Ergänzendes zum Thema
nachgefragt
Fragen an Frank-Peter Kirgis, Leiter Geschäftsbereich Robotics, ABB Schweiz AG
SMM: Im Fachbeitrag findet sich der Begriff «intelligente Automatisierung». Was genau ist darunter zu verstehen?
Frank-Peter Kirgis: Intelligent automatisieren heisst, dass man sich bei der Optimierung eines Produktionsprozesses im Vorfeld viel mehr Gedanken macht und aus einem starren Konzept herausfindet. Vielfach besteht die Möglichkeit, eine kluge Kombination aus Automation und manueller Tätigkeit zu finden. Dies bedingt, dass man sich nicht von vornherein auf ein zu 100% automatisiertes Konzept festlegt.
Können Roboter zur Sicherung des Produktionsstandortes beitragen?
F.-P. Kirgis: Roboter können dort eingesetzt werden, wo Produktivitäts- und Qualitätssteigerungen einen Wettbewerbsvorteil bringen. Dies hilft, qualitativ hochwertigere Produkte zum gleichen Preis herzustellen wie in sogenannten Billiglohnländern. In vielen Fällen ermöglicht es sogar den Ausbau der Standorte und die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze.
Der deutsche ZVEI Fachverband Robotik + Automation erwartet im laufenden Jahr für die Robotik die höchste Wachstumsrate aller Zeiten. Erwarten Sie für die Schweiz – und für ABB – Ähnliches?
F.-P. Kirgis: Die Strukturen dieses Fachverbandes in Deutschland sind mit denjenigen in der Schweiz nicht ganz vergleichbar. Deutschland hat immer noch einen sehr grossen Einfluss aus der Automobilindustrie, den wir in der Schweiz abgeschwächter zu spüren bekommen. Ausserdem verfügt Deutschland über einen wesentlich grösseren Binnenmarkt. Hierzulande spüren wir natürlich den Einfluss des schwachen Euro, was den exportierenden Maschinen- und Anlagenbauern teils Probleme bereitet. Nichtsdestotrotz werden wir auch in der Schweiz ansehnliche Wachstumsraten zu verzeichnen haben.
Inwiefern sind Sie von ungünstigen Wechselkursen betroffen?
F.-P. Kirgis: Wir bekommen dies vor allem dann mit, wenn unsere Systempartner ins Ausland exportieren und dort stark unter Preisdruck geraten. Dann wird natürlich über den Preis diskutiert und wir bekommen für unsere Roboter im Durchschnitt weniger als noch vor zwei Jahren. Unsere Anstrengungen liegen jedoch darin, dass wir zusätzlich zum Roboter auch noch einiges an Mehrwert für unsere Partner bieten und somit helfen, dass ein höherer Preis beim Endkunden gerechtfertigt ist.
In welchen Branchen ist ABB Robotics in der Schweiz am stärksten präsent? Wo sehen Sie interessante Marktpotenziale?
F.-P. Kirgis: Durch unsere Systempartner aus den verschiedensten Branchen hat ABB eine sehr breite Abdeckung. Schwerpunkte liegen sicher in der Metallverarbeitung, der Logistik und Verpackung, der Lebensmittel- und Kunststoffverarbeitung und generell in der Handhabung. Potenziale sehen wir in der gesamten verarbeitenden Industrie, da es in fast jedem Segment noch viele Betriebe gibt, die kaum oder gar nicht in die Robotik investiert haben.
Als Hochlohnland scheint die Schweiz prädestiniert für den Einsatz von Robotern. Demzufolge müsste der Werkplatz Schweiz eine hohe Roboterdichte aufweisen?
F.-P. Kirgis: Das könnte man meinen. Die installierte Basis an Robotern ist jedoch gar nicht so gross. Gemäss der International Federation of Robotics IFR sind in der Schweiz zirka 4400 Roboter installiert.
Was bietet ABB hinsichtlich Sicherheit in der offenen Zusammenarbeit von Mensch/Roboter?
F.-P. Kirgis: Die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter hat bei ABB seit einigen Jahren an Bedeutung gewonnen. Wir haben in diesem Zusammenhang auch Produkte auf den Markt gebracht, die genau diese Problemstellung angehen. Unsere «SafeMove»-Lösung überwacht mit Hilfe von Sensoren den Arbeitsraum und ermöglicht so eine Kooperation zwischen Mensch und Roboter. Sie wird vor allem dann eingesetzt, wenn beispielsweise Prozesse nicht zu 100% automatisiert sein sollen, sondern der Mensch noch Einfluss nimmt oder gewisse Tätigkeiten ausführt. Intelligent automatisiert eben.
Der Werkplatz leidet auch daran, dass vielerorts hochqualifizierte Fachkräfte fehlen. Wie sieht das in Ihrem Unternehmen aus?
F.-P. Kirgis: ABB hat weniger Probleme, weil wir einen guten Ruf haben und europa- und weltweit suchen. Der Rekrutierungsprozess kann zwar länger dauern, aber grundsätzlich gehen wir davon aus, dass wir die offenen Stellen besetzen können.