Decolletage in den USA mit Swissnano von Tornos

Amerikanische Uhren nach Schweizer Vorbild

| Redakteur: Anne Richter

Die Weiss Watch Company fertigt heute pro Jahr 2000 Armbanduhren bei 20 unterschiedlichen Modellen.
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Die Weiss Watch Company fertigt heute pro Jahr 2000 Armbanduhren bei 20 unterschiedlichen Modellen. (Bild: Weiss)

Cameron Weiss ist Eigentümer der Weiss Watch Company mit Sitz in Kalifornien und hat das Uhrenhandwerk in der Schweiz gelernt. Mit der Swissnano von Tornos wird das Unternehmen auch mit Schweizer Decolletage-Know-how in der Fertigung unterstützt.

Zwei Wegbereiter der Uhrenindustrie feiern in diesem Jahr ihren fünften Jahrestag: die Weiss Watch Company und die Tornos Swissnano. Die Weiss Watch Company wurde im Juni 2013 von Eigentümer Cameron Weiss, einem waschechten Kalifornier, in Los Angeles gegründet und verschafft der amerikanischen Uhren­industrie neues Prestige. Im gleichen Jahr feierte in Moutier in der Schweiz die Tornos Swiss­nano ihre Premiere, ein speziell für die Präzisionsfertigung kleinster Werkstücke konzipierter Lang­dreh­automat. Heute hat die Watch Weiss Company sich ihre Position in der Geschichte der Uhrmacherkunst erkämpft und Tornos hilft dem Unternehmen dabei, diese zu behaupten.

Akribischer Konstruktionsprozess

Die Watch Weiss Company erblickte das Licht der Welt in Cameron Weiss’ Apartment im Grossraum Los Angeles und zeugt heute von der Besessenheit, die Weiss für edle Uhren hegt. Das Unternehmen entwirft und konstruiert jede einzelne seiner Uhren anhand eines fortschrittlichen und akribischen Prozesses. Jede Weiss-Uhr nimmt ihren Anfang mit einer Handzeichnung und wird dann darauf basierend konstruiert, als Prototyp gefertigt, geprüft, gemessen und getestet. Ehe diese Schritte durchlaufen wurden, gelangt eine Uhr gar nicht erst in die komplexe Produktionsphase. Anhand jeder Zeichnung wird bestimmt, welche Teile dann anschliessend nach den eigenen Konstruktionsunterlagen der Weiss Watch Company bearbeitet werden müssen. Die Uhrenteile – und hier sei erwähnt, dass das Unternehmen die mehr als 150 Einzelteile seiner Uhren, abgesehen von zwei Teilen, alle selbst fertigt – werden zunächst als Prototypen gefertigt, um perfekte Passung und Toleranzen zu gewährleisten. Vor dem Zusammenbau werden die einzelnen Uhrenteile mithilfe von auf ein Zehntel Mikrometer genauen Messgeräten geprüft, so dass vor der Montage einwandfreie Passung und Funktionalität gewährleistet werden.

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Schweizer Watchmaking-Know-how für eigene Kreationen

Eine derartige Liebe fürs Detail ist für Weiss eine Selbstverständlichkeit. Seine Faszination für Uhren geht auf seine Vorschulzeit zurück, in der er eine Swatch-Uhr geschenkt bekam. Nicht viel später entdeckte er die mechanischen Uhren für sich. «Eine mechanische Uhr kommt ganz ohne elektronischen Schnickschnack aus. Sämtliche Bauteile – vom Federhaus über die Triebe bis zur Hemmung – werden aus dem Vollen bearbeitet», erzählt Weiss. «Es ist einfach faszinierend, sich mit dem Innen­leben einer mechanischen Uhr zu beschäftigen. Wie bei einem Auto befindet sich auch bei einer mechanischen Uhr das wirklich Wichtige unter der Haube.» Das früh geweckte Interesse führte Cameron Weiss schliesslich zur renommierten Nicolas G. Hayek Watchmaking School in Miami, Florida (USA), einer Fachschule, die nach dem Gründer und früheren CEO der Swatch-Gruppe benannt ist. Nach Abschluss der dortigen Ausbildung und dem Erwerb des Wostep-Zertifikats führte Weiss seine Uhr­macher­ausbildung als Angestellter der Schweizer Uhrenmanufakturen Audemars Piguet und Vacheron Constantin in den USA und in der Schweiz fort und erwarb dort weitere Zertifizierungen.

Die ganze Zeit über arbeitete er bereits an der Umsetzung seiner eigenen Ziele und an ersten Uhrenkreationen, immer mit dem Ziel, eines Tages sein eigenes Unternehmen zu gründen. Und genau das tat er dann im Juni 2013. Seitdem floriert die Weiss Watch Company, die 2013 mit einem einzigen Uhrenmodell mit einer Auflage von 10 Stück begann – einer Uhr mit schwarzem Zifferblatt, Handaufzug und grünem Segeltuch-Armband. Heute verkauft das Unternehmen 2000 Armbanduhren pro Jahr, und das Portfolio umfasst 20 unterschiedliche Modelle. Gefertigt wird mit fünf Mitarbeitern – darunter Weiss selbst – in eigenen Betriebsräumen einschliesslich Maschinenwerkstatt.

Nebenbei hat die Weiss Watch Company in grosser Zahl Hindernisse überwinden müssen, um nicht nur die Marktnachfrage decken zu können, sondern die amerikanische Uhrenindustrie als solche neu zu beleben. So musste beispielsweise der Mangel an uhrmacherischer Kompetenz und geeigneten Uhrenteilen in den USA ausgeglichen werden. «Unsere grösste Herausforderung bestand darin, schnell genug zu wachsen, um selbst auch Grosshandel und Schulung abdecken zu können», so Weiss. «Alles, was wir hier tun, findet jenseits irgendeines bestehenden Fertigungsnetzwerkes in den USA statt, das heisst, wir müssen unsere Mitarbeiter und die Zulieferer, mit denen wir zusammenarbeiten, selbst ausbilden. Das ist deshalb wichtig, weil wir höchste Qualitätsstandards anlegen, die auch von den Schweizer Uhrmanufakturen erwartet werden.»

Die Swissnano für alle Drehteile von unter 4mm

In der Anfangsphase liess die Weiss Watch Company ihre Gehäuse und Zifferblätter von externen Partnern bearbeiten, während Weiss selbst die Uhren in seinem Apartment zusammensetzte. Heute jedoch fertigt das Unternehmen seine Uhrenbauteile, bis auf zwei Einzelteile, alle selbst – und zwar in einer etwa 195 m2 grossen Werkstatt, die ausgestattet ist mit allem, was an moderner Dreh- und Frästechnik für die Nachbearbeitung, die berührungslose Messung aller Bauteile sowie für die Reinraum-Montage erforderlich ist. Spiral- und Hauptfeder werden als einzige Teile aus der Schweiz bezogen. Im Einklang mit der Firmenphilosophie, so viele Uhrwerkteile wie nur irgend möglich – von Schrauben über Triebe bis zu Wellen – selbst zu fertigen, hat die Weiss Watch Company 2016 in eine neue Tornos Swissnano investiert, die über den Tornos-Vertragshändler Protek CNC Sales Corp. mit Sitz in Simi Valley, Kalifornien, erworben wurde.

«Jedes einzelne Drehteil unter 4 mm, das für unsere Uhren benötigt wird, wird auf der Swissnano gefertigt», erklärt Weiss. «Selbst Wälzfräsarbeiten führen wir auf dieser Maschine aus. Zweitausend Uhren im Jahr sind nicht viel. Die Swissnano kann 2000 Triebe in ein paar Stunden bearbeiten. Aber wenn wir erst einmal all unsere Uhrenteile für die Produktion geringer Stückzahlen auf einer Maschine eingerichtet haben, können wir nach Bedarf weitere Maschinen anschaffen, um mit der Nachfrage Schritt zu halten. Toll wäre es natürlich, wenn wir eines Tages 50 von diesen Maschinen bei uns stehen hätten.» Eine Wippe – das Teil, das zusammen mit den Zeigerstellrädern der Uhr dafür sorgt, dass der Uhrenzeiger mit der Krone verstellt werden kann – ist nur ein Beispiel für die Teile, die sich auf der Swissnano in Perfektion fertigen lassen. Die Wippe hat an der einen Seite Stirnräder und an der anderen Kupplungsräder und ihre Bearbeitung umfasst Innenräum- und Aussendreharbeiten. In einer einzigen Aufspannung fertigt die Weiss Watch Company mit ihrer Swissnano fehlerlose Wippen von 4 mm Länge und 2 mm Durchmesser aus AP-20-Weichstahl mit einer Oberflächengüte von mindestens Ra 16, bei Einhaltung von Toleranzen zwischen –0 und +3–5 Mikrometer.

Kleine Serien von hundert Teilen und kurze Laufzeiten

Fertigungstechniker Grant Hughson, heute bei der Weiss Watch Company beschäftigt und früher Anwendungstechniker bei Sandvik Coromant, kennt sich mit Werkzeugmaschinen bestens aus. Seine Meinung hatte daher Gewicht, als Weiss, nachdem er von der Swissnano gelesen hatte, unsicher war, ob diese Maschine wohl für die Anforderungen seines Unternehmens geeignet sei. «Den Ausschlag gab bei unserer Kaufentscheidung die Tatsache, dass die Swissnano speziell mit Blick auf die Uhrenindustrie konzipiert wurde und bei grossen Uhrenmanufakturen erfolgreich im Einsatz ist», erklärt Hughson. «Mir war klar, dass das eine relativ neue Maschine war, und grundsätzlich tue ich mich schwer, eine Maschine zu kaufen, die ganz neu auf dem Markt ist. Aber die Swissnano hat ihren Wert bei der Uhrenherstellung längst unter Beweis gestellt.» «Die Swissnano ist, was Grösse und Einrichtung betrifft, eine Klasse für sich. In Bezug auf Auslegung und Aufbau gibt es nicht viele Konkurrenzmodelle, die mit der Swissnano mithalten können. Die meisten Nutzer lassen auf der Swissnano Zehntausende von Teilen erfolgreich durchlaufen. Wir hingegen fertigen einige hundert Teile mit kurzen Laufzeiten, so dass wir die Maschine oft umrüsten müssen», schliesst Hughson seine Ausführungen ab und ergänzt noch, dass die Tisis-Programmiersoftware ihnen mit ihrer fehlerfreien Codierung grosse Zeitersparnis bringt. Mittlerweile hält die Swissnano nicht mehr nur die Weiss Watch Company am Laufen. Sie wird auch von Pinion Precision Technology genutzt, einem Unternehmen, das Weiss und Hughson gemeinsam gegründet haben, um die Präzisionsfertigung von Fertigteilen sowie die Beratung, Konstruktion, Entwicklung, Produktion und Montage von Teilen für exklusive Uhren u. v. m. zu übernehmen. Wie die Produkte der Weiss Watch Company tragen auch die von Pinion Precision Technology den Herkunftsverweis «made in America» und entsprechen den entsprechenden Standards der Federal Trade Commission. SMM

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