Innovationskraftanalyse Deindustrialisierung bei Schweizer KMU

Von Anne Richter

Die aktuelle Innovationskraftanlayse der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) zeigt einen generellen negativen Trend. Dazu gehören die Deindustrialisierung bei den KMU, ein zunehmender Abbau von F&E-Aktivitäten und eine Abnahme disruptiver Innovationen

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Die aktuelle Innovationskraftanlayse der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften zeigt einen zunehmenden Abbau von F&E-Aktivitäten und eine Abnahme disruptiver Innovationen.
Die aktuelle Innovationskraftanlayse der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften zeigt einen zunehmenden Abbau von F&E-Aktivitäten und eine Abnahme disruptiver Innovationen.
(Gorodenkoff Productions OU)

Die SATW ( Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften) legt nach der letzten Ausgabe von 2018 eine aktualisierte Innovationskraftanalyse vor. Die kritische Beurteilung von damals interpretiert die SATW heute als Frühwarnzeichen. Obwohl sich die NOGA-Klassen heterogen entwickeln, halten die generellen negativen Trends wie die Deindustrialisierung bei KMU, der zunehmende Abbau von F&E-Aktivitäten und die Abnahme disruptiver Innovationen an. Im Vergleich zu internationalen Innovations-Rankings, die eine gesamtwirtschaftliche Perspektive einnehmen, fokussiert die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) in ihrer Innovationskraftanalyse auf die produzierende Industrie und untersucht die Indikatoren, die Einblick geben in die industrielle Forschungs- und Entwicklungstätigkeit. Diese bilden nämlich das Fundament für künftige Innovationen.

«Ein grosses Plus ist, dass dieser Bericht das Schweizer Innovationsgeschehen differenziert darstellt: Er zeigt zum Beispiel, in welchen Klassen die Schweizer Industrie besonders innovativ ist oder wo sie zurückfällt. Auch wird sichtbar, dass Firmen, die F&E betreiben, mit innovativen Produkten einen höheren Umsatzanteil als früher erzielen und den seit Jahren in den Statistiken beobachtbaren Rückgang der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten bei KMU und grossen Firmen insofern kompensieren. Auch zeigt sich ein Trend hin zu mehr Firmenneuheiten anstelle von Marktneuheiten. Letztere haben aber das Potenzial, disruptiv zu sein und mehr Umsatz zu generieren. Ihre Entwicklung ist jedoch mit höheren Risiken verbunden und die Unternehmen sind in ihrem Innovationsverhalten vorsichtiger geworden», fasst Dr. Daniel Egloff, Leiter Ressort Innovation im Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBF, in seinem Vorwort zusammen.

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Forschung konzentriert sich auf immer weniger Unternehmen

Die produzierende Industrie in der Schweiz ist breit gefächert, was eine gewisse Sicherheit gegen Krisen bietet. Sie umfasst über 660 000 Vollzeitstellen, generiert einen erheblichen Teil des Exportvolumens der Schweiz und ist von grosser Bedeutung für die Volkswirtschaft. Im untersuchten Zeitraum von 1997 bis 2018 zeigte sich jedoch eine fortschreitende Abnahme der Beschäftigung, die hauptsächlich auf die abnehmende Anzahl der KMU zurückzuführen ist. Zudem konzentriert sich die Forschung bei immer weniger Unternehmen. Die besorgte Haltung der SATW gilt vor allem den KMU, da der grösste Anteil der Arbeitsplätze in der Schweiz von ihnen gestellt werden. Jedoch haben es gerade KMU zunehmend schwerer, angesichts limitierter Ressourcen und starker internationaler Konkurrenz im globalen Innovationswettbewerb zu bestehen. Die politischen Rahmenbedingungen werden für die Zukunft der Schweiz massgeblich sein.

Zunehmende Deindustrialisierung bei KMU

Die Anzahl der AHV-pflichtigen Beschäftigten nahm in Grossfirmen und KMU ab – bei den KMU ausgeprägter als bei den Grossfirmen. Nach einem deutlichen Rückgang bei den Beschäftigten in Grossunternehmen in den beiden ersten Perioden zeichnet sich eine Trendwende ab. Bei den KMU hingegen nahm die Anzahl der Beschäftigten in jeder Periode ab. Von der Deindustrialisierung sind demnach vor allem KMU betroffen. Eine KOF-Studie macht deutlich, dass die Verfügbarkeit von hochqualifiziertem Personal und der effiziente Zugang zu internationalen Märkten für Firmen zentral sind, um weiterhin in Forschungsaktivitäten zu investieren.

Die Schweiz ist ein Land der KMU

Im Jahr 2018 waren 59,7 Prozent oder 443 731 Mitarbeiter in KMU, also in Unternehmen mit weniger als 250 AHV-pflichtigen Beschäftigten, angestellt. Die Schweiz ist somit ein Land der KMU. Zugleich sind die KMU aber auch am stärksten von der Deindustrialisierung betroffen.

Die KMU-Landschaft in der Schweiz ist divers und breit aufgestellt

Die KMU-Landschaft in der Schweiz ist stark diversifiziert. Das mindert das Klumpenrisiko und verleiht eine gewisse Sicherheit gegen Krisen. Die dominierenden NOGA-Klassen sind Metallerzeugnisse, Metallherstellung; Druck, Holz, Papier; Nahrungsmittel; und Fahrzeuge, Maschinen, welche zusammen mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze in den KMU der produzierenden Industrie stellen.

Der Anteil der KMU mit F&E nimmt ab

Eine Voraussetzung für erfolgreiche Innovation ist die Erforschung neuer Technologien. Diese F&E-Aktivitäten können in der Schweiz oder aus verschiedenen Gründen im Ausland angesiedelt sein. Der Anteil der KMU mit F&E im Inland nahm stetig ab. Ein ähnliches Bild zeigt sich für den Anteil der KMU mit F&E im Ausland.

Keine Umsatzsteigerung mit Marktneuheiten

Ein Blick auf die F&E-Aktivitäten ist nicht ausreichend, um die Innovationskraft zu erfassen. Ziel jeder Innovationstätigkeit ist es, neue Produkte erfolgreich auf den Markt zu bringen. Wichtig ist, wie sich der Umsatz mit neuen Produkten entwickelt und ob diese für die Firma oder auch den Markt neu sind. Schweizer KMU verzeichneten im Zeitraum 2004-2018 einen steigenden Umsatz mit Firmenneuheiten. Der relative Umsatz mit Marktneuheiten nahm jedoch markant ab. Dabei stärken gerade Marktneuheiten die Position im internationalen Wettbewerb.

Zusammenfassung und Handlungsoptionen

Die produzierende Industrie in der Schweiz generiert einen erheblichen Teil des Exportvolumens, ist von grosser Bedeutung für die Volkswirtschaft und weist eine wertvolle Diversität auf, die es zu erhalten gilt. Die Innovationskraftanalyse gibt verschiedene Handlungsoptionen für Politik und Wirtschaft.

  • Um innovativ zu bleiben, muss demnach der Zugang zu internationalen Technologien durch Beteiligung an internationalen Forschungsprojekten wie auch der nationale und internationale Zugang zu hochqualifiziertem Personal sichergestellt werden.
  • Die Förderung disruptiver Innovationen durch die öffentliche Hand würde sich insofern lohnen, da bei diesen der Rückfluss in Form von Gewinnen und Steuergeldern oft wesentlich höher ist als bei inkrementellen Neuheiten.
  • Will die Schweiz im Energie- und Umweltbereich zu den führenden Ländern gehören, ist eine gezielte Förderpolitik der öffentlichen Hand unumgänglich.
  • Eine geeignete Sektor- oder Regionalförderpolitik für risikoreiche, aber zukunftsorientierte Industrieklassen könnte eine Initialzündung bewirken und KMU ermutigen, ihre F&E-Tätigkeiten auszubauen und risikoreicher auszurichten.

SMM

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