SWISSMECHANIC Sechs Wochen Ferien für alle bezahlen alle

Redakteur: Lya Bartholet

>> Eine Erhöhung des Mindestferienanspruchs von vier auf sechs Wochen bedeutet zusätzliche Kosten für die Unternehmen, eine Sabotage der Sozialpartnerschaft und ein Einfrieren der Löhne und dies obwohl viele Arbeitnehmer mehr Lohn weniger Arbeit vorziehen. Vor der Abstimmung sollte man sich daher bewusst sein, wo genau die Interessen liegen.

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C.P. Zurzeit startet die Gewerkschaft Travail.Suisse die Kampagne für ihre Initiative "6 Wochen Ferien für alle", über die Volk und Stände am kommenden 11. März befinden werden. Dazu hat sie eine in den Medien vielbeachtete Umfrage publiziert, die besagt, dass sich fast 90 Prozent der befragten Erwerbstätigen mehr Ferien wünschen als das heute gesetzliche Minimum von vier Wochen. So gefragt, nicht weiter erstaunlich.

Allerdings lässt sich aus der verständlichen Begeisterung für mehr Ferien nicht automatisch auch eine Unterstützung der entsprechenden Initiative ableiten. Schliesslich gaben nur 57 Prozent der Befragten an, für die Initiative stimmen zu wollen. Man kann sich nämlich durchaus theoretisch mehr Ferien wünschen und trotzdem eine praktische Abwägung der wirtschaftlichen Folgen machen.

Für jedes Unternehmen bedeuten mehr Ferien mehr Kosten. Diese können in grossen Unternehmen unter Umständen relativ leicht aufgefangen werden, in KMU allerdings – die immerhin mehr als 99 Prozent der Schweizer Unternehmen ausmachen – führt eine längere Abwesenheit der Arbeitnehmer häufig zu nicht zu vernachlässigenden finanziellen und praktischen Schwierigkeiten.

Die Schweiz gilt als Insel des Wohlstands – dies ist die Folge von Arbeit und nicht von Ferien

Zwei Wochen mehr Ferien heisst, irgendwie einen halben Monatslohn pro Arbeitnehmer kompensieren zu müssen. Die Annahme der Initiative würde der Schweizer Wirtschaft daher pro Jahr schätzungsweise sechs Milliarden Franken kosten. Und es wäre utopisch zu glauben, dass sie diese Kosten unbeschadet bezahlen kann.

In einer Zeit, in der zahlreiche europäische Länder in einer wirtschaftlichen Krise stecken, sollte sich die Schweiz glücklich schätzen, trotz Schwierigkeiten einiger Branchen nach wie vor als Insel des Wohlstands zu gelten mit einer bemerkenswert tiefen Arbeitslosenquote und einem ununterbrochenen Prozess der Schaffung neuer Stellen. Dieser Wohlstand ist die Folge von Arbeit, nicht von Ferien.

Keine Lohnerhöhung, dafür zwei Wochen mehr Ferien, wollen die Arbeitnehmer das wirklich?

Die Verankerung eines gesetzlich massiv höheren Minimums brächte nicht nur einige Unternehmen und Branchen in arge finanzielle Bedrängnis, sondern sabotierte auch die Anstrengungen der verschiedenen Sozialpartnerschaften, die Arbeitsbedingungen zielgerichtet zu verbessern. Diese Abwertung der Sozialpartnerschaft und des freiwilligen Engagements hätte unweigerlich auch Auswirkung auf die Löhne. Da stellt sich durchaus die Frage, ob es im Interesse der Arbeitnehmer liegen kann, für die Kompensation von 50 Prozent mehr Ferien während Jahren keine Lohnerhöhung mehr – oder gar weniger Lohn – zu erhalten. Gerade in Berufen, in denen man lieber mehr verdiente als weniger arbeitete, dürfte dies nicht der Fall sein.

Wenn es nicht mehr darum geht, in einer Umfrage mitzumachen, sondern sich ernsthaft zur Initiative "6 Wochen Ferien für alle" zu äussern, müssen sich somit sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber fragen, wo zwischen Freizeit und Arbeit ihre Interessen liegen. <<

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