dürfen einen Paukenschlag erwarten.

Lassen Sie uns noch kurz über Märkte sprechen. Wer gehört neben der Teilefertigung sowie dem Werkzeug- und Formenbau noch zu Ihrem Kundenkreis und sind eventuell Tendenzen zu verzeichnen?

A. Zoller: Wir sind mit unseren Produkten in allen Industrien mit spanabhebender Fertigung vertreten. Dazu zählen unter anderem die Medizintechnik, die Flugzeug- und Automobilindustrie oder auch der Energiesektor. In diesen Branchen findet derzeit ein sehr starkes Wachstum statt. Speziell in der Medizintechnik oder in der Luftfahrt wird Tool Management für die Verifizierung und Dokumentation von Werkzeugen sicher grosse Vorteile bringen.

Zoller entwickelt und montiert nach wie vor in Deutschland. Können Sie so auf Dauer wettbewerbsfähig bleiben?

A. Zoller: Durch unsere lokale Vertriebs- und Servicepräsenz in den für uns wichtigsten Exportmärkten wie die USA und China kennen wir die Anforderungen dieser Märkte sehr gut und diese werden von unseren Ingenieuren und unserer Entwicklungsabteilung zeitnah und zuverlässig in Deutschland umgesetzt. Für uns gibt es zurzeit keinen Grund, Entwicklungs- oder Montagekapazitäten von Deutschland auszulagern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. <<

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