Instandhaltung

Wieso sicheres Arbeiten keine Zeit kostet

| Redakteur: Luca Meister

Mögliche Störungsfälle sollen gemäss Suva stets ermittelt und beurteilt werden.
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Mögliche Störungsfälle sollen gemäss Suva stets ermittelt und beurteilt werden. (Bild: Suva)

Auch bei Instandhaltungsarbeiten werden Sicherheitsmassnahmen oft als Kostentreiber und Effizienzbremser wahrgenommen, die viel Zeit beanspruchen. Die Suva behauptet im Rahmen ihrer Kampagne «Der lange Weg» das Gegenteil und sagt: Sicheres Arbeiten kostet keine Zeit.

Bei Instandhaltungs-Arbeiten kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Die Betroffenen werden zwischen Maschinenteilen eingeklemmt, erdrückt oder von einer Last erschlagen. Zeitdruck ist oftmals die Ursache der Instandhaltungs-Unfälle. Die Suva will den Arbeitgebern mit der Aussage «Sicheres Arbeiten kostet keine Zeit» aufzeigen, dass ein Zeitverlust vor allem dann entsteht, wenn Arbeitssicherheit nicht den gleichen Stellenwert wie Qualität und Produktivität hat und es darum zu Unfällen kommen kann. Die Diskrepanz zwischen dem Zeitaufwand, den es für die Unfallverhütung braucht, und der Zeit, die für eine Genesung nach einem Unfall nötig ist, sei enorm. Sicheres Arbeiten soll Unfälle verhindern und somit den Zeitaufwand für die Arbeit und folglich die Produktionskosten tief halten.

Beispiele aus der Praxis

Unfallschwerpunkt bei Instandhaltungsarbeiten ist die Störungsbehebung. Es fällt zum Beispiel ein Maschinenteil aus, was die ganze Produktionskette zum Stillstand bringt. Der Maschinenführer will weiter produzieren und greift unüberlegt in gefährliche Bereiche der Maschine ein. Dabei läuft die Maschine unerwartet an und der Arbeitnehmer erleidet schwere Quetschverletzungen an der Hand. Wäre die lebenswichtige Regel «Vor dem Eingriff Maschine ausschalten und sichern» umgesetzt worden, wäre der Maschinenführer weder verunfallt noch verletzungsbedingt der Arbeit ferngeblieben. Dieses Beispiel zeigt auf, dass Unfälle die grossen Zeiträuber sind. «Es kann aber auch Zeit verloren gehen, ohne dass ein Arbeitnehmer verletzt wird», sagt Xaver Bühlmann, Sicherheitsingenieur und Kampagnenleiter «Sichere Instandhaltung» bei der Suva. Werden mögliche Störungen nicht im Voraus analysiert, könne es im Störungsfall kritisch werden. Fehlende Ersatzteile und Hilfsmittel führten zu Stress und zu gefährlichen Improvisationen mit unnötigen Zeitverlusten. «Mögliche Störungsfälle sollen stets ermittelt und beurteilt werden, damit keine unnötigen Zeitverluste entstehen, weil man unvorbereitet war», so Bühlmann.

Schulung der Mitarbeitenden ist das A & O

Xaver Bühlmann hat zusammen mit seinem Team unzählige Unfälle analysiert. Dabei hat sich gezeigt, dass die Gefahren bei der Instandhaltung äusserst vielfältig sind und deshalb Instandhaltungs- und Produktionspersonal entsprechend ausgebildet werden muss. Aber auch die Schulung von Mit­arbeitenden wird oft als Zeiträuber angesehen. Xaver Bühlmann ist da anderer Meinung: «Wir sind davon überzeugt, dass der Arbeitgeber seine Mitarbeitenden mit wenig Zeitaufwand für Gefahren so sensibilisieren kann, dass sie Unfälle vermeiden können. Zum Beispiel mit einer regelmässigen Instruktion der ‹lebenswichtigen Regeln Instandhaltung›.» Bühlmann empfiehlt den Arbeitgebern, jede Woche zehn Minuten für die Arbeitssicherheit zu investieren. Im Vergleich zu einem Zeitverlust bei einem Unfall macht sich das immer bezahlt. So können die Arbeitgeber Zeitverlust und vor allem auch menschliches Leid verhindern.

Gut organisiert Zeit sparen

Mit einer zehnminütigen Instruktion ist die Arbeit in Sachen Arbeitssicherheit natürlich nicht getan. Entscheidend für die Arbeitgeber ist es, sicheres Arbeiten stets in die Planung der bevorstehenden Arbeiten miteinzubeziehen. So sollen mögliche Störungsbehebungen vorgängig durchdacht sein, damit erforderliche Ersatzteile und Hilfsmittel zur sicheren Arbeitsausführung bereitgestellt werden können. Das Ermitteln von Gefahren, die Arbeitsvorbereitung und das Ausbilden der Arbeitnehmer sind Aufgaben des Chefs. Werden diese wahrgenommen, steigt auch die Qualität der Arbeit, und es sind keine Improvisationen notwendig, die ebenfalls immer Zeit in Anspruch nehmen. «Ist sicheres Arbeiten gut geplant, können Unfälle und unnötiger Zeitverlust verhindert werden. Unter anderem ist es dieser Aspekt, der die Aussage ‹Sicheres Arbeiten kostet keine Zeit› rechtfertigt», so Bühlmann. SMM

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