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Bei Ihrem Amphibienfahrzeug fällt auf, dass es nicht wie ein U-Boot geschlossen ist, was man als Aussenstehender zuerst erwarten würde.
F. M. Rinderknecht: Unser Amphibienfahrzeug ist tatsächlich eine offene Konstruktion. Das hat zwei wichtige Gründe: Das Luftvolumen des Fahrgastraumes müsste mit viel Gewicht unter Wasser gedrückt werden und zweitens erlaubt das offene Cockpit ein schnelles Verlassen des Fahrzeugs bei einem Problem.
In Serie gehen Sie mit solchen Fahrzeugen aber nicht?
F. M. Rinderknecht: Nein sicher nicht, aber das ist auch meist nicht der Sinn hinter solchen Projekten. Uns geht es darum, aufzuzeigen, was möglich ist. Nicht nur das Unmögliche denken, sondern auch das Unmögliche zu realisieren.
Dann stellt sich für den Aussenstehenden schnell die Frage, wie Sie ihre Projekte finanzieren.
F. M. Rinderknecht: Natürlich sind wir betriebswirtschaftlich orientiert. Wir leben mehrheitlich von Beratungsaufträgen für die Automobilindustrie. Aber wenn Geldverdienen meine höchste Maxime wäre, müsste ich meinen spannenden Beruf umdenken.
Bei Ihrem 2007er Auftritt in Genf präsentierten Sie «eXasis». Ein Onlinemagazin titelte «So etwas gab es noch nie». Was hat es mit dem durchsichtigen Fahrzeug auf sich?
F. M. Rinderknecht: Wir projektierten das Fahrzeug u.a. im Rahmen unseres 30-Jahre-Firmenjubiläums gemeinsam mit den Experten der Bayer MaterialScience AG. Ziel war ein fahrbereites «gläsernes» Auto mit vollkommen transparenter Karosserie und Boden-«Blech» aus Makrolon zu realisieren. Bei diesem Objekt ging es auch darum, Leichtbau sichtbar zu machen. Das Ziel war es, neue Themen dem Markt aufzuzeichnen.
In welchem Zeitrahmen entwickeln und realisieren Sie ihre unkonventionellen Projekte?
F. M. Rinderknecht: Wir wissen heute (im Mai 2013) noch nicht, was wir in 2014 am Genfer Automobilsalon vorstellen werden. In der Regel nehmen wir uns acht Monate Zeit – von der Idee bis zur Realisation. Alles muss extrem schnell und effizient gehen. Ich bin der Überzeugung: Zeitdruck ist essentiell, wenn es vorwärtsgehen soll.
Wie kommen Sie auf Ihre Ideen?
F. M. Rinderknecht: Ich kann kreativ sein, wann ich möchte. Das geht praktisch auf Befehl. Aber ich bin nicht der einzige Kreative hier. Wir entwickeln die Ideen im Team. Es sollten aber nicht mehr als drei Personen sein. Bei mehr Teilnehmenden wird es sehr schnell kompliziert und politisch.
Zum Teil sind Ihre Projekte recht «speziell».
F. M. Rinderknecht: Sie können gerne auch verrückt sagen. Ich bin das gewohnt, zu hören. Den Mut, verrückt zu sein, den braucht es. Verrückt ist für mich positiv besetzt. Verrücken heisst bewegen. Verrückte treten Dinge los.
Bei Rinspeed-Splash handelt es sich ebenfalls um ein Amphibienfahrzeug, mit dem Sie sogar einen Weltrekord bei der Ärmelkanalüberquerung aufgestellt haben.
F. M. Rinderknecht: In unserer offiziellen Stellungnahme heisst es: «Der Rinspeed-«Splash» ist die Inkarnation des coolen Freizeitsportlers schlechthin.» Im Grunde genommen braucht das Fahrzeug kein Mensch. Aber es ist eine spannende Entwicklung. Sind die Tragflügel eingeklappt, verbirgt sich hinter der Carbon-Karosserie ein wendiger und spritziger Sportwagen. Die Tragflügel machen per Knopfdruck – dank einer ausgeklügelten hydraulisch gesteuerten Mechanik – aus dem Kurvenflitzer ein sehr schnelles Tragflügelboot, das zirka sechzig Zentimeter über der Wasseroberfläche fliegt. Das bringt den grossen Vorteil, dass der Widerstand im Wasser sehr gering ist. Nicht zuletzt deshalb halten wir den Weltrekord bei der Überquerung des Ärmelkanals mit einem Amphibienfahrzeug.
Fahren Sie mit dem Fahrzeug noch auf den Schweizer Seen?
F. M. Rinderknecht: Nein, heute nicht mehr. Ich benötige Bewilligungen, Versicherungen und vieles andere mehr. Das Prozedere ist nicht zu unterschätzen. Es macht zwar Spass, mit ihm zu fahren, aber Neues zeigen können wir nicht mehr.
Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung der Elektromobilität ein?
F. M. Rinderknecht: Das ist ein kontroverses Thema. Es gibt Produkte, die wecken Begehren. Das ist beispielsweise beim iPhone so. Bei den Elektroautos muss diese Begierde erst noch entwickelt werden. Es braucht – neben den rationalen – auch starke emotionale Aspekte, um die E-Fahrzeuge erfolgreich in den Markt zu bringen. Ich habe einen E-Mini, der 100 % elektrisch fährt. Das Fahrzeug ist genial. Zusammen mit einem «normalen» Auto kann jeder mobile Wunsch erfüllt werden. Aber auch ich musste umdenken. Zu Beginn habe ich ihn alle zehn Kilometer an die Steckdose gehängt. Das war völlig unnötig. Heute lade ich ihn nur noch, wenn der Akku leer wird. Als Fahrer dieses Prototypen bin ich eigentlich Pionier, nur leider sieht er aus wie jeder andere Mini in Zürich. Die Aussenwirkung fehlt und keiner nimmt meinen Pioniergeist war.
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