Starker Innovationsgeist und grosse Passion: In der Schweiz entstehen jedes Jahr rund 400 Start-ups. Florian Hänni, Co-Founder von G-Elements, ist einer der vielversprechenden Neugründer der Tech-Branche. Im Interview der Initiative TecIndustry von Swissmem erklärt er, woher die Ideen kommen und was sie zum Fliegen bringt.
Florian Hänni hat seine besten Ideen am Whiteboard. Dort purzeln dann die Lösungen quasi aufs weisse Blatt herunter. Hier zu sehen: die eigenen Schleifscheiben.
(Bild: Lucas Ziegler)
Florian Hänni, mit Ihrem Start-up G-Elements stellen Sie das Rundschleifen auf den Kopf. Was ist neu an Ihrer Idee?
Florian Hänni: An den Messeständen stand überall: «Weltneuheit!», aber im Grunde sahen wir immer nur das Gleiche. Präzisionsschleifmaschinen gibt es schon lange. Ihre Schleifscheiben sind stets horizontal angeordnet. Auf diesem Prinzip wurde weiterentwickelt. Wir haben die scheinbar gegebene Achsenordnung aber komplett hinterfragt. Wir dachten: Moment mal, wenn die Schleifscheibe über dem Werkstück angeordnet wird, ist das doch physikalisch viel vorteilhafter! Wir stellten das Rundschleifen also buchstäblich auf den Kopf.
Welche Probleme haben Sie damit gelöst?
Eine ganze Reihe: Wir sind zehnmal energieeffizienter als alles andere, was sonst auf dem Markt verfügbar ist. Unsere Maschine hat die Standfläche einer Europalette statt mehrerer Quadratmeter. Das ist sehr kosteneffizient. Die Kundschaft kann alle Verschleissteile innerhalb von wenigen Minuten selbst wechseln. Und: Das Schleifen ist so einfach wie das Nutzen einer App. Statt mehrerer Tage braucht es eine halbe Stunde bis zur Inbetriebnahme. Das gibt es sonst nirgends.
War Ihnen immer bewusst, dass die Idee gut ist?
Wir probierten sie relativ schnell einmal aus. Wir kommen nicht aus reichem Haus, haben nicht geerbt oder im Lotto gewonnen und wollten dennoch mit unseren Mitteln eine neuartige Maschine bauen, die extrem präzise produziert. Im Hobbyraum unserer Wohnsiedlung entwickelten wir also einen Prototyp und hatten gleich beim ersten Versuch doppelt so genaue Ergebnisse wie auf traditionellen Maschinen. Das war sensationell!
Und was passierte dann?
Wir gingen zu unseren Arbeitskollegen und stachelten sie an: «So schleift man übrigens!» Die konnten es kaum glauben. Ein paar Monate später kam dann jemand in unserem Unternehmen, der eine Maschine für ein spezielles Projekt suchte, auf uns zu. Am Markt war nichts zu finden. Im Prinzip suchte er genau unsere Achsenanordnung. Also gründeten wir eine Firma und machten ein Projektangebot – ohne Garantie auf Erfolg. Wir teilten uns die Risiken und die Kosten auf. 2017 lieferten wir die Maschine aus – und sie läuft bis heute zur vollsten Zufriedenheit unseres Kunden, sogar zweischichtig. Das hat G-Elements grossen Auftrieb verschafft.
Haben Sie eine Unternehmensphilosophie? Dinge, die Ihnen wichtig sind?
Wir haben recht schnell zwei philosophische Prinzipien festgelegt: 1. So einfach wie möglich, aber in der Präzision keine Kompromisse. Wir fangen also beim Einfachen an und gehen erst zur nächsten komplexeren Lösung über, wenn wir nachgewiesen haben, dass es mit der einfachen Lösung nicht funktioniert. Wenn jemand unsere Technik sieht, sagt er schnell mal: «Das ist einfach, das hätten wir auch gekonnt!» Aber im Einfachen liegt eben doch die Schwierigkeit. Und 2.: Wir liefern keine grünen Bananen aus, sondern nur Maschinen, die auch funktionieren. Dabei sind wir komplett transparent.
Ist die Finanzierung ein Problem?
Allerdings. Bis heute sind wir komplett eigenfinanziert. Wir suchten uns keine Investoren, da wir uns unabhängig und nach unseren Vorstellungen entwickeln wollten. In dieser Hinsicht sind wir Idealisten. Das Problem ist aber, dass unser Geschäft sehr kapitalaufwendig ist. Im Maschinenbau-Business erhält man in der Regel bei Bestellung eine Anzahlung der Kundschaft. Allerdings verlangt diese eine Bankgarantie, falls die Firma Konkurs geht. Wir als eigenfinanziertes Start-up bekommen keine Bankgarantie in dieser Grössenordnung zu vernünftigen Konditionen. Das heisst: Wir müssen die Vorfinanzierung der Maschinen selber stemmen. Erst, wenn die Maschine steht, bezahlt der Kunde. Das ist eine grosse Herausforderung.
Was könnte man ändern, um die Branche noch start-up-freundlicher zu machen?
In der Schweiz braucht es schlanke Lösungen für die Vorfinanzierung. Für eine Bankgarantie von 80 000 Franken benötigt man rund eine halbe Million Umsatz im Jahr und 200 000 Franken auf dem Konto. Das verstehe ich nicht. Ein Fördertopf für diese Fälle wäre sinnvoll.
Neben Kapital und Idee: Was braucht es sonst noch?
Natürlich ein überzeugendes Produkt. Dazu aber auch Glück und ein gutes Netzwerk. Die Maschinenbaubranche und insbesondere die Schleifmaschinenhersteller sind sehr konservativ. Die letzte grosse Innovation auf diesem Gebiet ist wohl rund zwanzig Jahre her. Unsere Idee ist da extrem exotisch und einzigartig. Obwohl man die Ergebnisse unserer Maschine messen kann, erhalten wir immer wieder die Rückmeldung, dass man uns das nicht glaubt. Man muss sich das Vertrauen und die Akzeptanz also erarbeiten. Daher sind Kontakte, aber auch Kommunikation und das Branding sehr wichtig.
Stand vom 30.10.2020
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Zum Branding: Woher kommt eigentlich der Name «G-Elements»?
Das G steht für «Grinding», was so viel wie Schleifen bedeutet. «Elements» steht für das Elementare, das Ursprüngliche. G-Elements symbolisiert somit das Schleifen in seiner reinsten Form. Schleifen auf das absolut Wesentliche reduziert. Dies verdeutlichen wir noch zusätzlich in unserem Slogan: «Pure Grinding».
Vom Techniker zum Unternehmer – ein schwieriger Schritt?
Ich bin immer noch hauptsächlich Ingenieur, da ich zu 100 Prozent bei einem Unternehmen angestellt bin. So stelle ich die Finanzierung meines Start-ups sicher. Ausserdem bin ich Familienvater und Alleinverdiener. Wenn Messen stattfinden, nehme ich Ferien; oft arbeite ich bis ein Uhr nachts. Das alles ist ein intensiver Spagat, aber macht auch Freude. Mir gibt es zum Beispiel extrem viel Kraft zu sehen, dass unsere Maschine neben all den anderen etablierten Marken bestehen oder sogar noch bessere Ergebnisse erzielen kann.
Würden Sie es wieder tun?
Das ist eine schwierige Frage! Ich bin mir nicht ganz sicher. Rückblickend sehe ich neben all der Freude auch die Arbeit und die Kompromisse, die ich eingehen musste und muss. Zu dem Zeitpunkt damals passte es. Jetzt, mit kleinen Kindern, würde ich das wohl nicht mehr schaffen. Der richtige Zeitpunkt ist extrem entscheidend.
Haben Sie Tipps für andere Gründerinnen und Gründer?
Das Allerwichtigste ist, eine ultra-schlagkräftige Truppe zu haben, das Team. Statistisch gesehen scheitern 9 von 10 Start-ups an zwischenmenschlichen Problemen. Ich habe mit meinem Co-Founder unheimlich viele Stunden auf 12 m2 verbracht. Hätte es da zwischen uns gekriselt, wir hätten es nicht geschafft. Wer dann noch die finanziellen Mittel auftreiben kann, hat grosse Erfolgschancen. (neu)