Peter Breitenmoser, Geschäftsleiter Schmobi, zur aktuellen Lage Schmobi: Nachfrage nach Rostfrei-Stählen nimmt zu

Redakteur: Matthias Böhm

Stahlhändler wie das Unternehmen Schmolz + Bickenbach Stahlcenter AG (Schmobi) stehen ganz am Anfang der Produktionskette. Entsprechend aufschlussreich sind die Entwicklungen im Stahlhandel. Sie können Auskunft darüber geben, wie sich die gesamte MEM-Branche entwickelt. Im Interview stellt sich Peter Breitenmoser, Geschäftsleiter, den Fragen des SMM.

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«Das aussergewöhnliche Jahr 2020 haben wir insgesamt gut gemeistert.» Schmobi-Geschäftsleiter Peter Breitenmoser vor dem neusten Hartmetall-Kreissägeautomaten im vollautomatischen Sägecenter
«Das aussergewöhnliche Jahr 2020 haben wir insgesamt gut gemeistert.» Schmobi-Geschäftsleiter Peter Breitenmoser vor dem neusten Hartmetall-Kreissägeautomaten im vollautomatischen Sägecenter
(Bild: Schmobi)

SMM: Mit dem Stahlhandel spüren Sie relativ gut, wie es dem Werkplatz Schweiz geht. Sie sind als Rohstofflieferant eine Art Fieberthermometer des Werkplatzes Schweiz. Wie liefen die Auftragseingänge seit Januar 2020?

Peter Breitenmoser: Das aussergewöhnliche Jahr 2020 haben wir insgesamt gut gemeistert. Der Start im ersten Quartal verlief erfreulich, gegenüber dem Budget konnten wir ein leichtes Absatzplus erzielen. Im zweiten und dritten Quartal haben wir weniger umgesetzt als im Vorjahr.

Dieser Rückgang ist hauptsächlich auf die pandemiebedingten Einschränkungen im Frühjahr, mit Nachwirkungen bis in den Spätsommer, zurückzuführen. Im vierten Quartal setzte dann eine leichte Erholung ein. Die Zahlen unseres Forecasts konnten erreicht werden und gegenüber dem ursprünglichen Budget konnten gar drei Prozent mehr abgesetzt werden. Die ersten Monate im laufenden Geschäftsjahr 2021 sind wiederum sehr erfreulich angelaufen.

Welche Ihrer Produktsparten laufen besonders gut?

P. Breitenmoser: Im Lagergeschäft für Blankstahl, rostbeständiger Edelstahl und Edelbaustahl sind wir schweizweit führend.

In der gegenwärtig sehr herausfordernden Wirtschaftssituation sind wir in diesen Warengruppen zufrieden mit unserem Geschäftsergebnis. Steigend ist die Nachfrage aktuell nach rostfreien Werkstoffen.

Gibt es auch Engpässe in spezifischen Produktbereichen?

P. Breitenmoser: Als grösster Lagerhalter für Stabstahl in der Schweiz sind wir gut aufgestellt, um die Kunden kurz- und mittelfristig beliefern zu können.

Gerade in der ersten Lockdown-Phase war es aber schon eine grosse Herausforderung, die Versorgungssicherheit jederzeit garantieren zu können, wenn beispielsweise ein Lieferwerk pandemiebedingt einfach von heute auf morgen für zwei Wochen geschlossen wurde.

Bis heute hat die Pandemie aber glücklicherweise keine unmittelbaren Auswirkungen auf unsere hohe Lieferbereitschaft.

Gerade bei schwer zerspanbaren Werkstoffen ist eine automatisierte Produktion auch bei einem Chargenwechsel auf höchste Qualitätsansprüche bezüglich der Legierungsbestandteile der Halbwaren angewiesen. Wie stellen Sie die Qualität sicher?

P. Breitenmoser: Unsere qualifizierten Lieferanten garantieren die geforderte Kontinuität. Sämtliches Material wird bei uns zudem nach Chargen getrennt gelagert und ist damit jederzeit rückverfolgbar. Das entsprechende Prüfzeugnis steht den Kunden im Stahlportal zu jeder Lieferposition kostenlos zum Download zur Verfügung. Qualität ist eine unserer Prämissen. Wir sind hohen Qualitätsansprüchen verbunden und verbessern uns kontinuierlich.

Welche Herausforderungen ergeben sich für Sie zukünftig als Stahlhändler?

P. Breitenmoser: Wir entwickeln uns mehr denn je vom Lagerhalter zum Stahldienstleister mit hoher Kompetenz im Sägen. Als zuverlässige verlängerte Werkbank für Fixzuschnitte und Anarbeitungen wollen wir unseren Kunden ermöglichen, sich auf ihr Kerngeschäft zu fokussieren.

Dafür investieren wir konsequent in neuste Sägetechnologie und automatisierte Handlingsprozesse. Hohe Kundenanforderungen werden bei uns mit einfachen Lösungen bedient. Das ist unser Ziel.

Sie setzen im Stahlhandel auf Digitalisierung, welche Möglichkeiten sehen Sie hier?

P. Breitenmoser: Mit der Lancierung unseres Stahlportals haben wir vor zwei Jahren einen grossen Schritt in der Digitalisierung des Schweizer Stahlhandels gemacht. Unser Onlineportal hat sich am Markt gut etabliert und wird intensiv genutzt. Damit ist es für uns aber nicht getan.

Pünktlich zum zweiten Geburtstag unseres Stahlportals am 19.02.21 folgte das erste umfassende Weiterentwicklungspaket mit neuen Funktionen. Wir wollen den Onlineanteil von heute 20 Prozent weiter ausbauen und entwickeln unseren Onlinekanal stets gezielt weiter. Es ist noch einiges Potenzial vorhanden.

Ein bedeutendes Themenfeld im Bereich der Materialbewirtschaftung sind die logistischen Prozesse. Wie können Sie diese im Idealfall mit Ihren Kunden vernetzen?

P. Breitenmoser: Bereits heute sind wir nahe an unseren Kunden und gut vernetzt. Wir pflegen nachhaltige und partnerschaftliche Geschäftsbeziehungen. Dank unserem eigenen Fuhrpark können wir auch meist flexibel reagieren. Zurzeit beschäftigen wir uns mit der Anbindung weiterer Kunden und der stetigen Optimierung der Logistikprozesse.

Es gibt immer wieder Verunsicherung zwischen dem aktienkotierten Stahlkonzern und Ihrem KMU. Sie sind weder Tochter- noch Schwestergesellschaft. Wo rührt die Namensvetternschaft her?

P. Breitenmoser: Der Konzern hat sich letztes Jahr zur Swiss Steel Group umbenannt. Das unterstützt auch uns in der klaren Differenzierung und eigenständigen Positionierung. Nun sind wir auch namentlich alleinstehend. Wirtschaftlich sind wir seit jeher völlig autonom.

Unsere Firma wurde 1959 in Wil SG gegründet und ist auch heute noch zu 100 Prozent im Familienbesitz der Nachkommen der zwei Gründerfamilien Schmolz und Bickenbach. Wir sind und bleiben «Schmobi». -böh- SMM

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