Schneller messen Tipps für einen schnelleren Messprozess

Autor / Redakteur: Nadine Schwab / Anne Richter

Angesichts steigender Qualitätsanforderungen bedeutet schneller messen schneller produzieren. Nadine Schwab, Messtechnikspezialistin bei Zeiss 3D Automation, hat fünf Tipps zusammengetragen, mit denen Anwender ihren Messprozess deutlich beschleunigen können.

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Diamanttaster erhöhen Durchsatz.
Diamanttaster erhöhen Durchsatz.
(Bild: Zeiss)

Ein schnellerer Messprozess bedeutet für Fertigungsunternehmen häufig auch einen Gewinn an Produktivität. Nicht immer müssen Unternehmen dafür in teure Technik investieren. Auch unterstützende Komponenten wie Paletten oder die richtige Software bestimmen den Messprozess. Doch viele Unternehmen nutzen ihre Messausrüstung noch nicht optimal. Oft sind es die scheinbar unbedeutenden Kleinigkeiten, die den entscheidenden Sprung in Sachen Produktivität auslösen, ohne dass deshalb ein neues Messgerät angeschafft werden muss. Hier die fünf Tipps von Nadine Schwab, Messtechnikspezialistin bei Zeiss 3D Automation, um den Messprozess zu beschleunigen:

Tipp 1: Passende Softwareoptionen wählen

In der Regel fährt ein Messtaster beim Scan eines Werkstücks senkrecht nach oben, wenn es in der Oberfläche eine Aussparung gibt. Wurde die Lücke passiert, fährt der Taster wieder senkrecht nach unten. Dieses Vorgehen kostet Zeit. Schneller lässt sich ein Werkstück mit vielen Lücken scannen, wenn der Taster die Aussparung in der Werkstückoberfläche unmittelbar überquert und das Scannen auf der anderen Seite ohne Unterbrechung fortsetzt. Mit einer Software, die über diese Verfahroption verfügt, werden trotzdem die richtigen Messpunkte ausgewertet. Der Zeitgewinn kann drastisch sein. Bei einer Kopfkreismessung an einem Zahnrad lassen sich beispielsweise bis zu 70 Prozent der Messzeit einsparen.

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Tipp 2: Stabile Tastersysteme verwenden

Bezogen auf die Hardware ist einer der wichtigsten Hebel, um den Messprozess zu beschleunigen, der Einsatz geeigneter Messtastersysteme: Je leichter und steifer diese sind, desto schneller kann der Anwender damit messen, ohne dass Biege- oder Drehkräfte die Präzision des Systems beeinträchtigen. Bei Tasterverlängerungen aus Titan tritt bei einer Geschwindigkeit von 8 Millimetern pro Sekunde eine Formabweichung von 7,3 Mikrometern auf. Scannt das Koordinatenmessgerät mit 12 Millimetern pro Sekunde, liegt die Abweichung bereits bei 13,0 Mikrometern. Prädestiniert für die Messtechnik ist daher die Kohlefaser, die durch ihr geringes Gewicht, ihre Biegesteifigkeit und zudem durch ihre thermische Stabilität unter anderem Aluminium, Edelstahl, Stahl, Titan und Keramik in den Schatten stellt. Tasterverlängerungen aus der Kohlefaser-Titan-Kombination von Zeiss weichen unter den oben genannten Bedingungen deshalb auch nur um 1,7 bzw. 2,4 Mikrometer ab.

Tipp 3: Diamanttaster einsetzen

Besteht die Spitze des Messtasters aus Rubin oder Siliziumnitrid, verliert sie mit der Zeit an Rundheit. Deshalb müssen Anwender derartige Taster regelmässig reinigen bzw. wenn sie mit extremen Materialien wie Keramik und Aluminium arbeiten, alle paar Wochen ersetzen. Während des Auswechselns und erneuten Einmessens kann das Gerät nicht produktiv genutzt werden. Deshalb zögern viele Anwender diesen Zeitpunkt so lange wie möglich heraus und verzichten vielerorts sogar auf das durchgängige Scannen ihrer Bauteile. Doch im Vergleich zum Scanvorgang, der in kurzer Zeit eine grosse Zahl an Messdaten generiert, erhöht die wesentlich langsamere Einzelpunktmessung die Messunsicherheit. Denn um Zeit zu sparen, werden in der Regel nur wenige Punkte gemessen. Aus diesem Dilemma befreien Tastkugeln aus Diamant oder mit einer speziellen Diamantbeschichtung. An ihrer Oberfläche bleibt kein Material haften und es tritt keine Abnutzung auf. Das heisst, sie müssen weder gereinigt noch ausgewechselt werden. Und weil das Scannen von Werkstücken sich nicht mehr nachteilig auf die Genauigkeit auswirkt, ist es unnötig, die Messpunkte einzeln zu erfassen. Der Durchsatz steigt bei einer erhöhten Messsicherheit.

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