Interview mit Ugo Ghilardi und Giuseppe Barile von DMG Mori

«Wir wollen die Nummer 1 für unsere Kunden sein»

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Wie sind diese Veränderungen am Schweizer Markt angenommen worden?

G. Barile: Die Veränderungen sind sehr gut angenommen worden, die Kunden danken es uns mit weiteren Aufträgen. Grundsätzlich hat es aber harte Arbeit und intensive Gespräche gebraucht, um dahin zu kommen. Wir haben sehr viel unternommen, um die Service- und Einsatzzeiten zu verkürzen. Heute kann ich wirklich mit Stolz auf die Mannschaft blicken.

Celos steht bei DMG Mori schon seit einigen Jahren für Industrie-4.0-Lösungen. Was ist das Ziel in Bezug auf Industrie 4.0 bei DMG Mori?

G. Barile: Celos ist heute das Kernelement unseres «Path of Digitization» für die sukzessive Realisierung der digitalen Fertigung. Wir möchten unsere Kunden ganzheitlich und nachhaltig mit Lösungen und Services im Bereich der Digitalisierung unterstützen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Auf diesem Weg wollen wir Celos als 4.0 Plattform etablieren und unseren Kunden mit Celos die Möglichkeit bieten, Ihre Prozesse zu digitalisieren.

Was sind diesbezüglich die grössten Herausforderungen?

G. Barile: Technisch anspruchsvoll ist die Integration von Celos in die existierende IT Infrastruktur unserer Kunden. Hier gibt es aktuell zwar verschiedene Ansätze, Schnittstellen und Protokolle zu standardisieren, diese Standards sind für Bestandsmaschinen bzw. die verwendeten Softwareprodukte jedoch häufig noch nicht nutzbar. Darüber hinaus ist die vorhandene Daten-und Prozessqualität oft unzureichend. Kunden benötigen eine umfangreiche Unterstützung bei diesem digitalen Wandel.

Inwieweit kann hiervon ein klassisches kleines Zulieferunternehmen mit einer grossen Produktvielfalt und eher kleineren Losgrössen profitieren?

G. Barile: Celos ist speziell für diese Kundengruppe konzipiert worden. Wir bieten hier mit unseren Softwareportfolio insbesondere mit unseren 26 Celos Apps und unseren 26 DMG Mori Technologiezyklen vielfältige Möglichkeiten die Digitalisierung unserer Kunden insbesondere im Bereich Planung, Programmierung, Handling und Monitoring zu unterstützen.

Welche Strategie verfolgt DMG Mori im Bereich additiver Fertigung?

U. Ghilardi: Ziel unserer Strategie ist es, bei der Auswahl von Werkzeugmaschinen für die additive Fertigung in Metall weltweit der Partner Nr. 1 für unsere Kunden zu sein.

DMG Mori beteiligt sich seit kurzem an der Realizer GmbH, einem Spezialist für additive Fertigung, zu über 50 Prozent. Welche Ziele verfolgen Sie damit?

U. Ghilardi: Realizer ergänzt als anerkannter Spezialist für Selective Laser Melting (Pulverbett-Verfahren) das Spektrum der zu fertigenden Bauteile im Kleinteilbereich mit filigranen Geometrien. Durch Kombination mit DMG Mori HSC Maschinen bieten wir nun auch in diesem Zukunftsfeld die komplette Fertigungskette. Und aufgrund der Integration der Pulverbett-Technologie von Realizer in unser Portfolio bietet DMG Mori heute die wichtigsten generativen Produktionsprozesse für metallische Materialien aus einer Hand.

Welche Rolle spielen dabei Hybridmaschinen, also die integrierte Kombination aus Pulverdüse und Laser zur additiven Fertigung und der spanenden Bearbeitung?

U. Ghilardi: Die Lasertec 65 3D Hybrid ist eher für grössere Teile mit einem grösseren Bauraum geeignet. Die Kombination des Laserauftragsschweissens mit der spanenden Bearbeitung auf einer Maschine erschliesst hier völlig neue Anwendungs- sowie Geometriemöglichkeiten. Unter anderem ermöglicht die eingesetzte Pulverdüsen-Technologie das gezielte Aufbauen von additiven Features auf bestehende Grundkörper oder Halbfertigerzeugnisse. Insbesondere grosse Bauteile lassen sich mit dieser Hybridlösung kostengünstig herstellen. Der flexible Wechsel zwischen Laser- und Fräsbearbeitung ermöglicht zudem die direkte Bearbeitung von Bauteilsegmenten, welche am Fertigteil später nicht mehr erreichbar sind. Ebenso kann die Unterbrechung des additiven Verfahrens auch Vorteile bei der Prozesssicherheit bringen, weil zum Beispiel kürzere Zerspanungswerkzeuge eingesetzt werden können.

Welche Bedeutung sehen Sie dafür in der Schweiz?

G. Barile: In der Schweiz haben wir einige Interessenten, die diese innovativen Lösungen suchen. Das betrifft vor allem Branchen wie Aerospace und Medizintechnik, in denen hochkomplexe und hochpräzise Bauteile gefertigt werden. Diese Technologie erfordert ein neues Herangehen und ein Umdenken in der Arbeitsweise. Mit der Zeit wird dies zu weiteren Einsatzgebieten führen und die gesamte Technologie wird einfacher zu handhaben sein.

Welche Bedeutung messen Sie in der Schweiz generell den Hybridmaschinen, also der Kombination verschiedener Fertigungsverfahren auf einer Maschine, bei?

G. Barile: DMG Mori spielt auf diesem Gebiet eine sehr starke Rolle. Das bedeutet, dass wir mit diesen Hybridlösungen für komplexe Werkstücke Vorreiter sind und entsprechende Maschinen anbieten. Das ist speziell für den Schweizer Markt eine gefragte Lösung und für unser Produktportfolio eine absolut wichtige Ergänzung.

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