Werte und Visionen: Voraussetzungen für den Aufschwung
Johann N. Schneider-Ammann, Präsident des Swissmem und erfolgreicher Unternehmer zeigt in seinem Aufsatz auf, wie die Schweizer MEM-Industrie erfolgreich in die Zukunft gehen kann.
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Vor wenigen Tagen publizierte die OECD ihren Bericht über die Perspektiven der Weltwirtschaft. Darin kommen die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zum Schluss, dass die Bruttoinlandprodukte der Industriestaaten früher wieder zu wachsen beginnen als noch vor wenigen Monaten erwartet wurde. Was die Schweiz angehe, so, die Experten der OECD, beginne der Aufschwung aufgrund steigender Exportnachfrage und verstärkter Aktivitäten auf den Finanzmärkten bereits Ende dieses Jahres. Im nächsten Jahr liege das Wachstum mit 0,9% im europäischen Schnitt, 2011 könne mit einem Wachstum von 1,9% gerechnet werden.
So gerne man geneigt wäre, die OECD-Prognose zum Nennwert und damit zum Hoffnungsanker für eine bessere Zukunft zu nehmen, es gibt leider einiges, das aus schweizerischer Industriesicht zur Vorsicht mahnt. Denn nur wenige Tage vorher hat auch der Präsident der Schweizerischen Nationalbank seine Zukunftsaussichten dargelegt: Und diese waren geprägt von vorsichtiger Zurückhaltung. 2010 dürfte für die Schweizer Wirtschaft schwierig bleiben, sagte Jean-Pierre Roth, und er warnte vor zu grossen Erwartungen: Vor allem die Exportindustrie werde sich nicht schnell von der Rezession erholen, es werde noch länger dauern, bis von einem eigentlichen Aufschwung gesprochen werden könne.
Diese wenig erfreuliche Aussage deckt sich leider mit den Ergebnissen, die Swissmem aufgrund der regelmässigen Befragung von 290 Mitgliedfirmen kürzlich veröffentlicht hat. Diese Befragung zeigt, dass sich zwar allmählich eine Stabilisierung der Auftragslage auf tiefem Niveau abzuzeichnen scheint, dass die aktuellen Zukunftsaussichten jedoch ungewiss bleiben. Die Märkte werden von den Unternehmen leicht weniger negativ beurteilt, von einer raschen Erholung kann aufgrund der weltweit nach wie vor geringen Nachfrage jedoch nicht ausgegangen werden.
In den letzten Wochen und Monaten hat rund ein Fünftel unserer Mitgliedfirmen Strukturanpassungen vornehmen müssen, in der gesamten Branche mussten rund 20000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Das ist etwas über ein Drittel jener Arbeitsplätze, welche unsere Industrie seit 2004 aufgebaut hatte. Und es ist leider zu befürchten, dass es mit dem Abbau noch nicht zu Ende ist. Auch wenn sich die Wirtschaftslage nun stabilisiert, die Arbeitslosigkeit dürfte auf die vom SECO und der OECD prognostizierten 5% ansteigen. Und die Industrie kann zufrieden sein, wenn schlussendlich nur die Hälfte der geschaffenen Stellen abgebaut werden muss.
Mehr als überleben
Dabei geht es unserem Land verglichen mit andern Ländern noch ganz gut. Grund dafür neben einer recht stabilen Inlandwirtschaft und einer Währungspolitik, die verhindert, dass Schweizerische Produkte im Export zu teuer werden, vor allem die solide Finanzierungslage der Unternehmen. Es zeigt sich, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer aus der letzten Krise 2003 die richtigen Schlüsse gezogen und genügend finanzielle Reserven angelegt haben, um krisenresistent zu werden.
Doch wie es der Bankier Konrad Hummler kürzlich schrieb, «Überleben ist das eine, irgendwann muss man wieder Geld verdienen. Jetzt kommt der zweite Teil der Krisenbewältigung». Und da ist klar: Nach der Krise ist nicht vor der Krise. Will heis-sen, man kann nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen, wie wenn nichts geschehen wäre. Auch wenn die Krise für viele nicht offensichtlich ist. Nach der Krise fängt die Arbeit erst richtig an.
