Kontraktlogistikdienstleister Panopa optimiert Ersatzteillogistik des Baumaschinenherstellers Ammann Sprungbrett in den europäischen Markt

Redakteur: Silvano Böni

Ob Strassenfertiger, Stampfer oder Walzenzug – innerhalb Europas kann der Baumaschinenhersteller Ammann für jeden Maschinentyp ein Emergency Kit mit Ersatzteilen innerhalb von 24 Stunden zustellen. Für das Familienunternehmen wird dieser Ersatzteilservice als Teil des wachsenden After-Sales-Geschäfts immer wichtiger. Damit alles pünktlich beim lokalen Ammann-Händler oder direkt auf der Baustelle ankommt, hat Ammann die Panopa Logistik GmbH mit der Ersatzteillogistik beauftragt.

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Ein Niedertemperatur-Asphaltierer von Ammann im Einsatz.
Ein Niedertemperatur-Asphaltierer von Ammann im Einsatz.
(Bild: Ammann)

Stillstand verursacht Kosten – dies gilt auch beim Strassenbau. Damit bei Maschinenausfällen die bestellte Schraube oder der Ölfilter schnellstmöglichst am Einsatzort ankommen, hat der Baumaschinenhersteller Ammann die Zusammenarbeit mit der Panopa Logistik GmbH in Stockstadt am Rhein gesucht. Ammann kann mit Hilfe des von Panopa neu eingeführten Lagersystems die Logistikkosten senken und von Deutschland aus die Maschinenteile innerhalb des europäischen Binnenmarkts ohne Zollschranken zeitgerecht zustellen. Damit Panopa die Anforderungen des Kunden noch besser erfüllen kann, verlegte der Kontraktlogistiker die Ersatzteillogistik für Ammann darum von Dortmund nach Stockstadt am Rhein.

Umzug bringt Vorteile

Für den Umzug sprachen mehrere Gründe: die geografische Nähe zum Kunden und das grössere Flächenpotenzial. Aber warum wickelt ein Schweizer Maschinenbauer seine Ersatzteillogistik von Deutschland aus ab? Diese Frage kann Marcus Cerny, Bereichsleiter Logistik für Maschinen und Anlagen bei Panopa, mit einem schlagenden Argument beantworten: «Ein deutscher Dienstleister kann Sendungen innerhalb der Europäischen Union verschicken, ohne dass eine Zollanmeldung mit den damit verbundenen Wartezeiten und Gebühren anfallen.» Für ein Schweizer Unternehmen wäre jede Sendung aus der Schweiz nach Europa eine zollpflichtige Sendung. «Die Kombination aus deutschem Dienstleister mit der Übernahme der Zollfunktion als zugelassener Ausführer bietet Schweizer Kunden einen echten Expressservice für Sendungen ins europäische Ausland» ergänzt Cerny. Der Dienstleister übernimmt hierbei die Zollanmeldung für den Kunden in indirekter Vertretung, das heisst, die Sendung kann ohne Wartezeit beim Zoll sofort versendet werden. Genau diese Vorteile nutzt der Schweizer Baumaschinenhersteller Ammann. Das familiengeführte global aufgestellte Maschinenbauunternehmen hatte sein Ersatzteilgeschäft zunächst von bislang vier Lager- und Versandstellen auf eine, nämlich Dortmund, konzentriert. Zudem wollte Ammann das Ersatzteilgeschäft ausbauen, besonders im Bereich Asphaltmischanlagen. Wenn irgendwo in Europa eine neue Strasse gebaut oder erneuert wird, dann sind oft auch Strassenfertiger von Ammann im Einsatz. Zwischen 60 000 und 70 000 verschiedene Ersatzteile haben die Schweizer im Programm; davon werden gut 21 000 besonders oft nachgefragt und versendet. Das kann eine einzelne Schraube sein oder ein Kabinendach für eine Baumaschine. Im Auftrag von Ammann verlassen täglich 400 bis 600 Ersatzteilsendungen das Multi-User-Lager.

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Jeder Artikel kategorisiert

Der Umzug von Dortmund nach Stockstadt am Rhein hat sich für Kunden und Dienstleister gleichermassen ausgezahlt. «Man hat die einmalige Chance, Prozesse von Grund auf neu zu organisieren», sagt Cerny. «Beim Umzug haben wir jeden Artikel kategorisiert und einzeln entschieden, wo wir ihn einlagern.» Welcher Artikel wie oft dreht, also wie oft nachgefragt und versendet wird, hatte Panopa aus der mehr als dreijährigen Erfahrung mit dem Kunden Ammann errechnet. «Es gibt jetzt nur noch die Kategorien A, B und C», erklärt Cerny. Nur Schnelldreher der Kategorie A werden im Automatischen Kleinteilelager (AKL) bewirtschaftet, weniger oft nachgefragte Artikel der Kategorien B und C lagern jetzt im Fachbodenregal. Und worin liegt der Mehrwert? Cerny klärt auf: «Das Lagern im AKL ist teurer und lohnt sich grundsätzlich nur für Schnelldreher.» Mit dieser Neukategorisierung, also keine Langsamdreher mehr im AKL, habe Panopa die Logistikkosten für weniger schnell drehende Artikel senken und die Fläche besser ausnutzen können – zum Vorteil des Kunden Ammann.

Ammann nutzt für die Auftragsabwicklung ein Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) auf SAP-Basis. Mit Hilfe dieses Systems stellt der Baumaschinenhersteller sicher, dass alle benötigten Ersatzteile und Komponenten an der richtigen Stelle, zur richtigen Zeit und in der richtigen Menge zur Verfügung stehen. Über das ERP-System fliessen die Bestellungen der Händler über die Ammann-Zentrale ein und laufen weiter in das Warehouse-Management-System von Panopa. «Das Zusammenspiel der IT-Systeme haben wir vorher über simulierte Geschäftsvorfälle getestet. Dabei mussten die IT-Abteilungen auf beiden Seiten eng zusammenarbeiten», erinnert sich Standortleiter Ralph Altfeld. Nicht zu vergessen sind natürlich die IT-Weiterverknüpfungen zu den zahlreichen Transportpartnern von Panopa.

Emergency-Kits

Eine Spezialität sind die Emergency Kits. Sie enthalten Ersatz für die jeweils gängigsten Verschleissteile von jedem Maschinentyp, etwa 10 bis 20 Einzelteile pro Set. «Der lokale Ammann-Händler sollte vor Ort immer ein Notfall-Set vorrätig haben», sagt Marcel Keller, Leiter des Ersatzteilgeschäfts bei Ammann. «Wir versuchen, mit jeder Maschine ein Emergency Kit gleich mit zu verkaufen», sagt er. Kellers Grundbedingung Nummer eins: «Alle Bestellungen, die bis 16 Uhr bei Panopa eintreffen, müssen noch am selben Tag versendet werden und innerhalb von 24 Stunden beim Kunden sein – europaweit.» Innerhalb des europäischen Binnenmarkts ist das kein Problem, nur in das Nicht-EU-Land Schweiz wäre der 24-Stunden-Service wegen zollrechtlicher Formalitäten nicht zu schaffen. Damit ein zügiger Versand auch in die Schweiz möglich wird, hat Panopa am Standort Stockstadt den Status «zugelassener Ausführer» erworben. Unternehmen mit häufigen Ausfuhren können als solcher Waren ohne Gestellung an der Ausfuhrzollstelle in das Ausfuhrverfahren überführen. «Als zugelassener Ausführer sind sie gegenüber den Zollbehörden absolut transparent», erklärt Cerny. So muss Panopa den Behörden eine wirksame Überwachung der Ausfuhrverbote und -beschränkungen gewährleisten und die Bücher zur Prüfung offenlegen.

Flexibilität gross geschrieben

Während für den Logistiker die «Cut-off-Zeit» 16 Uhr ist, also bis 16 Uhr eingegangene Bestellungen am gleichen Tag versendet werden müssen, liegt für Transportpartner von Panopa die «Pick-up-Zeit», also die Abholung, zwischen 17 und 18 Uhr. Für die mehrstufigen Kommissionierschritte und das Verpacken haben Panopa-Mitarbeiter nur knapp zwei Stunden Zeit. Die Einzelkomponenten eines Kits sind im Lager an verschiedenen Orten deponiert, im AKL, im Palettenlager oder im Fachbodenregal. Eine intelligente Fördertechniklösung führt alle Kommissionierschritte an einem Verpackungsplatz zeitlich und örtlich punktgenau zusammen.

«Wir erwarten von Panopa dabei sehr viel Flexibilität», bestätigt Keller und fährt fort: «Ohne persönliche Kommunikation und Anpassung der jeweiligen Prozesse ist das nicht zu schaffen.» Deshalb macht die mit dem Umzug geschrumpfte Distanz zum Kunden Ammann das persönliche Zusammentreffen für die Partner noch leichter und unkomplizierter, denn mit der Verlegung nach Stockstadt ist Panopa 270 km näher an die Schweiz herangerückt. «Wir werden uns zukünftig einmal im Monat in Stockstadt treffen», sagt Keller. Für einen Kunden in der Schweiz ist es eben ein Unterschied, ob er für einen Besuch drei Autostunden einplanen muss oder sechs. Keller: «Die räumliche Nähe zu unserem Logistikpartner war uns wichtiger als der geografisch idealste Logistikstandort.» <<

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