Grosses Bauteilespektrum Wenn Flexibilität eine grosse Rolle spielt

Redakteur: Anne Richter

>> Wer als Lohnfertiger erfolgreich starten will, braucht das passende Equipment. Die Schweizer Sustec Präzisionsmechanik AG entschied sich für eine Quaser MV 184 mit Heidenhain-Steuerung iTNC 530 und einem Zweiachsen-Drehtisch T1-507510.RR varioX von pL Lehmann. Diese Kombination ermöglicht die Flexibilität für ein grosses Bauteilespektrum und effiziente Präzisionsbearbeitung.

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Andri Rieder ist von seiner Quaser/Lehmann-Kombination überzeugt: «Wir können damit eine Vielzahl verschiedener Zerspanaufgaben lösen – effizient und in höchster Präzision.»
Andri Rieder ist von seiner Quaser/Lehmann-Kombination überzeugt: «Wir können damit eine Vielzahl verschiedener Zerspanaufgaben lösen – effizient und in höchster Präzision.»
(Bild: Lehmann)

Andri Rieder, 21-jähriger Präzisionsmechaniker, weiss, was er will und was er kann. Vor zwei Jahren hat er seine Ausbildung beim Unternehmen Grischa Mechanik in Landquart abgeschlossen – mit Bravour als bester Lehrling im Kanton Graubünden. Bestärkt durch seinen damaligen Chef schlug er Ende 2012 einen Weg ein, den nur wenige in seinem Alter wagen: Er gründete sein eigenes Unternehmen, die Sustec Präzisionsmechanik AG in Walenstadt, die mit modernen Maschinen und Konzepten mechanische Präzisionsteile für unterschiedliche Branchen fertigt.

Eine solche Entscheidung trifft man nicht unüberlegt. Andri Rieder begründet: «Mir liegt die Praxis näher als ein mögliches Studium. Und ich wollte den ganzen Prozess eines Lohnfertigers erlernen und erleben – von der Akquise über die Verwaltung bis zur eigentlichen Produktion.»

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Doch ein Start von null an ist ein Wagnis, das gewissen finanziellen Background erfordert. «Ich bin froh, dass mein Vater voll hinter meinen Plänen steht und mich sehr unterstützt. Denn die Leasingraten und alles andere sind gerade am Anfang schwer zu verdienen», weiss Andri Rieder und ging seine Pläne sehr strukturiert an. Erst wurden nach der Lehre einige Monate bei seinem Arbeitgeber drangehängt, um ein gewisses Basiskapital zu verdienen. Nebenbei kümmerte er sich um die Unternehmensgründung. Er erstellte einen Businessplan und formulierte in diesem Zug seine Ziele. Seit Ende des Jahres 2012 konzentriert er sich voll auf sein Unternehmertum.

Fokus auf komplexe Teile

Als Lohnfertiger fokussiert sich Sustec voll auf komplexe Bauteile vielfältiger Art, denn für einfache Teile ist die Konkurrenz zu gross. Dementsprechend wurde das technische Equipment gewählt. Wichtigstes Element: das Bearbeitungszentrum. Andri Rieder hatte während seiner Lehre auf einer Quaser MV154 gearbeitet und äusserst positive Erfahrungen gemacht. Er berichtet: «Die Maschine war einfach zu bedienen, störungsfrei und brachte qualitativ hochwertige Ergebnisse. Von daher kam dieser Hersteller in die engere Auswahl, jedoch mit der Variante Quaser MV184, die mehr Flexibilität in der Bauteilgrösse bietet.»

Beim Vergleich mit anderen Angeboten konnte kein Wettbewerber das Preis-Leistungs-Verhältnis der dreiachsigen Quaser MV184 P toppen. Für diese Wahl sprach auch der Händler Rima AG in Widnau, den Rieder bereits aus seiner Lehrzeit kannte. «Daher wusste ich vom guten und schnellen Service, den Rima bietet. Der spielt bei mir als Neueinsteiger eine wesentliche Rolle. Schliesslich bin ich zunächst auf diese eine Maschine angewiesen.»

Drehtisch-Lösung verleiht Fünf-Achs-Fähigkeiten

Wie ernst es dem Firmengründer mit der Vielfältigkeit seiner Zerspanungsmöglichkeiten ist, zeigt die weitere Ausstattung. Denn eine dreiachsige Maschine ist in vielen Fällen nur die zweitbeste Lösung. Flexibilität setzt heute fünfachsige Bearbeitung voraus. So entschied sich Andri Rieder, die Quaser-Maschine um den zweiachsigen Drehtisch T1-507510.RR varioX von pL Lehmann zu ergänzen. «Gerade bei kleinen und mittelgrossen, komplexen Bauteilen ist die Fünfseitenbearbeitung äusserst wirtschaftlich», beschreibt er seine Erfahrungen. «Ich kann meist auf eine zweite oder gar dritte Spannung verzichten, woraus höhere Genauigkeit und geringeres Fehlerrisiko resultieren. Ausserdem vergeude ich keine Zeit fürs mehrmalige Aus- und Einspannen.» Rieder weiss inzwischen auch die Empfehlung seines Maschinenhändlers sehr zu schätzen, ein Lehmann-Produkt zu wählen: «Die Getriebe-Drehtische der Baureihe 500 sind kompakt aufgebaut, dabei äusserst stabil und leistungsstark.»

Zwei Aufspannungen auf einem Tisch

Für die Sustec Präzisionsmechanik AG wurde der Lehmann-Drehtisch quer auf den grossen Maschinentisch montiert. Das hat gleich mehrere Vorteile: Durch die jetzt seitliche Schwenkbewegung hat der Bediener immer freie Sicht auf die Bearbeitungssituation. Ausserdem bleibt noch Platz auf dem Tisch frei, der sich zum Aufspannen eines zusätzlichen Schraubstocks nutzen lässt. So kann Andri Rieder seine Maschine je nach Bedarf fünfachsig oder über den Schraubstock dreiachsig einsetzen. Sind grössere Teile zu fräsen, nimmt er den Lehmann-Tisch einfach ab. «Das dauert eine halbe Stunde», bestätigt Rieder. «Und fast ebenso schnell ist er wieder montiert.» Über die Heidenhain-Steuerung iTNC 530 und eine mitgelieferte Kalibrierkugel wird die Kinematik kalibriert, so dass auch die Genauigkeit wieder passt.

Einen zusätzlichen Vorteil verschaffte sich Rieder dadurch, dass er den Lehmann-Tisch mit einem Erowa-Spannsystem ergänzt hat. «Gerade weil ich ein breites Spektrum anbiete und viele verschiedene Arbeiten erledigen muss, kommt mir das Palettenspannsystem sehr entgegen», argumentiert Andri Rieder. «Die Rüstzeiten fallen um einiges geringer aus, wenn ich die Paletten hauptzeitparallel rüsten kann. Ausserdem bin ich für eine spätere Automation bereits vorbereitet. So ein zusätzlicher Erowa-Roboter könnte später den mannlosen Betrieb über Nacht ermöglichen.»

Vielversprechender Start – Aufträge willkommen

Die Auftragsakquise ist für den Anfang erfolgreich ausgefallen. Entschlossen ging Andri Rieder auf potentielle Kunden zu und bot seine Kapazitäten an. Das breite Spektrum seiner Möglichkeiten hat sich bereits ausgezahlt. «Ich habe diverse Kleinteile aus Aluminium ebenso hergestellt wie zum Beispiel Achsen für ein Longboard.» Darunter versteht man eine Art Skateboard, das jedoch länger ist, in der Regel zwischen 90 und 150 cm, und einen grösseren Achsabstand hat. Die Achsen werden aus dem Vollen gefräst und enthalten verschiedene Bohrungen, so dass die Fünfseitenbearbeitung benötigt wird.

Zylinderkopf Nachbearbeitung dank Drehtisch

Der Lehmann-Drehtisch ermöglicht es auch, einen gegossenen VW-Zylinderkopf nachzubearbeiten. Der Kunde, ein in der Tuning-Szene aktiver Privatmann, hat Berechnungen angestellt, wie sich durch ein nachträgliches Fräsbearbeiten der Lufteinlass- und -auslasskanäle die Motorleistung weiter steigern lässt. Die diffizile Bearbeitung überlässt er der Firma Sustec. Andri Rieder erklärt: «Ich nehme mir Zeit für meine Kunden. Auch in diesem Fall habe ich die Aufgabenstellung und die heiklen Punkte genau besprochen. Vermutlich habe ich auch deshalb den Zuschlag bekommen.»

Apropos überzeugen: Der Zylinderkopf wiegt etwa sieben Kilogramm. Doch für den Zwei-Achsen-Tisch von Lehmann ist das kein Problem. Selbst wenn Teile ausserhalb der Mitte gebohrt werden müssen, halten die Achsen dank der Klemmmomente von 300 Nm (Teilachse) bzw. 1100 Nm (Schwenkachse) problemlos stand. Auch die hohen Drehgeschwindigkeiten der Achsen (je nach Motor bis 110 bzw. 60 min-1) machen sich bei der Bearbeitung positiv bemerkbar. Andri Rieder hat neben seinen Fräsmöglichkeiten noch andere Argumente zu bieten. So gehören auch ein renommiertes CAM-System und eine CAD-Software zu seinem Equipment. Dadurch kann er den Kunden in der Planungsphase unterstützen und gegebenenfalls bei der Konstruktion seine fertigungstechnische Erfahrung einfliessen lassen. <<

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