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Trübe Aussichten
Die nun vorliegenden Geschäftszahlen des ersten Quartals 2015 bestätigen die von Swissmem nach Aufhebung des Mindestkurses geäusserten Befürchtungen. Swissmem rechnet damit, dass im zweiten Halbjahr die Kurzarbeit in der MEM-Branche deutlich zunehmen wird.
Was aus den Zahlen nicht ersichtlich wird, ist der massive Druck auf die Margen. In einer im März 2015 durchgeführten Umfrage unter den Swissmem-Mitgliedfirmen gaben fast zwei Drittel (63%) der Unternehmen an, dass sie aufgrund der Frankenstärke mit Margenverlusten von mindestens vier Prozentpunkten rechnen. Das führt dazu, dass fast ein Drittel (31%) der befragten Firmen für 2015 von einem operativen Verlust ausgeht.
Die meisten Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren bereits grosse Anstrengungen unternommen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Die nun sichtbaren Konsequenzen der erneuten Frankenstärke nähren die Befürchtung, dass die künftigen Massnahmen der Firmen tiefgreifende, strukturelle Konsequenzen für die Schweizer MEM-Industrie haben könnten. Gemäss der im März 2015 durchgeführten Umfrage beabsichtigen 16 Prozent der MEM-Betriebe zumindest Teile ihrer Wertschöpfungskette ins Ausland zu verlagern, falls der Wechselkurs auf dem Niveau von 1.05 CHF/Euro verharren sollte. Bei einer Wechselkursparität würden 28 Prozent der Firmen einen solchen Schritt einleiten.
Forderungen an die Politik
Die Unternehmen sind jetzt dabei, die nächsten Schritte zu planen und werden die notwendigen Entscheide schon bald fällen. Leider gibt es bisher kaum Anzeichen, dass die Politik den Werkplatz Schweiz mit besseren Rahmenbedingungen unterstützen will. Jüngste Beispiele sind die von der nationalrätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben beschlossenen Kürzungen der Mittel für die Exportförderung sowie Kürzungen im e-Government, wovon sich insbesondere KMU administrative Entlastungen erhofft hatten. Die Swissmem-Forderung nach einem Ausbau der Innovationsförderung durch die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) ist im Bundeshaus weitgehend ungehört verhallt.
Die Grundhaltung, Unternehmen primär zu be- statt zu entlasten, zeichnet diverse politische Gruppierungen aus, was sich in mehreren offenen Dossiers niederschlägt. Es beginnt bei der Energiepolitik und setzt sich über das Arbeitsrecht, die Erbschaftssteuer-Initiative bis hin zur kritischen Haltung gegenüber neuen Freihandelsabkommen munter fort.
Swissmem fordert von der Politik, die hohen Belastungen auf wichtigen Teilen der Wirtschaft zu erkennen und die Anliegen des Werkplatzes ernst zu nehmen. Erste, positive Signale dahingehend wären eine Reduktion der Karenztage bei der Kurzarbeit, die Verlängerung der maximalen Bezugsdauer der Kurzarbeitsentschädigung auf 18 Monate sowie eine Aufstockung der Mittel für die KTI.
Falls kein verbindlicher Kurswechsel in der Politik stattfindet, dürften viele anstehende Entscheide der Unternehmen zu Ungunsten des Standortes Schweiz ausfallen - mit gravierenden langfristigen Folgen für die Industrie sowie für die Schweizer Volkswirtschaft. Und nicht zuletzt fordert Swissmem die SNB auf, alles in ihrer Macht stehende tun, um die massive Überbewertung des Franken rasch zu reduzieren. <<
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