Unterwasser-Diamantseilsäge Sägen in 100 Meter Wassertiefe

Redakteur: Silvano Böni

Stahl- und Betonrohre zu trennen, ist kein einfaches Unterfangen. Noch weniger, wenn das Ganze 100 Meter unter dem Meeresspiegel geschehen soll. Mit einer Diamantseilsäge, die von ATP Hydraulik entwickelt wurde, wird aber auch dieses Unterfangen zum Kinderspiel.

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(Bild: ATP)

Das Zerteilen von Rohren, Trägern und Leitungen in 100 Meter unter der Wasseroberfläche ist schon an sich nicht trivial. Denn in dieser Tiefe wirkt ein Gegendruck von zehn bar auf jedes Teil. Auf See kommen dann noch kräftiger Wind, Salzwasser und Temperaturdifferenzen von mehr als 50 Grad Celsius hinzu. Folglich müssen alle Komponenten absolut dicht und korrosionsbeständig sein. Teile, die über dem Meeresspiegel bleiben, müssen einer speziellen Oberflächenbehandlung unterzogen werden. Dazu kommen noch mehrere Schutz- und Farbschichten. Diejenigen Teile, die ins Wasser eintauchen, müssen dagegen andere Eigenschaften aufweisen. Hier kommen nur rostfreier Stahl oder behandeltes Aluminium infrage. Das Resultat all dieser Komponenten: eine Diamantseilsäge von ATP Hydraulik.

Einfache Bedienung war Pflicht

Auftraggeber für die ungewöhnliche Anwendung war die Firma Hilti aus Schaan, Liechtenstein. Zu den Forderungen des Auftraggebers gehörte, dass sich an der Seilsäge selbst keine elektrische Steuerung befinden darf. Taucher sollen die Säge positionieren und sie aus Sicherheitsgründen mit Handhebelventilen ein- und ausschalten können.

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Das Bedienkonzept von ATP Hydraulik setzt auf Piktogramme und einfache Lampenanzeigen, um dem internationalen Bedienpersonal gerecht zu werden und eine möglichst simple Bedienung möglich zu machen.

Sieben Hydraulikschläuche führen vom Ventilblock, der auf der Seilsäge positioniert ist, zum Hydraulikaggregat, das stets über dem Meeresspiegel bleibt. Jeder der Schläuche ist 130 Meter lang. Um die Schläuche auf eine Haspel wickeln zu können, konstruierte und fertigte das Unternehmen eine Siebenfach-Drehdurchführung. Über diese wird das Aggregat an den Stator der Haspel angeschlossen.

Keine elektrische Steuerung

Auf die elektrische Steuerung an der Säge zu verzichten, erwies sich als knifflig. Die Vorschubregelung sollte vom Druck des Spannzylinders geregelt werden: Steigt der Druck im Spannzylinder über einen bestimmten Wert, wird ein Ventil im Vorschubstrang proportional zum Druckanstieg geöffnet. Im Versuch liess sich der Vorschub jedoch nicht zufriedenstellend regeln. Die Ingenieure nahmen den Steuerdruck dann direkt beim Sägeantrieb ab und führten das Drucksignal auf den Vorschubstrang. Aber auch diese Idee machte die Entwickler nicht glücklich: Die Drücke des Teleskopzylinders variierten durch die unterschiedlichen Flächen der Vorschubzylinder sehr stark. Die Lösung war ein Drucksensor im Seilantrieb. Bei über 220 bar öffnet sich ein Proportionalventil. Damit wird der Vorschub verzögert, der Druck fällt und das Ventil schliesst. Dieser Vorgang lässt sich so programmieren, dass er sanft abläuft und die Säge eine hohe Schnittleistung erreicht. Trotz Steuerung auf Aggregatseite und den langen Leitungen entstehen keine störenden Verzögerungen. Ungeachtet aller Probleme und Schwierigkeiten konnte ATP das Projekt fristgerecht erfüllen. Fünf Monate nach Projektbeginn wurde die Säge ans Südchinesische Meer transportiert, wo sie kurz darauf ihren ersten Einsatz absolvierte. <<

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