Werkplatz Schweiz - Quo vadis? Starker Franken stärkt Schweizer Wirtschaft

Redakteur: Matthias Böhm

Nördlich des Rheins – in Deutschland – läuft es in der exportgetriebenen Maschinenindustrie blendend. Das liegt nicht zuletzt am schwachen Euro. Ein Turbo für die deutsche Industrie. Doch der BGA-Präsident Anton F. Börner warnt in einem Interview der VDI-Nachrichten massiv vor den Folgen des schwachen Euros: Die deutsche Wettbewerbsfähigkeit würde ins Hintertreffen geraten. Eine interessante Sicht aus einer anderen Perspektive von der nördlichen Seite des Rheins.

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«Die Stärke einer Wirtschaft zeigt sich nicht in einer schwachen, sondern in einer harten und starken Währung.» Anton F. Börner, BGA-Präsident
«Die Stärke einer Wirtschaft zeigt sich nicht in einer schwachen, sondern in einer harten und starken Währung.» Anton F. Börner, BGA-Präsident
(Bild: copyright by anemel)

Ein kürzlich erschienenes Interview des BGA-Präsidenten (BGA – Bundesverband Grosshandel, Aussenhandel, Dienstleistungen e.V.) Anton F. Börner in den VDI-Nachrichten (Nr. 8 vom 20. Februar 2015) schlug hohe Wellen in der deutschen Industrie und der deutschen Presse.

Euro wird durch Draghi nach unten geprügelt

Mit ein Grund sich mit den brisanten Aussagen des Aussenhandelsspezialisten hier im Schweizer Maschinenmarkt auseinanderzusetzen. Auf die erste Frage des Interviewers Jürgen Voges, warum Anton F. Börner den schwachen Euro als künstlichen Rückenwind für Exporte bezeichne, antwortet dieser: «Letztlich wird der Eurokurs durch den EZB-Präsidenten Mario Draghi nach unten geprügelt. Die Märkte gehen von einer Zinswende in den USA, von bald anziehenden Dollarzinsen aus. Gleichzeitig wird der EZB-Präsident alles tun, um die Eurozinsen sehr niedrig zu halten. Anleger werden Dollars suchen und Euros verkaufen.»

Geringes Volumen: Schweizer Franken hoch volatil

Nicht erwähnt wird vom BGA-Präsidenten, dass die Anleger auch in den Schweizer Franken investieren, der trotz Negativzinsen eine attraktive Währung darstellt. Das Dilemma an der Franken-Währung ist, dass sie erheblich volatiler ist, wenn Gross-Investoren in die Schweizer Währung investieren, nicht zuletzt aufgrund des erheblich geringeren Geld-Volumens.

So machen sich bereits kleinere Franken-Investitionen schnell bemerkbar, und der Franken nimmt an Stärke zu.

Schwacher Euro gaukelt Stärke vor

Doch zurück zu BGA-Präsident A. F. Börner, auf die Frage, warum sich der Euro negativ auf die deutsche Konjunktur auswirke, antwortet er wie folgt: «Durch den schwachen Euro wird wirtschaftliche Stärke vorgegaukelt, die langfristig nicht da ist. Zudem droht, wenn andere Länder den Export ebenfalls durch Abwertung stimulieren, ein Abwertungswettlauf. Es kommt zu einem Währungskrieg, bei dem alle verlieren.»

Langfristig liegt der vorn, der …

Die aktuelle Schweizer Situation mit dem starken Schweizer Franken, über die viele MEM-Unternehmer derzeit klagen, sieht der BGA-Präsident erheblich positiver, er sagt in den VDI-Nachrichten: «Die Stärke einer Wirtschaft zeigt sich nicht in einer schwachen, sondern in einer harten Währung. Langfristig liegt der vorn, der wettbewerbsfähige und kreative Produkte und Dienstleistungen anbietet. Wer mit einer harten Währung auf den Weltmärkten um Kunden zu kämpfen hat, muss sich etwas einfallen lassen. Er muss besser, schneller und präziser werden, damit der Kunde seine etwas teureren, aber besseren Produkte abnimmt.»

Schwache Währung – Innova­tionskraft leidet

Würde man sich allerdings stets wohlgebettet fühlen, dann litten mittelfristig Inno­vationskraft und Wettbewerbsfähigkeit. «Wenn die Abwertungspolitik der EZB richtig wäre», so BGA-Präsident, «dann müssten Argentinien und Griechenland die reichsten Länder der Welt sein», schliesst er provokant.

Starker Franken – agile Unternehmen

Im Umkehrschluss hiesse das, dass die Schweiz eines der stärksten Länder der Welt sei, gemessen an der Franken-Stärke. Ganz falsch ist diese Aussage nicht, auch wenn es in der derzeit angespannten Lage etwas zynisch klingt. Fakt aber ist, die Schweizer MEM-Industrie muss angesichts der schwierigen Währungslage alle Hebel in Bewegung setzen, um in den kommenden Jahren weiter in der Gewinnzone zu bleiben.

Das heisst: Es wird in Innovationen und Modernisierungen der Maschinenparks und Produkte investiert und nicht zuletzt wird der Werkplatz Schweiz durch den Franken-Druck in Richtung Hocheffizienz getrieben.

Dann lieber ein starker Franken

Das wird sehr anstrengend werden, von Erholung kann vorerst keine Rede sein. Im Umkehrschluss würde es bedeuten, ein schwacher Schweizer Franken würde die Unternehmen zu Bequemlichkeit und Trägheit animieren. Das will sicher niemand in der Schweiz. Denn das sind alles andere als klassische Tugenden Schweizer Arbeitnehmer. Dann doch besser ein starker Franken, der uns zum «Schaffen» anhält. <<

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