Interview, Markus Blum / Gühring (Schweiz) AG «RF 100 Diver ist an erster Stelle ein Fräser»

Redakteur: Matthias Böhm

Mit dem «RF 100 Diver» hat Gühring ein Alleskönner auf den Markt gebracht, der Bohren, Fräsen, Tauchen, Schruppen und Schlichten kann. Markus Blum, Geschäftsführer der Gühring (Schweiz) AG, sagt im SMM-Interview, wo die besonderen Stärken des neuen Alleskönners liegen. Für den Werkplatz Schweiz sieht er gute Chancen, sofern die Hausaufgaben gemacht werden.

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«Ich werde immer wieder von Neuem von der Leistungsstärke unserer Kunden beeindruckt.»Markus Blum, Geschäftsführer, Gühring (Schweiz) AG
«Ich werde immer wieder von Neuem von der Leistungsstärke unserer Kunden beeindruckt.»Markus Blum, Geschäftsführer, Gühring (Schweiz) AG
(Bild: Gühring)

SMM: Gühring kommt vom Bohren. Heute sind Sie Komplettanbieter. Können Sie gleichwohl Ihre technologischen Stärken hervorheben?

Markus Blum: Eines der grössten Standardprogramme für rotierende Zerspanungswerkzeuge und eine unendliche Möglichkeit für massgeschneiderte Sonderwerkzeuge ermöglicht uns immer das technisch beste Werkzeug zum marktgerechten Preis anzubieten. Dies können wir durch unsere kompetenten technischen Berater und Anwendungstechniker in der Schweiz sowie durch starke und geografisch nahe Unterstützung aus unseren deutschen Kompetenzzentren Aircraft, Medizintechnik, Erstausrüstung, Toolmanagement etc. erreichen. Unterstützt werden diese Stärken durch eigene Rohhartmetalltechnologie, eigene Beschichtungstechnologie, eigenen Maschinenbau und natürlich eigenes F&E.

Sie haben im Juni 2012 ein eigenes Nachschleif- und Beschichtungszentrum G-Elit in Altdorf aufgebaut. Wie entwickelt es sich?

M. Blum: Unsere Kunden schätzen es, dass rund ein Drittel der durch Gühring in Europa für den Weltmarkt hergestellten Werkzeuge in der Schweiz ihr Finish inkl. Beschichtung erhalten. Die rund 50 qualifizierten Mitarbeiter im Beschichtungszentrum in Altdorf machen einen hervorragenden Job und sind eine geschätzte Truppe im Konzern. Der Nachschleifservice hat sich in den letzten zwei Jahren sehr gut entwickelt. Wir haben eine tolle Logistik aufgebaut, d.h. die Tourenpläne stark ausgebaut und die Kundenbedürfnisse können wir hochgradig befriedigen. Das daraus resultierende Wachstum führt dazu, dass wir auch jetzt wieder eine zusätzliche Gühring-Nachschleifmaschine für Altdorf in Auftrag geben durften.

Mit Ihren neuen RF 100 Diver haben Sie einen Alleskönner entwickelt, der Bohren, Fräsen, Tauchen, Schruppen und Schlichten kann. Inwieweit konkurrenziert ein solches Werkzeug klassische Bohrer respektive Fräser usw.?

M. Blum: Der RF 100 Diver ist ganz klar an erster Stelle ein Fräser. Durch seine hohe Flexibilität kann er bei Kunden mit dem Bedürfnis nach ständig wechselnden Anforderungen durchwegs die Hochleistungsfräser RF100U oder RF100VA ersetzen. Neben den durch Sie genannten Eigenschaften ist er nämlich auch ein hervorragender Fräser für INOX-Materialien.

Seine hervorragenden Eigenschaften im Tauchen, sprich Rampen bis 45 ° oder beste Bohreigenschaften bis 2xD verdankt er der besonderen Schneidengeometrie, welche quasi als Nebenprodukt bei der Entwicklung des Pilotbohrers RT100P entstanden ist. Pilotbohrer wurden bis heute zum Anbohren auf gewölbten oder schrägen Flächen eingesetzt. Da wir unseren Schweizer Kunden kürzeste Liefertermine, also Standardprodukte, bieten wollen und der RT100P als Sonderwerkzeug gefertigt wird, ersetzt der RF 100 Diver seit seiner Markteinführung in der Schweiz den Pilotbohrer zu 100 %.

Da der Diver sehr gute Positioniergenauigkeit selbst auf schrägen Anbohrflächen gewährleistet und zudem Untermass besitzt, ist er das ideale Vorbohrwerkzeug für Reibahlen. Dadurch konkurrenziert er natürlich auch einige unserer Bohrer kleiner 3xD.

Abgesehen vom dem RF 100 Diver, wegen welcher Werkzeuge sollte man unbedingt bei Ihnen an den Stand kommen?

M. Blum: In erster Linie lohnt es sich, wegen unserer persönlichen technischen Kompetenz in der rotierenden Zerspanungstechnik an den Stand zu kommen. Ich habe die technischen Berater und Anwendungstechniker der Gühring (Schweiz) AG mit den kompetentesten Ingenieuren aus den Kompetenzzentren Erstausrüstung, Aircraft, Bohren, Fräsen, MMS-Bearbeitung und Toolmanagement ergänzt; dadurch kann ich unseren Kunden eine leistungsstarke Standbesetzung anbieten.

Den neuen Wechselplattenbohrer HT800WP, das neue Universalgewindeprogramm Powertap, die Toolmanagement-Präsentationen, den neuen Gühring-Fräserkatalog mit Quickfinder sowie das neue Kleinstbohrerprogramm sollten die Prodex-Besucher nicht verpassen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Werkplatzes Schweiz?

M. Blum: Im Gespräch mit unseren Kunden werde ich immer wieder von Neuem von deren Leistungsstärke beeindruckt. Sollen höchstkomplexe Teile in höchster Präzision in den schwierigsten Werkstoffen zu einem immer tieferen Preis und zu immer kürzeren Lieferterminen hergestellt werden, kommt man nicht an der Schweiz vorbei. Ich erlebe dies unabhängig davon, ob wir beispielsweise eine Erstausrüstung für einen Schweizer Werkzeugmaschinenhersteller ausarbeiten oder Werkzeuge für einen Lohnbetrieb liefern dürfen.

Wie der Werkplatz Schweiz sich in der Zukunft entwickeln kann, hängt natürlich auch stark von der Frage ab, ob wir zukünftig genügend Fachkräfte in der Metallverarbeitung ausbilden und rekrutieren können. Da spielen gesellschaftliche und politische Faktoren, wie Umsetzung Masseneinwanderungsinitiative, Jugendliche zu Lehre anstelle Matur gewinnen, «Maturabbrecher» für die Industrie gewinnen, Frauen für die Technik begeistern können, eine entscheidende Rolle. Genereller industrieller Trend sind schnelle, flexible Customized-Lösungen. <<

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