Valentin Vogt, Verwaltungsratspräsident Burckhardt Compression, im SMM-Interview Valentin Vogt: «Wir erwarten eine positive Entwicklung»

Redakteur: Matthias Böhm

Im April 2002 verkaufte der Sulzer-Konzern den Bereich Sulzer Burckhardt im Rahmen eines Management Buy-outs. Seitdem entwickelte sich das Unternehmen Burckhardt Compression enorm erfolgreich. Valentin Vogt führte das Unternehmen einige Jahre als CEO und mitverantwortet heute als VR-Präsident die Strategie des Winterthurer Unternehmens. Am SMM Kongress wird er als KeynoteSpeaker über die zukünftige Strategie des 2000 Mitarbeiter starken Unternehmens referieren.

Firma zum Thema

«Der Vorteil unseres Standorts in Winterthur sind die hervorragend ausgebildeten Mitarbeitenden und deren hohe Technologiekompetenz.» Valentin Vogt, Verwaltungsratspräsident Burckhardt Compression Holding AG
«Der Vorteil unseres Standorts in Winterthur sind die hervorragend ausgebildeten Mitarbeitenden und deren hohe Technologiekompetenz.» Valentin Vogt, Verwaltungsratspräsident Burckhardt Compression Holding AG
(Bild: Burckhardt Compression)

SMM: Herr Vogt, was antworten Sie auf die Frage, was Burckhardt Compression entwickelt und fertigt?

Valentin Vogt: Burckhardt Compression ist der weltweite Marktführer von Kolbenkompressorsystemen. Als einziges Unternehmen bieten wir die komplette Reihe von Kolbenkompressortechnologien, hochwertige Komponenten sowie ein vollumfängliches Serviceangebot aus einer Hand an.

Sie entwickeln, produzieren und montieren Kompressoren mit Leistungen eines Jumbo-Jets und dem Gewicht eines Jumbo-Jets. Vieles davon am Standort Winterthur. Geliefert werden die Kompressoren unter anderem in die Chemie-, Öl- und Gasindustrie. Was sind die Vorteile des Standorts Winterthur?

V. Vogt: Unsere Kompressorlösungen werden an unseren Standorten in Winterthur, China, Indien, Korea und in den USA entwickelt und montiert. Da unsere Kunden überall auf der Welt zu finden sind und die Lieferzeiten für Kompressoren immer kürzer werden, haben wir uns als Konsequenz ebenfalls global aufgestellt. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren verschiedene Kompetenzzentren aufgebaut. Unser Standort in Korea beispielsweise ist dies für unsere Schiffskompressoren, da dort auch der Grossteil der Werften angesiedelt ist. Der Vorteil unseres Standorts in Winterthur sind die hervorragend ausgebildeten Mitarbeitenden und deren hohe Technologiekompetenz. Dies bietet für uns ein Wettbewerbsvorteil. Daher ist der Standort Winterthur für unser Unternehmen sehr zentral.

Bildergalerie

Burckhardt Compression verfügt über 2000 Mitarbeiter. Setzt auf eine sehr hohe Fertigungstiefe mit einem hervorragenden Maschinenpark. Weshalb ist dies notwendig?

V. Vogt: Unsere Kompressoren sind individualisierte Lösungen und für jeden Kunden speziell zugeschnitten. Gerade am Standort Winterthur ist diese Individualisierung der Lösungen sehr gross. Unser top ausgestatteter Maschinenpark erlaubt uns, jede gewünschte Anpassung vorzunehmen. Der wichtigste Erfolgsfaktor sind jedoch unsere Mitarbeitenden. Mit diesem langjährig aufgebauten Know-how können wir unseren Kunden eine auf ihre Bedürfnisse optimierte Lösung anbieten.

In Ihrer Produktion haben Ihre Fräsmaschinen bereits Jahreslaufzeiten von 8000 Stunden. 8760 h ist das Maximum. Können Sie die Produktion überhaupt noch wirtschaftlicher gestalten? Wenn ja, welche Möglichkeiten sehen Sie?

V. Vogt: Ja, das ist richtig, dass wir bei unseren Fräsmaschinen sehr gute Jahreslaufzeiten erreicht haben. Weitere Optimierungen können wir durch eine Reduktion von Rüstzeiten und Programmier­aufwand erzielen, indem wir die Designs, dort wo möglich, standardisieren. Ausserdem verbessern wir laufend die Formen und Materialien unserer Werkzeuge, um deren Standzeiten, also die maximale Einsatzdauer, weiter zu optimieren.

Ihre Kompressoren sind nicht nur bezüglich der Dimension ein Extrem, Ihre Hyper-Kompressoren erzeugen auch Drücke bis zu 3500 bar. Welches Unternehmen ist weltweit noch in der Lage, solche Technologien zu entwickeln und umzusetzen?

V. Vogt: Die von Ihnen angesprochenen Hyper-Kompressoren kommen vor allem im Bereich der LDPE (Low Density Polyethylen)-Produktion vor. Aus dieser Kunststoffart werden Folien, wie Frischhalte- oder Schrumpffolien, hergestellt und sie finden auch Anwendung bei Solarpanels. Weltweit werden diese speziellen Kompressoren nur von zwei Unternehmen gefertigt, eines davon ist Burckhardt Compression.

Das wirtschaftliche Umfeld für Burckhardt Compression ist seit einigen Jahren nicht optimal, da die Öl- und Gaspreise einen Niedrigstand erreicht haben und die Konzerne entsprechend wenig Investitionskapital zur Verfügung haben. Wie wirkt sich das auf Ihr Geschäftsumfeld aus?

V. Vogt: Wir sehen uns in den verschiedenen Bereichen unterschiedlichen Entwicklungen gegenüber. Der niedrige Ölpreis wirkt sich auf die Investitionsbereitschaft unserer Kunden aus und diese ist in der letzten Zeit gesunken. In anderen Bereichen wie den Industriegasen oder der petrochemischen/chemischen Industrie hingegen erwarten wir wegen der steigenden Bevölkerungszahl und der fortschreitenden Industrialisierung eine positivere Entwicklung. Ein wichtiger Erfolgsfaktor hierbei ist, dass Burckhardt Compression weltweit aufgestellt ist und somit nahe beim Kunden ist. Unser zweites Standbein, das Service-Geschäft, hat sich in der letzten Zeit hingegen gut entwickelt und wir gehen von einer weiteren Zunahme aus.

Was sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für Ihr Unternehmen in den kommenden 10 Jahren. Stichwort: Industrie 2025 und Industrie 4.0?

V. Vogt: Das Monitoring und die Diagnose von Kompressorsystemen wird weiter an Bedeutung gewinnen. Unsere Tochtergesellschaft Prognost in Deutschland ist auf diese Thematiken spezialisiert. Weiter wird es darum gehen, die Kosten zu senken; das ist in unserer Industrie ein Dauerthema. Wir werden deshalb weiter in die Automatisierung investieren und die globale Beschaffung verstärken. Um die Nähe zu unseren Kunden im Service zu verstärken, werden wir unsere Serviceaktivitäten weiter lokal ausbauen. Kompressoren von Burckhardt Compression haben weltweit die tiefsten Lebenszykluskosten; wir werden deshalb auch weiterhin substanzielle Mittel in die Forschung und Entwicklung investieren. Wir sehen mehr Chancen als Risiken für uns in der Industrie 4.0. SMM

(ID:44962992)