BAKBASEL Frühlingsprognose 2016

Sinkende Wertschöpfung in der MEM-Industrie

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Bilaterale als Risiko

Obwohl die BAK-Prognosen für die folgenden Jahre eher verhalten sind – in Stein gemeisselt sind sie nicht. Dies hängt insbesondere vom Weiterbestehen der Bilateralen und dem Verbleib Grossbritanniens (GB) in der Europäischen Union ab. Steigt GB Ende Juni aus, kann man in der Schweiz davon ausgehen, dass Europa Besseres zu tun hat, als sich um die bilateralen Verträge der Schweiz zu kümmern. «Durch den Wegfall der Bilateralen ist das Schweizer Erfolgsmodell gefährdet», sagt Monika Rühl, Direktorin des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Die ehemalige Diplomatin sprach in ihrer Keynote klare Worte vor den rund 150 Teilnehmern. Wie Rühl sieht es auch die Wirtschaft: Laut Swiss­mem sind für 78 Prozent der Unternehmen die Bilateralen unverzichtbar. Doch die Politik nehme die Gefahr laut BAK nur langsam wahr. «Es ist erstaunlich, dass selbst mehr als zwei Jahre nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative selbst wesentliche Fakten immer noch nicht auf dem Tisch liegen», sagt Eichler. Dies liege laut Rühl unter anderem daran, dass im vergangenen Jahr Wahljahr war und für die grossen Parteien die Bilateralen für den Abstimmungskampf nicht wichtig waren. Dies scheint sich nun langsam zu ändern. Ausser einigen SVP-nahen Experten sind sich die Ökonomen einig. Die bilateralen Verträge mit der EU waren in den vergangenen Jahren ein wichtiger Wachstumstreiber, der Wegfall würde die Wirtschaft einiges kosten. Von 630 Milliarden Franken bis 2035 ist beim BAK die Rede.

Swissmem: 43 Prozent dank Bilateralen

Dies sieht auch die Swissmem so: Seit dem Inkrafttreten der Bilateralen habe die MEM-Industrie ihren Export um 40 Prozent steigern können. «Die bilateralen Verträge haben die zuvor bestehenden Zugangshürden zum EU-Binnenmarkt für Schweizer Unternehmen eliminiert», sagte Peter Dietrich von Swissmem, dem Verband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Seit der Wirtschaftskrise und wegen des Wechselkurses ist jedoch ein Teil des Wachstums wieder verpufft. Swissmem geht davon aus, dass auch in den kommenden zehn Jahren rund 43 Prozent des erwarteten ausländischen Nachfragewachstums nach Schweizer MEM-Waren in der EU entstehen werden. Den Wertschöpfungszuwachs beziffert Swissmem dabei mit 3,3 Milliarden Franken. Fallen die Wirtschaftsverträge mit der EU, kehrt die Wertschöpfung ins Negative. «Der EU-Markt wird wichtigster Wachstums­treiber der MEM-Industrie bleiben», resümiert Branchenanalyst Grass, «weswegen die bilateralen Verträge auch in Zukunft wichtig sind.» <<

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