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GRO: Erster genetisch neukodierter Organismus
Andere Forscher wenden ein, Venters Bakterium basiere letztlich auf natürlichen Molekülen. “Die Herstellung war zwar synthetisch”, sagt Prof. Torsten Waldminghaus vom Zentrum für Synthetische Mikrobiologie der Universität Marburg. “Doch letztlich ist das Bakterium die Kopie einer natürlichen Vorlage, abgesehen von den Wasserzeichen und anderen kleineren Veränderungen.”
Im Vergleich zu Venter ging der Molekularbiologe George Church von der Harvard Medical School in Boston noch einen grossen Schritt weiter: Vor zwei Jahren schuf er mit seinem damaligen Mitarbeiter Farren Isaacs den ersten genetisch neukodierten Organismus (GRO; Genetically Recoded Organism).
Was heisst das? Die DNA, die die Informationen zum Bau der 20 klassischen Aminosäuren – den Grundbausteinen der Proteine – trägt, ist bei allen Organismen gleich aufgebaut und wird gleich abgelesen. Egal ob bei Pflanzen, Bakterien oder Tieren.
Auch bei traditionellen genetisch veränderten Organismen (GMO; Genetically Modified Organisms) – etwa Maispflanzen, die ein Insektengift produzieren – schleusen Forscher lediglich eines oder mehrere Gene neu ein. Church und Isaacs veränderten dagegen bei Kolibakterien die Art, wie die DNA abgelesen wird. Damit sorgten sie dafür, dass die Organismen zum Bau lebenswichtiger Proteine auf eine künstliche Aminosäure angewiesen waren.
“Bisher war die Chemie des Lebens einheitlich”
“Bisher war die Chemie des Lebens einheitlich”, sagt der Chemiker Prof. Nediljko Budisa von der Technischen Universität Berlin. “Der traditionelle genetische Code ist eine universelle Sprache, die vor etwa vier Milliarden Jahren entstand und die sämtliche Organismen sprechen.”
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