Auf der EMO stellte der Seengener Werkzeughersteller Alesa verschiedene Keramik-Werkzeuge vor, die mit äusserst scharfen Schneidkanten versehen waren, was absolut ungewöhnlich für Keramikwerkzeuge ist. Alesa ist dafür bekannt, extrem scharf schneidende Werkzeuge zu entwickeln, was ihnen jetzt auch im Keramikbereich gelungen scheint, wie Christoph Leimgruber (CEO, Alesa AG) gegenüber dem SMM sagt.
Christoph Leimgruber, CEO der Alesa AG: «Die Schweiz erleben wir vielerorts als äusserst innovativ und für uns manchmal herausfordernd. Und das ist gut so.»
(Bild: Karin Furter)
Alesa gehört zu einem der grösseren Werkzeugherstellern in der Schweiz und hat sich auf zerspanungstechnische Herausforderungen fokussiert. Wie haben sich die Märkte im Werkzeugbereich in den letzten Monaten entwickelt und welche Erwartungen haben Sie für 2026?
Christoph Leimgruber: Mit der Alesa sind wir nicht in ganz anderen Märkten zuhause als unsere Kollegen im Werkzeugbusiness. Und so spüren wir die Herausforderungen in unserer Branche genauso. Doch wir sind dankbar, das Jahr 2025 wohl mit einem kleinen Wachstum gegenüber dem letztem Jahr abschliessen zu können. Für das kommende Jahr gibt es da und dort Anzeichen einer Entspannung und von volleren Auftragsbüchern. Wir rechnen damit, dass der Seitwärtstrend in einen Aufwärtstrend umschlägt und haben für 2026 höher budgetiert. Wir wollen positiv nach vorne schauen.
Auf der EMO haben sie unter anderem neue Fräswerkzeuge aus Keramik vorgestellt. Bisher ist Keramik nur wenig verbreitet im Werkzeugsegment. Woran liegt das?
Ch. Leimgruber: Wir sind begeistert vom Schneidstoff Keramik und der möglichen Leistung solcher Werkzeuge. Leider ist die Verfügbarkeit der guten Schneidkeramiken noch nicht verlässlich hoch und immer noch relativ teuer. Dennoch rechnen sich Werkzeuge aus Keramik in spezifischen Anwendungen durchaus. Speziell beim Bearbeiten von modernen Hybridlegierungen wie Verbundwerkstoffen sind die Vorteile des Schneidstoffs Keramik immer wieder zu sehen.
Eine Substitution von Hartmetall- durch Keramikwerkzeuge ist allerdings nur selten erfolgreich, wenn einfach das Werkzeug 1:1 ersetzt wird und dann der gleiche Prozess wie mit dem Hartmetallwerkzeug gefahren wird. Die Einsatzbedingungen müssen zum Teil deutlich – auf die Keramikwerkzeuge - angepasst werden.
Meines Wissens haben Sie sowohl Schaftfräser als auch mit Keramik bestückte Wendeplattenfräser entwickelt. Für welche Anwendungen haben Sie ihre Keramikfräser entwickelt?
Ch. Leimgruber: Nebst Schaftfräser und Wendeschneidplatten haben wir an der EMO auch Kreissägen aus Keramik gezeigt. Unsere Keramikwerkzeuge sollen nicht einfach das Hartmetall ersetzen. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung überall dort, wo wir mit Hartmetall an Grenzen stossen. Die Anwendungen liegen bei Nicht-Eisen-Materialien, Buntmetallen, Aluminium mit Silizium oder Glasfaser oder sehr erfolgreich bei abrasiven Kunststoffen. So haben wir in einer Anwendung im PEEK mit hohem Glasfaseranteil die Standzeit der Wendeschneidplatte um das 10-fach erhöhen können gegenüber dem bisherigen Hartmetallwerkzeug und das bei besserer Oberflächengüte. Dies gelingt vor allem auch dank der Mikrogeometrie an der Keramikschneide.
Bisher haben Keramikfräser stark verrundete Schneidkanten, um Ausbrüche zu vermeiden. Sie setzen auf eine geringe Schneidkantenverrundung mit sehr scharfen Schneiden. Eigentlich ein «No-Go» im Keramik-Werkzeugbereich. Was machen Sie anders, dass Sie scharf schneidende Keramik-Werkzeuge entwickeln konnten?
Ch. Leimgruber: Die scharfe Schneide war schon immer das Markenzeichen der Alesa-Werkzeuge. Wir drücken nicht, wir schneiden und das ziemlich scharf. So war es selbstverständlich, dass wir auch bei den Keramikwerkzeugen diesen Weg gehen wollten und so lange mit verschiedenen Materialherstellen geforscht und probiert haben, bis eben Schneidkeramiken entstanden sind, die eine scharfe Schneide erlauben. Wir sprechen hier von Kantenradien klar unter 0.020 mm. Der Schneidstoff Keramik ist aus meiner Sicht immer noch am Anfang und es werden noch viele Entwicklungsschritte folgen. Wie zu Beginn der Hartmetallherstellung noch nicht klar war, was noch alles möglich ist, so sehen wir die Grenzen bei den Keramiken im Moment auch noch nicht.
Welche Rolle spielen die Märkte USA und China für Alesa und wie entwickeln sie sich derzeit?
Ch. Leimgruber: Wir sind weder in China noch den USA mit eigenen Leuten oder einer Tochterfirma präsent. Unser Vertrieb geschieht in diesen Regionen über Händler. Speziell in den USA sind wir aber nicht breit im Markt vertreten, sondern punktuell in verschiedenen Projekten involviert. Die ganze Zoll-Thematik trifft uns deshalb mehrheitlich indirekt, wenn unsere Kunden und Projektpartner Marktanteil in den USA verlieren.
Und wie entwickelt sich der Schweizer Heimmarkt für Alesa und welche Rolle spielt er für Ihre Technologieentwicklung?
Ch. Leimgruber: Unser Schweizer Heimmarkt ist für Alesa nach wie vor der wichtigste und bestgepflegte Markt. Natürlich ist die Zerspanung in der Schweiz nicht mehr am Boomen und generiert in grossem Maas neue Arbeitsplätze. Dennoch sind wir sehr dankbar, in unserem Heimmarkt immer noch wachsen zu können und vor allem so nahe am Kunden zu sein. Mit unseren Mitarbeitern stehen wir sehr nahe im täglichen Kontakt und an der Maschine des Kunden und dies hilft uns sehr, Bedürfnisse und Ideen der Anwender kennen zu lernen und unsere Entwicklungen nach den Anforderungen am Markt zu orientieren. Die Schweiz erleben wir vielerorts als äusserst innovativ und für uns manchmal herausfordernd. Und das ist gut so. So bleiben auch wir beweglich und werden zu neuen Lösungen und Technologien motiviert.
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Stand vom 30.10.2020
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