3D CAD/CAM-Software Solidworks World 2017 – Die Distanzen verkürzen

Redakteur: Sergio Caré

Versprochen ist Versprochen: Keine bahnbrechende Neuerungen, aber solche, die das Leben der Designer und Konstrukteure vereinfachen. So das Fazit der diesjährigen Solidworks World 2017 in L.A. Hier eine Rück- und Vorschau zu den Neuheiten der 3D-Software. Ausserdem: Zwei interessante Projekte, die mit Solidworks erstellt wurden.

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Solidworks-Chef Gianpaolo Bassi an der Solidworksworld 2017 in Los Angeles.
Solidworks-Chef Gianpaolo Bassi an der Solidworksworld 2017 in Los Angeles.
(Bild: Narrative Images)

The new, the next and the never before. So lautete der Slogan der diesjährigen Solidworks World 2017 (SWW) Anfang Februar in Los Angeles. Vorgetragen hatte den Slogan Gian Paolo Bassi, Leiter von Solidworks. Während dreier Tage durften sich 5000 Ingenieure und Designer aus allen Erdteilen ein eigenes Bild über die letzten Neuigkeiten der 3D-Software des französischen Unternehmens Dassault Sys­tèmes machen.

«Our ambition is to reduce the distance between the design and the reality», sagt Bernard Charlès, CEO von Dassault Systems. Zentrales Ziel seines Unternehmens ist es also, Designer und Nutzer näher zusammenzubringen.

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Topologieoptimierung

Eine Art, bei der Entwicklung eines Bauteils den Nutzeraspekt beim Design einzufahren, ist die Topologieoptimierung. Dabei geht es um ein computerbasiertes Berechnungsverfahren, bei dem mechanische Belastung simuliert wird. Dadurch kann ein optimal angepasstes Teil gezeichnet werden, das den Anforderungen des Nutzers entspricht. Das Potenzial dieser Funktion ist einfach: Es fallen langwierige Testverfahren weg und es wird auch nur so viel Material verbaut wie auch wirklich für den Nutzen benötigt. Die Topologieoptimierung in der Software von Solidworks basiert auf dem Simulia-Portfolio von Tosca. Bereits während des Designprozesses werden die Modelle getestet. Die Software gibt sofort ein optisches Feedback, ob die Vorgaben für das Modell eingehalten wurden.

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Hydroponisches Gewächshaus
Leafy Green Machine – Landwirtschaft im Container

Um Bevölkerungswachstum und Klimawandel zu begegnen, ist Einfallsreichtum gefordert. Eine dieser Ideen, die in diesen Kontext passt, stammt von Freight Farms und ist grob gesagt nachhaltige Landwirtschaft in Transportcontainern. Dabei nutzt das noch junge Start-up digitale und pysische Lösungen, um vertikale Anbaufläche entstehen zu lassen, die zum Beispiel Bauern bei der Aufzucht unterstützen könnte. Die Frachtbehälter sind ausgediente Transportcon­tainer aus der Logistik und verwenden ein hydroponisches System für den Anbau von Pflanzen. Die Hydroponik ist eine Form der Pflanzenhaltung, bei der die Pflanzen in einem anorganischen Substrat statt im Erdreich wurzeln. Die Ernährung der Pflanzen erfolgt dabei über eine wässrige Lösung mit Nährsalzen.

Ganz im Zeitgeist des Internets der Dinge, reguliert das System des Containers Licht und Klima im Inneren und gibt dem High-Tech-Landwirt Auskunft über den Stand der Dinge bzw. über den Gesundheitszustand seiner Setzlinge. Bei Wunsch kann der Bauer eine Kamera zuschalten.

1000 Salate aus 78 m3

Dadurch, dass der Container ein geschlossenes System ist und die benötigte Energie autark durch Solarzellen produziert wird, wächst das Blattgemüse in Boston genauso gut wie auch in Bangalore oder Bern. Der Ertrag entspricht laut dem Start-up 1000 Salatköpfen pro Woche. Dies gelingt, weil nicht nur am Boden angepflanzt wird, sondern auch in der Vertikalen. Dadurch besteht die Anbaufläche aus 78 m3. Freight Farms nutzte Solidworks für das Rapid Prototyping, also der schnelle Druck von Musterbauteilen aus Konstruktionsdaten. Ausserdem unterstützt die 3D-Software bei der Visualisierung und für den Datenaustausch mit Herstellern.

Der Kostenpunkt der metallenen Gewächshäuser beträgt etwa 87 000 CHF. Mit auch ein Grund, warum wohl weniger die Bauern auf die Transportcontainer abfahren als Spitzenköche. Die Nutzen diese, um seltenes Gemüse und Kräuter anbauen zu können.

Weitere Informationen:
www.freightfarms.com

CAM-Funktion

Neu bei Solidworks ist die Erweiterung durch eine CAM-Funktion (Computer Aided Manufacturing oder zu Deutsch die rechnerunterstützte Fertigung). CAM ist ein wesentlicher Bestandteil der computerintegrierten Produktion. Im CAM-System werden die Geometriedaten für Rohteil, Fertigteil und Aufspannvorrichtung aus dem CAD eingelesen. Weil keine Geometriedaten aus einer Zeichnung abgeschrieben werden müssen, können dabei auch keine Fehler gemacht werden. Die CAM-Funktion von Solidworks basiert auf derjenigen von CAMWorks von Geometric. Sie umfasst 2,5-Achs-Fräsen sowie Drehen. Geometric bietet mit CAMWorks ein sehr gut integriertes CAM-System an, das mit Modulen für Drehfräsen, 3-Achs-, Mehrachs- und Drahterodiermaschinen erweitert werden kann.

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