Unsicherheit prägt die aktuelle wirtschaftliche Situation. Die Bedingungen im Jahr 2023 sind nur schwierig einzuschätzen. Stefan Bühler, Geschäftsführer Zoller Schweiz GmbH, über positive Grundstimmung, persönliche Kontakte, Wertschätzung für Service und Chancen in zusätzlichen Branchen.
Eine intuitiv zu bedienende Software, wie beim Messen und Einstellen von Werkzeugen auf Geräten von Zoller, trägt entscheidend dazu bei, dass Fachkräfte der Digitalisierung in der Fertigung offen begegnen und aktiv mitarbeiten.
(Bild: SMM / Konrad Mücke)
SMM: Herr Bühler, Sie leiten die Geschäfte der im Jahr 2018 gegründeten Zoller Schweiz GmbH. Welche Chancen und vielleicht auch Risiken erwarten Sie für das Jahr 2023?
Stefan Bühler: Wir starten mit einem guten Auftragsbestand ins Jahr 2023. Insofern sind wir grundsätzlich sehr zuversichtlich, dass wir unseren bisher guten Geschäftserfolg fortsetzen. Die Industrie hat in mehreren Jahrzehnten immer wieder Krisen erlebt. Doch immer wieder ist sie eher gestärkt daraus hervorgegangen. Deshalb gehe ich davon aus, dass unsere Kunden in der Schweiz und auch wir als Lieferant hochwertiger Ausstattung für Fertigungsbetriebe die aktuelle Situation erfolgreich meistern. Als ein wichtiges Kriterium, um Krisen bewältigen zu können, gilt eine wirtschaftliche Fertigung. Konkret ist die Fertigungsindustrie gefordert, höhere Beschaffungskosten auszugleichen und längere Lieferzeiten bei Vorprodukten einzukalkulieren. Das gelingt nur, wenn die Unternehmen flexibler und produktiver arbeiten. Mit unserem Programm an Inspektions- und Einstellgeräten, Software und Digitalisierung bieten wir exakt dafür die passenden Produkte. Insofern sind wir überzeugt, dass nicht nur wir als Lieferant profitieren, sondern auch die mit uns zusammenarbeitenden Fertigungsbetriebe mit Hilfe unserer Produkte gestärkt aus der derzeitigen Situation hervorgehen.
Welche Wünsche an die wirtschaftlichen oder politischen Rahmenbedingungen stehen für Sie im Vordergrund, um wie geschildert die Krise zu überwinden?
S. Bühler: Ein sehr wichtiges Kriterium im Kontakt und in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden ist die Freiheit, zu reisen und sich persönlich zu begegnen. Wie bereits in den zurückliegenden Monaten begrüssen wir es, wenn keinerlei Kontaktbeschränkungen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit entgegenstehen. Das ist für unsere Anwender, die fertigenden Unternehmen, und auch uns sehr wichtig. Seminare, Fachtagungen, Messen, der persönliche Arbeitsbesuch, die Arbeit des Servicepersonals – all das hängt entscheidend von der Freiheit der Begegnung ab. So wünsche ich uns allen, dass wir uns wieder unbeschwert und frei persönlich begegnen können. Ganz besonders betrifft dies zum Beispiel die Messe Innoteq in Bern, auf die wir uns bereits intensiv vorbereiten. Dort werden wir einem interessierten Publikum unsere breite Produktpalette und vor allem unsere aktuellen Innovationen für eine wirtschaftliche, flexible und zuverlässige Werkzeugvorbereitung und Werkzeugorganisation vorstellen.
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Mit welchen Innovationen in Ihrem Produktprogramm können Sie Fertigungsbetriebe in der Schweiz besonders gut unterstützen?
S. Bühler: Zur AMB 2022 in Stuttgart hatten wir unser Schrumpfgerät «powerShrink», unser Wuchtgerät «toolBalancer» und unsere Werkzeugorganisation Tooling Solution mit digitaler Identifikation der Werkzeuge erstmals vorgestellt. Diese Innovationen tragen wesentlich dazu bei, in der Werkzeugvorbereitung schneller, flexibler und vor allem prozesssicherer zu arbeiten. Teilweise werden die Abläufe automatisiert. Das ist speziell mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel ein erheblicher Vorteil. Wir sind sicher, dass Fertigungsbetriebe diese Vorteile erkennen und zu schätzen wissen. Speziell mit unserer Tooling Solution können Fertigungsbetriebe eine digitalisierte Werkzeugorganisation beginnen. Werkzeuge und deren Daten werden zentral verwaltet. Mit einem «idChip» werden die Werkzeuge an den jeweiligen Stationen – im Lager, am Inspektions- und Einstellgerät sowie in der Montage und Demontage – automatisch und zuverlässig erkannt und identifiziert. Als herausragenden Vorteil bieten wir ein modulares System mit allen für die Werkzeugvorbereitung erforderlichen Komponenten, Geräten und Softwarelösungen – vom Werkzeuglager und vom Einstellen der Werkzeuge über die Montage beziehungsweise Demontage bis hin zur digitalisierten und unternehmensweit vernetzten Werkzeugverwaltung und -organisation, vom ERP-System bis an die CNC-Maschine. So kann ein Fertigungsbetrieb mit einer Einplatz-Werkzeuginspektion beginnen und dann schrittweise die Werkzeugverwaltung und -organisation mit unseren Produkten bis zur Smart Factory ausbauen.
Welche Investitionen planen Sie konkret, um im Jahr 2023 Ihre Geschäfte weiter auszubauen?
S. Bühler: Als besonders attraktive Region haben wir die Westschweiz anvisiert. Dort sind zahlreiche Fertigungsunternehmen in der Uhrenindustrie, in der Medizintechnik, in der Décolletage, aber auch – speziell im Emmental – im allgemeinen Maschinenbau tätig. Diese Unternehmen nutzen eine Vielzahl spanender Werkzeuge unterschiedlichster Ausführungen. Mit Hilfe unserer Hard- und Software können sie deutlich effizienter und produktiver arbeiten. Um eine solide und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu fördern, möchten wir uns regional näher an unseren Interessenten und Kunden orientieren. Dazu haben wir zusätzlich eine zweite Niederlassung in der Schweiz, konkret in Ittigen nahe Bern, etabliert. Dort gibt es einen Showroom, Büroräume und eine Basis für unsere Servicetechniker. Damit sehen wir uns bestens gerüstet, die Unternehmen im Mittelland und in der Westschweiz optimal betreuen zu können.
Welche weiteren Vorteile können Sie Ihren Kunden durch den zusätzlichen Standort in Ittigen bieten?
S. Bühler: Anwender schätzen bereits seit Jahren den unschlagbar kompetenten und schnellen Service von Zoller. Mit unserem zusätzlichen Stützpunkt im Mittelland rücken wir sehr viel näher an eine hinsichtlich der spanenden Fertigung sehr interessante und agile Region. Unsere Kunden profitieren von deutlich kürzeren Anfahrtswegen und unverzüglichem Serviceeinsatz. Das ist speziell bei Inspektions- und Einstellgeräten eminent wichtig. Denn diese Geräte gibt es üblicherweise nur als ein einzelnes Exemplar in einer Fertigung. Ein Stillstand in der Werkzeugvorbereitung durch den Ausfall eines Geräts unterbricht die gesamte Fertigung – mitunter betrifft das eine Vielzahl an CNC-Maschinen. Das verursacht natürlich erhebliche Kosten und verzögert die Produktion. Deshalb muss diese Situation vermieden, zumindest aber die Zeit zum Beheben der Störung minimiert werden. Da sehen wir uns mit dem kundennahen Service in Ittigen besonders gut gerüstet. Zusätzlich leisten wir mit der regionalen Verfügbarkeit unserer hochqualifizierten Servicetechniker noch einen Beitrag dazu, durch kürzere Anfahrtswege Ressourcen und Umwelt zu schonen sowie den Energieverbrauch zu minimieren.
Stand vom 30.10.2020
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Wie reagieren Sie auf die derzeit oftmals erheblich gestiegenen Kosten für Vorprodukte, die Sie für Ihre Hard- und Software benötigen?
S. Bühler: In dieser Hinsicht haben unsere Einkäufer und Produktionsplaner am Stammsitz in Pleidelsheim klug vorausschauend gehandelt. Wir haben bisher nahezu keine Fehlbestände und können – speziell bei kritischen Komponenten wie Steuerungshardware – auf einen soliden Lagervorrat zugreifen. Insofern können wir unseren Kunden die meisten unserer Produkte innerhalb kürzester Zeit bei stabil bleibenden Kosten zur Verfügung stellen. Speziell in der Schweiz halten wir stets einige Geräte vor. So können wir problemlos innerhalb kürzester Zeit liefern. Geht es um kundenspezifische Ausstattungen, können wir mit unseren Standardgeräten oft eine erste Ausstattung bis zum Fertigstellen der individuell ausgerüsteten Geräte zur Verfügung stellen. Auch auf diesen Umstand gründet sich unsere Erwartung, dass wir im Jahr 2023 weiter erfolgreich tätig sein und in der Schweiz weiter wachsen werden.