Zu Gast beim etwas anderen Blechbearbeiter «Das Herkömmliche stets überdenken ...»

Redakteur: Luca Meister

Laser- oder Abkantteile inklusive Nachbearbeitung oder Oberflächenbehandlung können bei der eMDe Blechfabrik schnell und unkompliziert in Auftrag gegeben werden. Ein höchst effizientes Konzept, das von der Kostenveranlagung bis zur Bezahlung jeden Prozessschritt umfasst, demonstriert, dass Auftragsfertigung auch in der Schweiz zukunftsfähig sein kann. Im Gespräch stehen die beiden Firmengründer Dominik Weibel und Marco Wüst.

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Die eMDe-Geschäftsführer Dominik Weibel und Marco Wüst in ihrer Produktionshalle: «Die Faktoren, die in letzter Zeit für produzierende Unternehmen essenziell geworden sind, waren von Anfang an in unserem Konzept enthalten.»
Die eMDe-Geschäftsführer Dominik Weibel und Marco Wüst in ihrer Produktionshalle: «Die Faktoren, die in letzter Zeit für produzierende Unternehmen essenziell geworden sind, waren von Anfang an in unserem Konzept enthalten.»
(Bild: eMDe)

SMM: Knapp über ein Jahr nach Ihrer Firmengründung hatten Sie auf der Swisstech 2014 Ihren ersten Messeauftritt. Was hat sich seither getan?

Dominik Weibel: Nach der Swisstech erhielten wir ein grosses Feedback, wir haben es geschafft, unser Unternehmen in der Schweiz bekannt zu machen. Gestartet sind wir zu zweit, nach zehn Monaten hatten wir bereits den dritten Mitarbeiter eingestellt, mittlerweile sind wir bei acht angelangt. Alles, was wir uns erhofft hatten, ist eingetreten.

Sie haben auf der Swisstech 2014 die Konventionen des Messestandes mit Erfolg gebrochen. Wo brechen Sie sonst noch mit Konventionen?

D. Weibel: Wir versuchen, stets das Herkömmliche zu überdenken oder gar auf den Kopf zu stellen. Als Lohnfertiger können wir uns dadurch mit ein paar einzigartigen Punkten abheben. Dazu gehören unsere Online-Kalkulation mit zugehöriger App, die Auftragsstatus-Überwachung für unsere Kunden via nur einen Klick oder die papierlose Fertigung unserer Fabrik. Schliesslich steht aber jeweils der Kundennutzen im Vordergrund.

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Sie sind in einer schwierigen Wirtschaftsphase gestartet und haben den Währungszerfall des Euros miterlebt. Inwiefern wurden Sie davon beeinflusst?

Marco Wüst: Eigentlich hat uns das nicht beeinflusst. Wir hatten und haben natürlich Gedanken, wie uns die wirtschaftliche Situation künftig beeinflusst. Doch die Faktoren, die in letzter Zeit für produzierende Unternehmen essenziell geworden sind, waren von Anfang an in unserem Konzept enthalten. Etwa die hohe Effizienz durch schlanke Strukturen und schnelle Prozesse.

Ist die Situation als Lohnfertiger in der Schweiz wirklich so prekär, wie viele sie beklagen?

M. Wüst: Sie ist sicher fordernd. Wenn man sich aber exakt darauf einstellt, was der Kunde will, kann man trotz allem erfolgreich sein. Natürlich kann man nicht alles anbieten, man muss sich spezialisieren und sich in einer Marktnische spezialisieren. Das funktioniert nach wie vor ganz gut. Unser einzigartiges Angebot, Aufträge sehr schnell und doch ganz flexibel zu realisieren, finden Sie fast nirgends. Da kann kein Unternehmen aus dem Ausland mithalten.

Was ist heute wichtig, wenn man ein Unternehmen gründet?

D. Weibel: Das Marketing spielt eine zentrale Rolle. Wenn man nicht kontinuierlich präsent ist, geht man heute vergessen. Ausserdem muss man sich in irgendwelcher Form von den Marktbegleitern abheben. Gerade in unserem Bereich ist dieser Aspekt zwingend erforderlich, denn Bleche bearbeiten können viele andere auch. Ebenso von Bedeutung ist der Einsatz von zeitgemässer Infrastruktur, vor allem im Softwarebereich. Da sind manche Firmen im Hintertreffen, obwohl vieles bereits existiert und vom Privaten nur ins Geschäftliche umgesetzt werden müsste.

Man hört überall, dass Innovation dringlich sei. Wie fördert man denn Innovation?

M. Wüst: Man muss die Voraussetzungen schaffen. Es liegt an jedem Unternehmen, dies zu fördern. Dabei braucht es Feingefühl, vor allem, wenn es darum geht, die Bedürfnisse der Kunden richtig zu interpretieren und umzusetzen. Vielleicht muss man einfach mal Dinge wagen, gewisse Risiken eingehen. Vielfach ist man hier allgemein zu vorsichtig.

Sie hatten im letzten Jahr in Landquart einen Pop-up-Store geöffnet für einen Monat. Wollten Sie damit auch Kunden ausserhalb des Kundensegmentes des traditionellen Blechbearbeiters ansprechen?

M. Wüst: Der Hintergedanke dieses Projektes war, neue Kunden zu gewinnen. Wir wollten jedem potenziell Interessierten zeigen, was in der modernen Blechbearbeitung alles realisierbar ist. Wir erhielten dadurch mehr öffentliche Resonanz und verlängerten das Projekt um zwei Wochen.

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