BAKBASEL Frühlingsprognose 2016 Sinkende Wertschöpfung in der MEM-Industrie

Redakteur: Sergio Caré

Für das Jahr 2017 erwartet das BAK ein Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 1,5 Prozent – sofern der Brexit nicht stattfindet und eine Lösung mit der EU wegen der Masseneinwanderungsinitiative gefunden wird. Dafür verantwortlich sind vor allem die Pharmabranche und der Handel. Die MEM-Industrie dümpelt weiter vor sich hin, obwohl die Importpreise deutlich stärker gesunken sind als die Produzentenpreise. Dies wirkt sich negativ auf die Wertschöpfungsentwicklung aus.

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BAK-Tagung 21.04.2016
BAK-Tagung 21.04.2016
(Bild: Sergio Caré)

Das Positive vorneweg: Ab 2017 soll das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz um 1,5 Prozent wachsen, sagt das BAK­BASEL (BAK) an der diesjährigen Frühlingsprognose-Tagung. 2018 wird gar ein Plus von 2 Prozent erwartet. Die schlechte Nachricht: Für dieses Jahr wird weiterhin mit einem schwachen Exportmarkt gerechnet. Dies belastet insbesondere die MEM-Industrie. Der Margendruck durch den teuren Schweizer Franken hält die Wirtschaft also weiterhin eisern im Griff. Aber das alleine trübt das Ergebnis nicht.

Schwacher Welthandel

Die Schwellenländer wie Brasilien, China, Indien und Russland werden nach wie vor durch strukturelle Probleme und die tiefen Rohstoffpreise ausgebremst. Dies spiegelt sich auch in der schwachen Entwicklung des Welthandels wider. Aber auch in den Industriestaaten lässt der seit längerem erhoffte Aufschwung auf sich warten. Stützend für die Weltwirtschaft sei der steigende private Konsum dank der niedrigen Energiepreise und der Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt sowohl in den USA als auch in der Eurozone. Gerade von den Vereinigten Staaten habe das BAK jedoch für das Jahr 2015 mehr erwartet. «Es ist ein enttäuschendes Ergebnis», sagte dazu BAK-Chefökonom Martin Eichler. Das Wirtschaftswachstum der Amerikaner lag auf ähnlich hohem Niveau wie die Weltwirtschaft – plus 2,4 Prozent. Dass es den USA besser gehe als vor sechs Jahren, zeigt die Arbeitslosenquote. Laut Oxford Economics halbierte sich die Zahl der Arbeiter ohne Jobs, da viele neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Die Arbeitslosenquote beträgt nun wieder respektable fünf Prozent, wie vor der Finanzkrise. Und dies steigerte den Binnenkonsum. Für 2016 wird mit einem Weltwirtschaftswachstum von 2,3 Prozent gerechnet. Etwa gleich wird die amerikanische Wirtschaft wachsen, obwohl (oder vielleicht gerade darum?) die Leitzinsen der FED immer noch tief sind.

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EZB-Geldpolitik bleibt

Weltweit konnten die Zentralbanken nämlich die Unternehmen mit ihrer expansiven Geldpolitik nicht dazu bewegen, mehr zu investieren. Dabei wird billiges Geld in den Markt gepumpt, um wirtschaftspolitische Ziele (z. B. Wachstum) zu erreichen. «Wir rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank ihre derzeitige Geldpolitik bis 2018 weiterfahren wird», prophezeit Eichler. «Doch billiges Geld stützt auch Strukturprobleme von Ländern und Unternehmen», warnt der Ökonom. Dies verhindere nötige Umstrukturierungen von defizitären Unternehmen und Staaten. Verantwortlich für die zurückhaltenden Investitionen sei zudem die Verunsicherung über die derzeit zahlreichen Belastungsfaktoren weltweit. Brasilien droht (wieder einmal) der Staatsbankrott, Grossbritannien stimmt über den EU-Verbleib ab und die Energie- und Rohstoffpreise sind stark volatil, um ein paar globale Risiken zu nennen. Und das Problem Griechenland ist ebenfalls eher verschoben als aufgehoben.

Wirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz

Mit der Verbesserung der konjunkturellen Lage rechnet das BAK darum erst ab 2017. Der EUR/CHF-Wechselkurs wird weiterhin auf dem jetzigen Niveau verbleiben. Positiv für die Unternehmen dabei ist, dass der Entlastungseffekt durch die tieferen Importpreise für die Industrie noch etwas länger anhalten wird. In den Jahren 2015 und 2016 berechnete das Bundesamt für Statistik (BFS) rund 11,2 Prozent tiefere Preise gegenüber 2014. «Dadurch konnten die Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben», sagt BAK-Branchenanalyst Michael Grass. «Die Produzentenpreise sanken im gleichen Zeitraum jedoch ‹nur› um 4,4 Prozent», erklärt Grass weiter. Der Grund liegt auf der Hand: das höhere Lohnniveau im Vergleich zur EU. Dies ermögliche keine starken Preisabsenkungen auf Niveau der Importpreise.

Von erneuten, wenn auch weniger ausgeprägten, Wertschöpfungsrückgängen müssen in diesem Jahr insbesondere die chemische Industrie, die Metallindustrie, die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen und der Maschinenbau ausgehen. Für die Schweizer Indus­trie stützend wirken einzig die pharmazeutische Industrie (+2,7 Prozent), der Fahrzeugbau (+ 3,3 Prozent) und die Medizintechnik-Industrie (+1,2 Prozent). Insgesamt sei aber auch in der MEM-Indus­trie mit einem niedrigeren Wertschöpfungswachstum von 1,1 Prozent ab 2016 zu rechnen.

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