Standortfrage: anspruchsvolle Lösungen aus Blech

Redakteur: Anne Richter

>> Die Firma Ringele mit Sitz in Pratteln ist Spezialist und Systemanbieter in der Blechverarbeitung und auf die Herstellung komplexer Produkte in verschiedenen Bereichen konzentriert. Das Unternehmen setzt auf den Standort Schweiz und die Ansprüche sind hoch – Qualität und Liefertermine sollen zu hundert Prozent erfüllt werden. Unterstützt wird der Blechverarbeiter mit Maschinen und Dienstleistungen des japanischen Maschinenbauunternehmens Amada.

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Vollautomatisierung: Laser-Schneid-Center LC 2415, integriert in das automatische Blechlager CS 300.
Vollautomatisierung: Laser-Schneid-Center LC 2415, integriert in das automatische Blechlager CS 300.
(Bild: Amada)

«Wir haben kein Problem mit dem Lohnniveau in der Schweiz, aber wir haben ein Problem, wenn wir denken, dass wir mit unseren Löhnen die gleiche Leistung anbieten können, wie in Ländern mit tieferem Lohnniveau», ist die Überzeugung der Geschäftsleitung der Ringele AG zum Standort Schweiz.

So konzentriert sich das Unternehmen auf die Herstellung komplexer und auf verschiedenen Gebieten anspruchsvoller Produkte – alles am einzigen Standort in Pratteln. Als Systemlieferant ist Ringele nicht nur in allen Disziplinen der Blechverarbeitung, inklusive Montage und Logistik, zu Hause, sondern bietet mit seinem Engineering optimierte Herstellungsverfahren und Prozesse, um Kosten für die Kunden zu reduzieren und die Qualität zu verbessern.

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Spezialität: einmalig hochkomplexe Bauteile

Die Spezialität von Ringele liegt dabei in der Herstellung hochkomplexer Bauteile, wobei CNC-Technik und Umformtechnik optimal kombiniert werden – bezüglich Produktlebenszyklus, Marktanforderungen und Stückzahlen. Um die Investitionen zu optimieren, werden hierbei so viele Arbeitsschritte wie möglich mit Standardwerkzeugen durchgeführt.

Nur für die Prozesse, die mit dem Standardprogramm nicht durchführbar sind, werden produktspezifische Werkzeuge im eigenen Werkzeugbau hergestellt. Ein moderner und leistungsfähiger Anlagenpark ermöglicht dabei grosse Freiheiten im Design und bei der Bearbeitung komplexer Formen. Die Komplexität der Bauteile, die gefertigt werden können, ist einmalig in der Branche und es zeigt das Know-how bei Ringele.

Dies zeigt sich auch darin, dass ein Geschäftsfeld des Unternehmens seit über 20 Jahren die Medizintechnik ist. Zusätzlich geht es hier neben höchsten Ansprüchen an Präzision und Verarbeitungsqualität um eine durchgehende Dokumentation der Fertigungsprozesse. Ringele ist nach der Medizinproduktenorm ISO 13485 zertifiziert.

Oberste Priorität: Termintreue und Logistik

Auf Grund der schlanken Produktionsweise mit Inselfertigung ist Ringele in der Lage, auch grosse Volumen mit hoher Flexibilität zu fertigen. Mit seinem Kanban-System kann sich das Unternehmen direkt in die Wertschöpfungskette seiner Kunden einfügen und sich dabei auf deren Logistik und Fähigkeiten abstimmen. Ringele sieht sich hier quasi als erweiterte Werkbank und montiert auch ganze Systeme.

Kurze Durchlaufzeiten mit Lean Production

«Unser Anspruch ist es, unsere Ziele zu hundert Prozent zu erfüllen, das heisst immer hundert Prozent Qualität zu liefern und das bei hundert Prozent Termintreue», erläutert Andreas Zurbrügg die Ringele-Geschäftsstrategie. So ist der gesamte Betrieb auf Lean Production ausgerichtet: Fliessprinzip, kurze Durchlaufzeiten, One-Piece-Flow und Verschwendungsreduktion sind deren Eckpfeiler. «Diese Ansprüche schlagen sich bei uns auch in der Maschinenevaluation nieder. Wir suchen prozesssichere Maschinen mit einem Partner, der guten Service leistet und bei Bedarf entsprechend schnell reagiert», so Zurbrügg.

Hier setzt Ringele seit 2005 in der Blechbearbeitung vor allem auf Amada, einem der weltweit grössten Hersteller von Werkzeugen und Maschinen für die Blechbearbeitung. Zum Amada-Maschinenpark bei Ringele gehören mehrere Abkantpressen, ein Stanzcenter, ein Stanz-Lasercenter, eine Biegezelle sowie Laser-Schneid-Center integriert in ein automatisches Blechlager. Und die Ansprüche an Maschinen, Service und Kompetenz des Partners sind hoch. So sollte eine Maschine nach Erhalt innert drei Wochen im Einsatz sein, bei Problemen sollte die Reaktionszeit bei wenigen Stunden liegen und je nach Problem in kürzester Zeit behoben sein. «Aus unserer Sicht hebt sich Amada in Bezug auf Service sehr von den Mitbewerbern ab», erklärt Zurbrügg.

An die Grenzen der Machbarkeit

Auch hat sich die Zusammenarbeit und der Datenaustausch zwischen Ringele und Amada über die Jahre intensiviert – auf Grund der Komplexität der Bauteile und auf Grund der Anforderungen bezüglich Lean Production: «Da wir immer schlanker produzieren wollen, gehen wir immer mehr an die Grenzen, bis hin an die Grenzen der Machbarkeit», erläutert Zurbrügg und ergänzt: «Der Nutzen, den wir aus einer Maschine ziehen, ist zwar unser Know-how, aber es braucht auch einen starken Partner und das ist Amada.»

Ringele mit seiner anspruchsvollen Produktion ist dabei für Amada fast wie ein Pionierunternehmen. Obwohl alle Amada-Neuentwicklungen in house getestet wurden und erst bei wirklicher Marktreife in den Verkauf kommen, ist Ringele mit seinen Anwendungen immer wieder auf Probleme gestossen, die vorher keine anderen Amada-Anwender hatten. «Und hier hat Amada immer sehr gut zugehört – das Feedback vom Kunden wird sehr ernst genommen», resümiert Zurbrügg und bestätigt: «Das sind alles sehr gut erprobte Maschinen, die genau die Ausstattung haben, die notwendig ist, und keinen unnötigen Schnickschnack.»

Vernünftige Automatisierung

Die Zufriedenheit von Ringele zeigt sich auch im umfangreichen Maschinenpark. Zahlreiche Abkantpressen bis zu vier Meter Länge und 250 Tonnen Presskraft sind dabei für Biege- und Abkantprozesse im Einsatz. Hervorzuheben ist dabei die Biegezelle Amada Astro 100NT mit automatischem Werkzeugwechsler: Die vollautomatisierte Zelle mit 30 Achsen und einer Positioniergenauigkeit von 0,05 mm lässt sich nach der externen Vorbereitung innerhalb weniger Minuten auf das nächste Produkt umrüsten. «Wir setzen auf vernünftige Automatisierung», erklärt Zurbrügg und präzisiert: «Ein Abkantroboter ist sehr vernünftig, wenn er richtig eingesetzt wird.»

Ein weiteres Herzstück in der Produktion bei Ringele ist ein automatisches Blechlager CS 300, in das zwei Laser-Schneid-Center LC ALPHA 2415 integriert sind. Das modulare Lagersystem wird individuell nach Bedarf konfiguriert. Eine nachträgliche Erweiterung des automatischen Lagersystems sowie die Anbindung von bereits existenten oder auch neuen Stanz-, Laser- und Biegezellen sind jederzeit möglich. Es beinhaltet sowohl Paletten für Rohmaterial und Fertigteile als auch für Restgitter. Jede Palette verfügt über vier Laufrollen, die einen externen Antrieb zum Palettenwechsel ermöglichen. Durch diesen externen Antrieb wird eine kompakte Bauweise erzielt, die den Platzbedarf des Systems auf ein Minimum reduziert. Der Einsatz von kostspieligen Transferhubtischen ist bei einem CS-300-Lagersystem nicht notwendig.

Hohe Anforderungen auchan Mitarbeiter

«Unsere Produktionsphilosophie Lean Production stellt hohe Anforderungen an die Mitarbeiter, dass sie in der Lage sind, diese Kultur zu leben. Für diese Kultur ist der Standort Schweiz ideal.» So sind nicht nur die Maschinen wichtig für den Erfolg von Ringele, sondern vor allem auch die Mitarbeiter. Aus diesem Grund hat das Unternehmen ein detailliertes Ausbildungssystem für Mitarbeiter etabliert. So werden alle Mitarbeiter kontinuierlich weitergebildet, und auch die Lehrlingsausbildung befindet sich im Ausbau. Momentan werden insgesamt fünf Lehrlinge zum Apparatebauer bzw. zum Polymechaniker ausgebildet.

Demzufolge produziert der Blechverarbeiter trotz des hohen Lohnniveaus nur in der Schweiz am Standort in Pratteln. «Ein hoher Lohn wird erst zum Problem, wenn man ihn nicht verdient. Hier in der Schweiz bekommen wir auf Grund des guten Ausbildungssystems eine ganz andere Leistung als anderswo», fasst Zurbrügg das Thema zusammen. <<

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