Kellenberger Jubiläum

100 Jahre Schleifkompetenz

| Redakteur: Anne Richter

Die erste von Kellenberger entwickelte Universalschleifmaschine.
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Die erste von Kellenberger entwickelte Universalschleifmaschine. (Bild: Kellenberger)

In diesem Jahr feiert Kellenberger sein Hundert-Jahr-Jubiläum. Der Schleifspezialist aus St. Gallen begann als mechanische Werkstatt und hat sich zu einem Netzwerk herausragender Schleifkompetenz entwickelt. Die neueste Entwicklung wird auf der EMO in Hannover vorgestellt werden.

1917 – also vor genau 100 Jahren – gründete Leonhard Kellenberger in St. Gallen eine mechanische Werkstätte zur Herstellung von Schleifmaschinen. Der junge Leonhard war ein Tüftler, hatte im Ausland Erfahrungen im Bereich der mechanischen Fertigung gesammelt und ging nun daran, in seinem Heimatland Schweiz seine Ideen zu verwirklichen. Bereits 1918 brachte seine junge Firma, die L. Kellenberger & Companie, die erste eigenentwickelte Universalschleifmaschine auf den Markt. Die Präsentation auf der Messe Basel im Jahr 1919 brachte die ersten Kunden, der wachsende Erfolg weitere Maschinenentwicklungen. So 1920 die erste Flachschleif­maschine sowie eine Spezialschleifmaschine für das Überholen von Automobilmotoren und 1922 die erste Kur­belwellenschleifmaschine. Viele weitere Maschi­nenentwicklungen prägten die Firmengeschichte in den nächsten Jahrzehnten. Im Jahr 1943 hatte die Firma bereits fast 170 Angestellte. 1960 spezialisierte sich Kellenberger auf Universal-Rundschleifmaschinen. Dank konsequenter Entwicklungen im Hochpräzisions-Sektor gehört Kellenberger inzwischen weltweit zu den führenden Herstellern von numerisch gesteuerten Präzisionsschleifmaschinen und Systemen der mittleren und obersten Technologiestufe.

Umfassendes Netzwerk an herausragender Schleiftechnologie

Kellenberger-Schleifmaschinen sind heute in der Rundschleiftechnik Wertmassstab, was Qualität und Langlebigkeit anbelangt. Die kontinuierliche Entwicklung vom Schweizer Familienunternehmen zum Global Player erlangte in der weltweit agierenden Hardinge-Gruppe neue Möglichkeiten. Kellenberger ist die Führungsgesellschaft in der Hardinge Grinding Group – eines umfassenden Netzwerkes an herausragender Schleiftechnologie, zu denen neben Voumard, Hauser, Tschudin und Usach auch der englische Schleifmaschinenhersteller Jones & Shipman gehören. Die fusionierte Gesellschaft mit den Standorten St. Gallen (Kellenberger) und Biel (Hauser, Tschudin) bringt für den Kunden eine einzigartige Palette von Schleifmaschinen und Schleifsystemen sowie ein breit ausgebautes Dienstleistungsangebot. Von Einsteigermaschinen der Marke Jones & Shipman bis zu Premiumschleifmaschinen der Marken Kellenberger und Voumard, über hochpräzise Koordinatenschleifmaschinen von Hauser und den modularen Lösungen der Marke Tschudin und Usach liefert die Hardinge Grinding Group heute Lösungen für jede nur erdenkliche Schleifaufgabe vom universellen Bereich bis zum Systemgeschäft sowie Sonderlösungen im produktiven Umfeld.

Zukunft: weitreichende Applikations- und Lösungskompetenz

Bei Kellenberger in St. Gallen und in Biel laufen die Fäden der Hardinge-Grinding-Gruppe zusammen. Der heutige CEO Urs Baumgartner verantwortet dabei nicht nur die Strategien im Hause Kellenberger, sondern die der ganzen Gruppe. Er löste 2015 den Enkel des Firmengründers, Jürg Kellenberger, ab und ist der erste CEO in der langen Firmengeschichte, der nicht aus der Familie stammt. Die Kompetenz von Kellenberger sieht Baumgartner in der Zukunft nicht mehr nur darin, hochpräzise langlebige Schleifmaschinen zu bauen, sondern in einer weitreichenden Applikations- und Lösungskompetenz, gepaart mit einem herausragenden Service, der die grösstmögliche Verfügbarkeit der Maschinen für den Kunden gewährleistet.

Mit einer Fertigungstiefe von 85 Prozent produziert Kellenberger viele der Kernkomponenten seiner Schleifmaschinen im eigenen Haus. In Zukunft sollen Kompetenzzentren in St. Gallen und Biel wichtige Komponenten für die ganze Gruppe fertigen. Ein modularer Maschinenaufbau mit einer Reihe standardisierter Teile, wie er bereits in den Neuentwicklungen im High-End-Bereich verwirklicht wurde, soll in jeder Baureihe dafür sorgen, dass höchste Präzision mit wettbewerbsfähigen Kosten einhergeht. Dass dadurch auch Lieferzeiten verkürzt und Wartungen erleichtert werden, ist für die Kunden ein erfreulicher Nebeneffekt.

Maschinenprogramm je nach Schleifanforderung

Das Kellenberger-Maschinenprogramm reicht heute von Maschinen für komplexe Schleifaufgaben wie die 1995 auf den Markt gebrachte und 2014 komplett neu konzipierte Varia bis hin zu kompakten preisgünstigen Universalmaschinen wie die im Jahr 2000 am Markt eingeführte und nach einem kompletten Facelift im Jubiläumsjahr mit neuen technischen Features versehenen Maschinenbaureihe Vista. Diese Maschine ist perfekt für den Einsatz im höchst anspruchsvollen Werkzeug- und Formenbau, im Maschinen- und Prototypenbau, in Unterhaltswerkstätten und Labors für die wirtschaftliche Fertigung von Klein- und Mittelserien geeignet. Sie zeichnet sich unter anderem durch anwenderfreundliches Einrichten und Bedienen aus. Dank der anwenderfreundlichen, einfachen Kellenberger-Menüprogrammierung sind Programmierkenntnisse nicht mehr unbedingt erforderlich. Die optimale Sicht auf den Bearbeitungsprozess ist durch extragrosse Fenster in der Verkleidung weiter verbessert worden.

Trennung von Maschinenbett und Maschinengestell

Die Vista ist sehr kompakt gebaut und verfügt über eine vom Maschinenbett getrennte Wasserführung, ein integriertes Transportsystem und einen schwenkbaren Obertisch. Ein weiteres Beispiel für die richtungsweisende Konstruktion ist der schwenkbare und sowohl zum Schleifen zwischen feststehenden Spitzen wie auch zum Fliegendschleifen einsetzbare Werkstückspindelstock. Die Belastung zwischen Spitzen beträgt max. 100 kg, fliegend max. 100 Nm. Die thermisch optimierte Lagerung der Schleifscheiben mit Durchmesser 450 x 63 mm garantiert höchste Rundlauf- und Formgenauigkeiten. Durch die Trennung des Maschinenbetts vom Maschinengestell werden externe Einflüsse auf den Bearbeitungsprozess minimiert. Auch der 7,5-kW-UR-Schleifkopf ist dank optimierter Spindellagerung und wassergekühltem Motor thermisch stabil. Eine Hochfrequenz-Innenschleifspindel mit Drehzahlen 4000–40 000 U/min und einer Leistung von 6,5 kW ersetzt das bisherige Riemengetriebe. Ein Hochfrequenz-Abrichtgerät mit 0,4 kW Leistung verschiebbar in der X-Achse ist ebenfalls neu. Die Z-Achsen-Bewegung erfolgt auf klassischer Gleitführung, wodurch eine hohe Dämpfung garantiert ist, die X-Achsen-Bewegung hingegen auf einer Wälzführung, womit ein slipstickfreies Positionieren erreicht wird. Die Maschine ist in beiden Achsen mit hochpräzisen Glasmassstäben ausgerüstet. Kel-Soft-Softwaremodule für das Schleifen von Profilen und Gewinden stehen zur Verfügung.

Premiere auf der EMO erwartet

Ebenfalls mit neuen Features versehen wurde die Baureihe Kel-Vita. Eine hochauflösende B-Achse mit schnellem Direkt­antrieb, optional verfügbarem Synchronreitstock und automatischer Feinverstellung machen die Kel-Vista zukunftsfähig. Zum 100-jährigen Bestehen gibt es diese Maschine als Sondermodell zum Jubiläumspreis mit einem kostenlosen Dienstleistungspaket aus Inbetriebnahme und Schulung. Die Premiere einer komplett neuen Maschinengeneration erwartet die Kellenberger-Kunden dann auf der EMO in Hannover. -ari- SMM

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