Forschungsbericht präsentiert Ergebnisse des H2IntraDrive-Projektes Wasserstoff als Antriebsalternative

Redakteur: Silvano Böni

Wasserstoffantriebe in Flurförderzeugen sind mehr als Zukunftsmusik. Zu diesem Fazit kommen BMW, Linde Material Handling sowie die TU München nach einem zweijährigen Testlauf mit Wasserstoffstaplern in Leipzig. Die wichtigste Erkenntnis: Der gemeinsam entwickelte und in der Praxis über rund zwei Jahre erprobte Antrieb für Flurförderzeuge ist heute schon marktfähig und unter bestimmten Bedingungen auch wirtschaftlich.

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Der Einsatzort der Flurförderzeuge im Projektzeitraum war die Teileversorgung für den Karosseriebau der BMW-i-Fahrzeuge in Leipzig.
Der Einsatzort der Flurförderzeuge im Projektzeitraum war die Teileversorgung für den Karosseriebau der BMW-i-Fahrzeuge in Leipzig.
(Bild: Linde)

«Für unsere Kunden ist es ein wichtiges Signal, dass sich die Wasserstofftechnologie beim Dauertest im BMW-i-Karosseriebau bewährt und den Status der Marktreife erreicht hat», sagte Christophe Lautray, CSO Linde MH nach der Beendigung des zweijährigen Projekts. «Damit hat sich die innovative Antriebstechnik für die Zukunft empfohlen. Gleichzeitig konnten wir wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Geräte gewinnen. Wir sehen uns als Pionier der Branche, der mit dem Projekt seinen Anspruch als Technologieführer einmal mehr unter Beweis gestellt hat.»

Verfügbarkeit steigt

Die Dokumentation der Forschungsergebnisse belegt, dass der Brennstoffzellen­antrieb in der Praxis über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren überzeugt hat. Von Dezember 2013 bis Ende Oktober 2015 haben die Schlepper 10 000 Betriebsstunden erreicht, bei den Staplern sind es sogar rund 11 000 Betriebsstunden. Darüber hinaus können Anwender unter bestimmten Gesamtbedingungen wie einer hohen Arbeitsintensität im 2- und 3-Schicht-Betrieb vom ersten Tag an klare wirtschaftliche Vorteile erzielen. So lässt sich beispielsweise die betriebliche Verfügbarkeit von Flurförderzeugen mit der Wasserstofftechnologie steigern. Der Grund: Die Fahrzeuge werden innerhalb kurzer Zeit neu betankt, während Ladung, Wechsel und Wartung von Blei­säure­batterien die Produktivität konventioneller Flurförderzeuge mindern. Die Analysen haben ergeben, dass die Betankung eines Schleppers 1,5 Minuten gedauert hat. Ein Batteriewechsel erfolgt in rund 5 Minuten, kann aber auch wesentlich länger dauern. Bei den Staplern war der Tankvorgang nach 2,2 Minuten abgeschlossen, die Zeit für einen vergleichbaren Batteriewechsel wird im Schnitt mit rund 10 Minuten angegeben.

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Platzbedarf sinkt

Ausserdem lässt sich durch den Einsatz der Wasserstofftechnologie in Summe Platz einsparen. Hubeinrichtungen, Lüftungssysteme, Schutzwannen, Notfallduschen und weitere Einrichtungen für den Umgang mit Bleisäurebatterien werden im Logistikzentrum nicht mehr benötigt. Für das Projekt in Leipzig hatte Linde MH sechs Routenzugschlepper und fünf Gabelstapler vom Typ Linde E25 HL und Linde E35 HL auf Wasserstoffantrieb umgerüstet und die Brennstoffzellen-Hybrid-Technologie im Laufe des Projektes kontinuierlich weiterentwickelt und angepasst. So konnte die mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen der wasserstoffbetriebenen Fahrzeuge beispielsweise innerhalb eines Jahres verdoppelt werden.

«Für die innovativen Elektrofahrzeuge i3 und i8 hat die BMW Group einen hohen Massstab für die Nachhaltigkeit der Produktion am Standort Leipzig gesetzt. Der Wasserstoffantrieb in der Intralogistik leistet hier unter anderem durch den Einsatz von regional bezogenem grünem Wasserstoff einen wesentlichen Beitrag», so Dr. Michael Ströbel, Hauptabteilungsleiter Steuerung, Logistik CFK-Produktion und Einkauf bei BMW.

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