Quartalszahlen Swissmechanic Schleichende Deindustrialisierung
Die KMU in der MEM-Branche erleben einen schwierigen Jahresendspurt. Rund 18% der befragten Unternehmen geben in der repräsentativen Umfrage von Swissmechanic zum 3. Quartal 2015 an, Verlagerungen zu planen. Rund ein Drittel der Firmen berichten von einer positiven Geschäftslage, dennoch sorgt die Kombination von starkem Franken, schleppender EU-Konjunktur und dem Hochlohnland Schweiz für eine Deindustrialisierung. Diese geschieht fernab der grossen Schlagzeilen. Bisher mussten bei den KMU-MEM rund 3000 Stellen abgebaut werden.
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Die KMU in der MEM-Branche (Maschinen-, Elektro- und Metall-Branche) kämpfen um Aufträge und den Erhalt von Arbeitsplätzen. Wie die aktuelle Umfrage von Swissmechanic, dem Arbeitgeberverband der KMU-MEM, zum 3. Quartal 2015 zeigt, mussten bisher rund 3000 Stellen abgebaut werden. Bis Ende Jahr könnte sich diese Zahl gemäss Schätzungen des Verbandes verdoppeln. Rund 14% der Unternehmen rechnen für die kommenden Monate mit einem weiteren Abbau. Die seit Jahren sinkenden Margen sind im Vergleich zum Vorquartal nochmals unter Druck geraten. Die Ertragslage wird von 62% der befragten Unternehmen und der Umsatz von 48% als unbefriedigend beurteilt. Nach der Aufhebung der Euro-Untergrenze im Januar wurden kurzfristige Massnahmen eingeleitet, um die teils massiven Preiserhöhungen abzufedern. Neue Märkte wurden erschlossen, Geschäftsfelder aufgegeben, Produktion sowie Einkauf optimiert und Arbeitszeiten angepasst. Im dritten Quartal haben 13% der befragten Unternehmen in stark betroffenen Abteilungen Kurzarbeit eingeführt, das sind 3% mehr als noch im Vorquartal. Die aktuelle Umfrage verdeutlicht, dass die Unternehmen punkto Spar- und Optimierungspotenzial an ihre Grenzen stossen.
Verlust von Know-how
Die Deindustrialisierung in der Schweiz findet mehrheitlich im Verborgenen und fernab der grossen Schlagzeilen statt. Nachrichten über Abbau oder Verlagerungen bei grossen Konzernen wie SIA Abrasives, ABB oder Rieter sind nur die Spitze des Eisberges. Für Oliver Müller, Direktor von Swissmechanic, sind nebst den Zahlen die Auswirkungen vor allem bei KMU-Unternehmen bedenklich. «Über den 30-Mann-Betrieb im Hinterland, der zwei Mitarbeitende entlassen muss, hört man nichts. Für das betroffene Unternehmen sind solche Massnahmen aber enorm schmerzhaft». Die rund 1400 Mitgliedsunternehmen beschäftigen hauptsächlich Fachkräfte, dank denen sie Qualität liefern und Innovation betreiben können. Geht dieses Know-how verloren, wird die gesamte Unternehmung und am Ende auch die Branche geschwächt. Der Aderlass der produzierenden Industrie habe bereits im Sommer begonnen und schlägt sich nun in den aktuellen Arbeitslosenzahlen nieder. «Ich höre von Unternehmern, die aufgeben und ihr Unternehmen verkaufen möchten», umschreibt Müller die Situation. Es gebe zum Glück viele KMU-MEM, die dank Nischenprodukten oder potenten Kunden erfolgreich seien. Rund ein Drittel der befragten Unternehmen berichten von befriedigenden Entwicklungen bei Umsatz (37%) und Ertrag (31%). Der Fokus richte sich derzeit jedoch auf die anderen.
Die Schweizer Industrie schrumpft
Vielerorts wird bestritten, dass im Schweizer Industriesektor eine Deindustrialisierung im Gange sei. «Per Definition ist die Deindustrialisierung ein Wandel, verursacht durch die Schrumpfung des industriellen Sektors. Das ist genau das, was momentan geschieht», sagt Oliver Müller. Wie signifikant der Wandel sein wird, werde sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Die Deindustrialisierung trifft vor allem die Zulieferer und somit die KMU in der MEM-Branche. Verlagert ein Grosskonzern seine Produktion ins Ausland, ist fraglich, ob der Zulieferer mitziehen darf. Die Swissmechanic-Mitgliedsunternehmen verfügen über eine durchschnittliche Exportquote von 75%. Die Europäische Union, insbesondere Deutschland, Frankreich und Italien sind die Hauptabnehmer. Basis der aktuellen Probleme für die KMU ist eine unheilige Allianz.
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