Interview, Reiden Technik AG Wir bekommen genau die Fachleute die wir brauchen

Redakteur: Anne Richter

>> Vorsprung durch Mitarbeiter, Technik und Service – so kann das Erfolgsrezept der Reiden Technik AG zusammengefasst werden. Der Reidener Werkzeugmaschinenhersteller setzt auf gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter, einen exzellenten Service und auf innovative technische Lösungen. Lesen Sie hierzu das Interview mit Alex Sutter und Ruedi Willimann, beide Teilhaber und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Reiden Technik AG.

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Reiden setzt auf gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter, einen exzellenten Service und auf innovative technische Lösungen.
Reiden setzt auf gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter, einen exzellenten Service und auf innovative technische Lösungen.
(Bild: Reiden)

SMM: Was macht aus der Sicht von Reiden den Produktionsstandort Schweiz attraktiv?

Ruedi Willimann: Da ist vor allem die hohe Qualität der Mitarbeiter zu erwähnen und generell der hohe Ausbildungsstandard hier in der Schweiz. Auch haben wir hier ein dichtes und gutes Netz an Zulieferanten, die Strecken und Wege sind kurz. Dies ermöglicht kurze Reaktionszeiten. Maschinenkomponenten sind so in einem engen Netz verfügbar und die Beschaffungszeiten sind kurz. So ist beispielsweise eine bestimmte Dichtung innerhalb eines Tages verfügbar. In anderen Ländern kann es Wochen dauern, bis so eine Dichtung verfügbar ist.

Alex Sutter: Ausserdem ist für uns die geografische Nähe zu Deutschland von Vorteil. Als Partner- und Hauptexportland ist Deutschland für uns von enormer Bedeutung. Es gelten gleiche Qualitätsansprüche, das Ausbildungsniveau ist ähnlich und es wird die gleiche Sprache gesprochen.

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Eine der Herausforderungen am Werkplatz Schweiz sind allgemein die hohen Preise und speziell auch die hohen Löhne. Wie wird das bei Reiden gesehen?

A. Sutter: Wir kämpfen dagegen an, indem wir schneller und effizienter arbeiten, mit Produktentwicklungen, welche einen höheren Technologiestandard haben und die einen höheren Preis rechtfertigen. Das ist natürlich sehr anspruchsvoll. Man muss aber auch sagen, dass in der Schweiz generell länger gearbeitet wird. Es gibt weniger Ferien und die Wochenarbeitszeiten sind länger – das fängt den Nachteil der höheren Löhne etwas ab.

Was bedeutet bei Reiden effizienter zu arbeiten?

R. Willimann: Wir streben eine kontinuierliche Verbesserung der Prozesse an, optimieren Abläufe und hinterfragen immer wieder die Fertigung einzelner Komponenten. Das ist ein laufender Prozess, der nie wirklich abgeschlossen ist. Allerdings hat die Effizienzsteigerung immer bestimmte Grenzen, sonst leidet die Qualität. Es stellt sich auch immer wieder die Frage, inwieweit wir alles selber machen wollen, Komponenten selber fertigen wollen. Eventuell ist es sinnvoller, bestimmte Komponenten ausser Haus fertigen zu lassen.

Welche Bedeutung sehen Sie im dualen Bildungssystem der Schweiz?

A. Sutter: Durch das duale Bildungssystem bekommen wir genau die Fachleute, die wir brauchen. Unsere Devise ist es, so viele Lehrlinge wie möglich auszubilden, die wir dann nach Bedarf übernehmen können. In unserem Firmenleitbild streben wir 20 Prozent Ausbildungsplätze an. Im Moment sind es 21 Lehrlinge. Da wir genügend Mitarbeiter ausbilden, spüren wir auch den Fachkräftemangel nicht so sehr.

R. Willimann: Wir bieten den Lehrlingen natürlich auch eine sehr interessante Lehrstelle an. Wir haben Konstruktion, Fertigung, Montage und Elektronik bis hin zur Inbetriebnahme einer fertigen Maschine im Haus. Das lernen die Lehrlinge alles kennen. Und wir tun auch viel für die Lehrlingsausbildung. Allein schon unser Maschinenpark für die Ausbildung ist beachtlich. Und das wird belohnt. So haben wir auch immer genügend Bewerbungen.

Sie haben bei Reiden eine hohe Wertschöpfung im Unternehmen mit einer hohen Fertigungstiefe. Ist das Ihr Erfolgsgeheimnis?

R. Willimann: Das kann man nicht pauschalisieren. Aber für unser Produkt ist eine hohe Produktionstiefe einfach vorteilhaft. Unsere Maschinen sind sehr individuell und wir bauen kaum zwei gleiche Maschinen mit der gleichen Ausstattung. Unsere Fertigungstiefe bietet uns entsprechende Kontrolle über Komponenten und Flexibilität. Wir haben immer den genauen Überblick und die gesamte Abwicklung funktioniert aufgrund der fehlenden Schnittstellen und der kurzen Wege unkompliziert und reibungslos.

A. Sutter: Auch im Service und in der Beratung bietet es viele Vorteile. Wir können so ein Komplettpaket an Dienstleistungen anbieten und bei Problemen kompetent und mit entsprechend Know-how Bearbeitungslösungen anbieten. Das ist nur möglich, weil wir komplexe Bauteile und Komponenten in der eigenen Fertigung herstellen und dadurch auch die anspruchsvollen Bearbeitungen unserer Kunden kennen, worauf wir Einfluss nehmen können.

Was macht den Erfolg von Reiden aus?

A. Sutter: Unsere Spezialität sind spezielle Kundenlösungen und die Entwicklung massgeschneiderter Anlagen. Bei uns bekommt der Kunde nicht nur eine Maschine, sondern eine Komplettlösung. Hinzu kommt eine tolle, motivierte und gut qualifizierte Mannschaft, die immer voll mitzieht und eine grosse Bereitschaft mitbringt, Herausforderungen anzugehen.

R. Willimann: Weitere Erfolgsfaktoren sind bestimmte technische Alleinstellungsmerkmale unserer Konstruktionen. Dazu gehören das patentierte Doppelantriebskonzept DDT und unser Trigonalfräskopf.

A. Sutter: Nicht zuletzt ist unser guter Service ein sehr wichtiger Punkt, der von unseren Kunden sehr geschätzt wird. Denn mit dem Verkauf der Maschine ist bei uns die Sache nicht erledigt. Unser Kundendienst kennt unsere Produkte und der gebotene gute Service führt zu einer höheren Verfügbarkeit der Maschine. Solch einen Service aufrechtzuerhalten ist sehr anspruchsvoll. Bei uns macht der gesamte Kundendienst etwa 20 Prozent aus.

Aber Reiden setzt nicht nur auf moderne Vertriebskonzepte und neueste Technologien, sondern auch auf altbewährtes Qualitätshandwerk wie das Schaben. Ist das nötig?

R. Willimann: Bei Kunden mit hohen Qualitäts- und Genauigkeitsanforderungen kommen wir um das Schaben nicht herum. Wir schaben aber nur auf die Grundgeometrie. Hier wird der Grundstein für die Genauigkeit einer Maschine gelegt, eine geschabte Maschine ist die Basis für eine hohe Bearbeitungsgenauigkeit. Denn je besser die Grundgeometrie einer Maschine ist, desto präziser und prozesssicherer kann gefertigt werden.

Vielen Dank für das Gespräch. <<

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