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Synthetische Lebewesen: „Technologie mit ungeahnten Möglichkeiten“

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Enormes Aufsehen in der Fachwelt erregte vor einem Jahr ein Team um Floyd Romesberg vom Scripps Research Institute in La Jolla (US-Staat Kalifornien) mit dem Artikel “Ein halbsynthetischer Organismus mit einem erweiterten genetischen Alphabet” im Fachblatt “Nature”: Die Wissenschaftler verliessen die vier traditionellen DNA-Bausteine Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin, (A, T, G und C), die je nach Reihenfolge Zellen den Bauplan für Proteine liefern.

Ebenfalls bei Kolibakterien (Escherichia coli) fügten die Wissenschaftler dem genetischen Alphabet eine Klasse unnatürlicher Basenpaare (UBPs) hinzu, die nicht nur toleriert, sondern auch weitervererbt wurden. Eine konkrete Funktion erfüllte das Basenpaar allerdings nicht. Die Studie diente lediglich als “proof of principle”, als Nachweis der Machbarkeit. Dass man das genetische Alphabet verlassen kann, war noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar.

Für Waldminghaus stellt dies den bislang radikalsten Schritt in Richtung Xenobiologie dar, der Schaffung fremdartiger Lebensformen. Für die Zukunft erhoffen sich Forscher von der Herstellung solcher Organismen die Lösung vieler aktueller Probleme: Sie könnten demnach eines Tages etwa neuartige Biomaterialien produzieren, Medikamente herstellen, Giftstoffe in der Umwelt abbauen oder im Körper gezielt Tumore suchen und abtöten.

“Ein halbsynthetischer Organismus mit einem erweiterten genetischen Alphabet”

“Vor uns steht eine Technologie mit ungeahnten Möglichkeiten. Das ermöglicht in 20 bis 30 Jahren Dinge, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können”, sagt Budisa. “Wir wollen chemische Funktionen, die in der Natur nicht vorkommen.” Über Milliarden Jahre habe die natürliche Umgebung Organismen selektiert. Diese Selektion könne der Mensch nun selbst steuern – und so gewünschte Funktionen optimieren.

Doch einstweilen grübeln Forscher auch über grundlegende Probleme. “Natürlich wirft dieses scheinbar grenzenlose Potenzial viele beunruhigende Fragen auf, nicht zuletzt weil die synthetische Biologie die Gestaltung der Lebewesen von den Fesseln der Evolution befreit und ganz neue Panoramen eröffnet”, schreibt Venter.

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