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>> Alu-Industrie: hohe Produktion, geringe Marge

| Redakteur: Anne Richter

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Das Jahr 2011 war für die Aluminiumbranche das Jahr, in dem die höchste Menge an Aluminium in der Schweiz produziert wurde.
Das Jahr 2011 war für die Aluminiumbranche das Jahr, in dem die höchste Menge an Aluminium in der Schweiz produziert wurde.
(Bild: Aluminiumverband Schweiz)

In 2011 erzielte die Schweizer Aluminiumindustrie eine Steigerung der Gesamtproduktion um 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, gab der Aluminium-Verband Schweiz auf seiner Jahrespressekonferenz am 21. Mai 2012 in Zürich bekannt. Dies sei lediglich ein erfreulicher statistischer Rekord, denn de facto blieb für die Unternehmen mit einem Exportanteil von rund 80 Prozent unterm Strich 2011 durch den Euro-Kursverfall nur eine schwarze Null. Die Schweizer Produktionsstandorte sind dadurch zunehmend gefährdet.

Hohe Produktionsleistung wie nie zuvor

«Seit der Aluminium-Verband Schweiz eine Statistik über die Ergebnisse seiner Mitgliedsfirmen führt, konnte noch nie eine solch hohe Produktion wie in 2011 ausgewiesen werden», erklärte Verbandsgeschäftsführer Marcel Menet an der heutigen Pressekonferenz in Zürich. Die Gesamtproduktion der Schweizer Walz- und Presswerke inklusive der Exporte erhöhte sich gegenüber 2010 im vergangenen Jahr um 7,6 Prozent auf 184 130 Tonnen. Der Aluminiumeinsatz im Inland zeigte einen Anstieg von 12 Prozent auf 213 700 Tonnen – das entspricht 27,3 Kilogramm Aluminium pro Kopf in der Schweiz.

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In den einzelnen Werkstoffgruppen steigerten die Schweizer Leichtmetallgiesser 2011 ihre verarbeiteten Tonnagen um 2,1 Prozent auf 20 830 Tonnen, der Leichtmetall-Sandguss erreichte ein Plus von 1,2 Prozent auf 4370 Tonnen, der Druckguss eine Steigerung von drei Prozent auf 13 730 Tonnen, nur der Kokillenguss musste eine leichte Reduktion von 1,1 Prozent auf 2730 Tonnen hinnehmen.

Wachstumstreiber: Zukunftsmärkte und Innovationen

Den grössten Zuwachs bescherte der Aluminiumindustrie 2011 die gute Konjunktur im Transportwesen. «Exportsteigerungen erzielten wir vor allem in den Zukunftsmärkten China und Nordamerika», bestätigte René Gentinetta, Geschäftsführer der Novelis Switzerland AG, den Trend. Auch die DGS Druckguss Systeme AG konnte durch Innovation und Ultraleichtbau im Strukturguss aus Aluminium und Magnesium die Bauteilgewichte im Fahrzeug um bis zu 20 Prozent reduzieren und damit ihre starke Position in diesem Segment dank Alleinstellungsmerkmalen ausbauen. «Wir erwirtschafteten ein Plus von 25 Prozent», sagte der Verwaltungsrat und Mit-Gesellschafter der DGS, Alfred Lichtensteiger.

«In Nischenmärkten wie dem Energiesektor konnten wir insbesondere mit neuen Produkten für Solaranlagen ebenfalls Zuwächse erzielen», erklärte Roland Gloor, CEO der Alu Menziken Extrusion AG. Auch der Maschinenbau habe sich wieder leicht erholt. «Während sich die Nachfrage für die Oberflächenveredler im Bauwesen eher rückläufig verhielt, waren vor allem qualitativ hochstehende anodisierte Aluminiumoberflächen für den Einsatz im Flugzeugbau weiterhin stark gefragt», bemerkte Dr. Ruedi Wunderlin, Verwaltungsratspräsident der BWB Holding AG.

Auch die Schweizer Hersteller von energieeffizienten Aluminiumfenstern und -fassaden erzielten 2011 wiederum Zuwachsraten. Der Bereich Verpackungen dagegen verzeichnete 2011 einen stabilen Geschäftsverlauf.

Gewinnverluste: Besorgniserregende Aussichten

Im Anschluss an diese erfreulichen Zahlen stellte jedoch Verbandspräsident Markus Tavernier ernüchternd fest: «Der schwache Eurokurs verursachte auch 2011 wieder Margenverluste in Millionenhöhe und vernichtete mögliche Gewinne.» Das Resultat 2011 habe bei der Aluminium Laufen AG lediglich zur Finanzierung der Abschreibungen, der Dividende und der notwendigsten Investitionen ausgereicht, betonte Geschäftsführer Alex Kummer.

Die Festlegung des Euro-Wechselkurses auf die Untergrenze von 1.20 habe zwar die Planungssicherheit erhöht, aber nicht die Wettbewerbsfähigkeit, fasste Alex Kummer die augenblickliche Situation der Schweizer Aluminiumindustrie zusammen. «Die Arbeitsplätze in der Schweiz sind massiv gefährdet», urteilte Roland Gloor, dem sich die anwesenden Unternehmensvertreter der Schweizer Aluminiumindustrie anschlossen. Neuinvestitionen werden oft nur noch im Ausland getätigt und Produktionsverlagerungen haben bereits stattgefunden oder werden mit Sicherheit in naher Zukunft kommen. <<

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