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Synthetische Lebewesen: „Technologie mit ungeahnten Möglichkeiten“

| Autor / Redakteur: dpa Wissen / Martina Hafner

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(Quelle: Kurzweil)

Sie sollen Treibstoff produzieren, Krankheiten heilen oder Umweltgifte entschärfen. Synthetische Lebewesen sollen viele Probleme des 21. Jahrhunderts lösen. Bei ihrer Entwicklung entfernen sich Forscher von der universellen Sprache des Lebens. Ein Beitrag über Status, Chancen und Risiken.

Der Golem, Frankensteins Monster oder die Dinosaurier aus „Jurassic Park“: Die Schaffung von Leben fasziniert Menschen seit jeher – bis vor kurzem meist nur als Fiktion. Doch inzwischen streben Forscher gezielt die Herstellung neuartiger Organismen an und wetteifern darum, wer das erste synthetische Lebewesen erschafft.

Bei vielen Menschen weckt das Thema religiöse Assoziationen – und tief verwurzelte Ängste. Darf der Mensch Gott spielen und nach seinen eigenen Vorstellungen Leben erschaffen? Und wie kann man sicherstellen, dass solche Experimente nicht aus dem Ruder laufen – wie so oft in Mythen, Literatur und Filmen?

Noch beschränkt sich die synthetische Biologie weitgehend auf Mikroorganismen. Zu den führenden Forschern auf dem Gebiet zählt Craig Venter, der als Erster das menschliche Genom sequenzierte. Ein Team um den US-Biochemiker stellte 2008 rein synthetisch das Erbgut des Bakteriums Mycoplasma genitalium her, bestehend aus knapp 583.000 Basenpaaren.

“Was ich nicht erschaffen kann, verstehe ich nicht”

Zwei Jahre später gelang es Forschern am J. Craig Venter Institute (JCVI), das etwa 1,1 Millionen Basenpaare umfassende Genom des Bakteriums Mycoplasma mycoides zu produzieren und in die leere Zellhülle einer anderen Art, M. capricolum, zu schleusen. Das entstandene lebensfähige Bakterium tauften sie auf den Namen “Mycoplasma mycoides JCVI-syn1.0″. Zusätzlich zum Ursprungsgenom enthielt es vier Wasserzeichen-Sequenzen. Dechiffriert ergab eine davon ein Zitat des Physikers Richard Feynman: “Was ich nicht erschaffen kann, verstehe ich nicht” – das Motto der synthetischen Biologie.

Ob das Bakterium wirklich ein synthetisches Lebewesen ist, darüber sind die Meinungen geteilt. Auf der einen Seite steht der selbstbewusste Venter: “Mit unserer synthetischen Zelle bauten wir auf einer Evolution von 3,5 Milliarden Jahren auf, aber wir versuchten nicht, sie nachzuvollziehen”, schreibt er im Buch “Leben aus dem Labor”. “Da wir das Genom abgewandelt hatten, gab es in der Natur keinen unmittelbaren Vorfahren der von uns geschaffenen Zelle. Mit unserem synthetischen Code hatten wir dem Strom des Lebendigen einen neuen Nebenfluss hinzugefügt.”

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