Interview: Peter Balimann, Geschäftsführer Fanuc Unsere Margen werden schrumpfen

Autor: Silvano Böni

Als ein führender Anbieter im CNC-Steuerungsbereich und Zulieferer für die Werkzeugmaschinen-Branche bekommt FANUC die Frankenstärke sehr zu spüren. Was Geschäftsführer Peter Balimann dazu meint und welche Stärken den Werkplatz Schweiz ausmachen, erzählt er im SMM-Interview. Ausserdem sprachen wir mit ihm über die Trends und Neuheiten, die uns im Steuerungs- und Robotikbereich erwarten werden.

Firmen zum Thema

Peter Balimann zum Zusammenschluss der Divisionen CNC, Robots und Robomachine: «Da wir eine führende Rolle sowohl im Bereich CNC-Steuerungen und Antriebstechnik als auch bei Robotern einnehmen, war ein Zusammenschluss nur konsequent.»
Peter Balimann zum Zusammenschluss der Divisionen CNC, Robots und Robomachine: «Da wir eine führende Rolle sowohl im Bereich CNC-Steuerungen und Antriebstechnik als auch bei Robotern einnehmen, war ein Zusammenschluss nur konsequent.»
(Bild: FANUC)

SMM: Letztes Jahr gab es den grossen Umbruch bei Fanuc. Die drei Divisionen CNC, Robots und Robomachine wurden vereint. Warum dieser grosse Schritt?

Peter Balimann: Es gab in den letzten 10, 15 Jahren immer mehr Überschneidungen bei den einzelnen Divisionen. Bestes Beispiel dafür ist der Werkzeugmaschinenbereich, denn hier hat die Automatisierung über Roboter deutlich zugenommen. Da wir eine führende Rolle sowohl im Bereich CNC-Steuerungen und Antriebstechnik als auch bei Robotern einnehmen, war ein Zusammenschluss nur konsequent. Natürlich spielt auch der zunehmende Kostendruck eine Rolle, dem man sich heute als Industrieunternehmen nicht mehr entziehen kann.

Welche Auswirkungen hat dieser Zusammenschluss für die Kunden?

P. Balimann: Die Kunden profitieren am meisten davon. Alle verschiedenen Produktbereiche werden zentral von FANUC Biel betreut, insbesondere im Service läuft nun alles auf einer Schiene.

Bildergalerie

Wir befassen uns in dieser Ausgabe speziell mit dem Werkplatz Schweiz. Wo sehen Sie die besonderen Stärken des heimischen Marktes?

P. Balimann: Der Werkplatz Schweiz verfügt sicherlich über gut ausgebildete Fachkräfte, das ist ein grosser Pluspunkt. Zudem haben viele der KMU gelernt, sich flexibel den Marktanforderungen anzupassen. Mit ihrem produktespezifischen Know-how und den High-Tech-Nischenprodukten sind diese Unternehmen weniger dem internationalen Wettbewerb mit Massenproduktion ausgesetzt und bleiben wettbewerbsfähig.

Welche Auswirkungen hat die Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank auf ihr Unternehmen?

P. Balimann: Wir sind von dieser Massnahme natürlich stark betroffen, da wir unseren Hauptumsatz in Euro generieren und unsere Margen daher schrumpfen. Ausserdem ist unsere Service-Abteilung sehr stark vom Geschäftsgang der exportorientierten Kunden abhängig, diese wird somit auch in Mitleidenschaft gezogen.

Ihre Steuerungen gehen stark in die Schweizer Werkzeugmaschinen-Branche, hier spielt die hohe Frankenstärke Ihnen wahrscheinlich auch nicht gerade in die Hände?

P. Balimann: Unser Hauptgeschäft ist der Verkauf von CNC-Steuerungen an Werkzeugmaschinen-Hersteller, deren Maschinen zu 85 bis 90 Prozent für den Export bestimmt sind. Ob diese ihre Marktanteile und Umsätze im Ausland werden halten können, ist mehr als fraglich.

An Innovation fehlt es FANUC aber wohl nicht. Auf der EMO wurde die Robonano vorgestellt. Sie fräst Oberflächen mit einer Genauigkeit im Nanobereich. Wo sehen Sie die Einsatzgebiete solcher Maschinen?

P. Balimann: Die meisten Robonanos finden ihren Einsatz bisher in Forschungs­labors und Instituten mit speziellen Anforderungen. Weitere interessante Anwendungsbereiche findet man im Formenbau für Kunststoffspritzgiessmaschinen für hochpräzise optische Teile und Linsen.

FANUC ist daneben seit über 40 Jahren im Robotikbereich tätig, die Konkurrenz mit namhaften Herstellern wie ABB,
KUKA, Stäubli oder Yaskawa Motoman ist gross. Wie differenziert man sich in diesem schwierigen Marktumfeld?

P. Balimann: Durch unsere hohe Fertigungstiefe erreichen wir eine exzellente Zuverlässigkeit und Konkurrenzfähigkeit. Wir haben eine breite Produktpalette und werden auch in Zukunft weiterhin grosse Investitionen in Forschung und Entwicklung tätigen. So bleiben wir sicherlich konkurrenzfähig.

(ID:43188514)

Über den Autor

 Silvano Böni

Silvano Böni

Stv. Chefredaktor, Vogel Communications Group AG