Raiffeisen-Wirtschaftsmonitor Die Schweiz kann Robotik

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Roboter kommen heute längst nicht mehr ausschliesslich in Fabriken zum Einsatz. Sie transportieren Waren, inspizieren Industrieanlagen und unterstützen medizinische Eingriffe. KI verleiht der Robotik einen Entwicklungsschub. Technologische Fortschritte, sinkende Kosten und knapper werdende Arbeitskräfte dürften ihre Verbreitung weiter beschleunigen. Eine Analyse von Raiffeisen Economic Research zeigt: Die Schweiz ist gut aufgestellt.

Der aktuelle Wirtschaftsmonitor von Raiffeisen Economic Research zeigt: Die Schweiz kann Robotik.(Bild:  Raiffeisen Schweiz)
Der aktuelle Wirtschaftsmonitor von Raiffeisen Economic Research zeigt: Die Schweiz kann Robotik.
(Bild: Raiffeisen Schweiz)

«Robotik erreicht immer mehr Branchen. Die Schweiz ist sowohl bei der Entwicklung als auch beim Einsatz von Robotern stark und hat damit gute Voraussetzungen, wirtschaftlich von dieser Entwicklung zu profitieren», ist Fredy Hasenmaile, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz, überzeugt.

Robotik-Boom: Von der Fabrik in den Alltag

Mit mehr als fünf Millionen weltweit eingesetzten Robotern ist die Industrierobotik bereits heute ein globaler Massenmarkt. Gleichzeitig verlässt sie zunehmend die Fabrikhallen: 2025 wurden weltweit rund 207 000 professionelle Serviceroboter ausgeliefert. Sie kommen in unterschiedlichsten Formen zum Einsatz und erschliessen neue Anwendungsfelder in Logistik, Medizin, Landwirtschaft, Reinigung und Inspektion. Besonders sichtbar wird dieser Trend bei Robotaxis: In Kalifornien legen sie seit Anfang 2026 monatlich mehr als zehn Millionen Personenkilometer zurück. Gleichzeitig sorgt der Hype um künstliche Intelligenz und humanoide Roboter für einen Investitionsboom. China treibt diese Entwicklung massgeblich voran: Auf das Land entfallen über 50 Prozent der weltweiten Neuinstallationen von Industrierobotern und fast 90 Prozent der ausgelieferten humanoiden Roboter.

Kurz & knapp
  • Künstliche Intelligenz verhilft der Robotik weltweit zu einem Entwicklungsschub.
  • Das Schweizer Robotik-Ökosystem besteht aus 217 Unternehmen mit rund 7000 Arbeitsplätzen.
  • Die Schweiz liegt bei Unternehmensgründungen im Bereich der Robotik pro Kopf vor den USA und Europa.
  • Bei der Nutzung von Industrie- und Servicerobotern gehört die Schweiz ebenfalls zur Spitzengruppe.

Zum Raiffeisen Wirtschaftsmonitor 3. Quartal 2026

Starkes und wachsendes Robotik-Ökosystem

Mindestens 217 Unternehmen mit rund 7000 Beschäftigten bilden das Schweizer Robotik-Ökosystem. Die Schweiz ist besonders stark bei technologisch anspruchsvollen Spezialanwendungen, etwa bei Drohnen, autonomen mobilen Robotern und in der Medizinalrobotik.

Die Hochschulen spielen dabei eine wichtige Rolle: Rund 56 Prozent der untersuchten Robotikfirmen sind Spin-offs von Hochschulen, ein Grossteil davon stammt von der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich (ETH) und der Eidgenössisch Technischen Hochschule Lausanne (EPFL). Diese Nähe zur Forschung zeigt sich auch geografisch: Zürich und die Waadt vereinen als wichtigste Standort-Zentren rund drei Viertel der hiesigen Robotikunternehmen auf sich.

Die Gründungsdynamik hat zuletzt deutlich zugenommen: Seit 2020 entstanden 50 neue Unternehmen, allein von 2023 bis 2025 waren es jährlich mindestens zehn. Auch im internationalen Vergleich sticht die Schweizer Gründungsleistung hervor. Seit 2020 erhielten hierzulande 3,8 Robotik-Start-ups pro Million Einwohner Risikokapital. Damit liegt die Schweiz deutlich vor den USA, Grossbritannien und den weiteren untersuchten europäischen Ländern. «Die Verbindung von Hochschulforschung und Industrie schafft nicht nur viele neue Unternehmen. Robotik-Start-ups finden in der Schweiz auch früh Investoren und gute Voraussetzungen für ihr Wachstum», erklärt Hasenmaile.

Skalierung bleibt die zentrale Herausforderung

Schwierig bleibt der Schritt vom Start-up zum international tätigen Unternehmen. Rund 87 Prozent der Schweizer Robotikfirmen beschäftigen weniger als 100 Personen. Für grosse Finanzierungsrunden sind sie zunehmend auf ausländisches Kapital angewiesen. Bei Finanzierungsrunden von mehr als 100 Millionen US-Dollar stammen lediglich zwölf Prozent der Investitionen aus der Schweiz, aber 54 Prozent aus den USA.

Das ausländische Kapital und die zahlreichen Schweizer Niederlassungen internationaler Robotikunternehmen unterstreichen die Attraktivität des Standorts. Gleichzeitig steigt damit aber auch das Risiko von Übernahmen und einer Verlagerung der Wertschöpfung ins Ausland. Entscheidend wird deshalb sein, dass erfolgreiche Unternehmen in der Schweiz wachsen und langfristig am Standort verankert bleiben.

Robotik als Produktivitätshebel und Chance für die Schweiz

Die Schweiz nimmt nicht nur bei der Entwicklung von Robotiklösungen eine Spitzenposition ein, sondern auch bei der Anwendung. Mit rund 29 Industrierobotern auf 1000 Industriebeschäftigte gehört sie weltweit zu den zehn führenden Ländern. Bei professionellen Servicerobotern liegt sie unter den europäischen Ländern sogar an der Spitze.

Angesichts knapper werdender Arbeitskräfte gewinnt Robotik als Produktivitätshebel an Bedeutung. Mehr als 30 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz arbeiten in Berufen mit überdurchschnittlichem Einsatzpotenzial. Da Berufe mit hohem Fachkräftemangel häufig Fachwissen und menschliche Interaktion erfordern, dürfte Robotik die Beschäftigten meist unterstützen und nur selten ersetzen. «Roboter können Fachkräfte entlasten und Unternehmen helfen, die Produktivität ihrer Mitarbeitenden zu steigern. Entscheidend ist, dass Schweizer Unternehmen wachsen und ihre Wertschöpfung im Land halten können», sagt Hasenmaile.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:50991130)