Interview, Tecnoswiss Den Produktionsstandort Schweiz stärken

Redakteur: Susanne Reinshagen

Mit über 170 Mitgliedsfirmen und einem breiten Spektrum an Dienstleistungen ist Tecnoswiss der Verband des schweizerischen Werkzeugmaschinen-, Holzbearbeitungsmaschinen- und des dazugehörigen Werkzeughandels. Welche Schwerpunkte der Verband setzt und wie sich die Branche entwickelt – darüber sprachen wir mit Martin Wirth, Präsident des Zentralvorstands Tecnoswiss.

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«Tecnoswiss ist nicht nur Bindeglied zwischen Hersteller und Käufer.»
«Tecnoswiss ist nicht nur Bindeglied zwischen Hersteller und Käufer.»
(Bild: Prodex/Tecnoswiss)

SMM: Wer ist Tecnoswiss und welche Aufgaben verfolgt der Verband?

Martin Wirth: Tecnoswiss wurde 1921 als Genossenschaft mit dem Ziel gegründet, die wirtschaftlichen Interessen des Handels in der Schweiz mit Maschinen und Werkzeugen für die Metall- und Holzbearbeitung zu fördern, den unlauteren Wettbewerb zu bekämpfen, einen korrekten und fairen Umgang der Mitglieder untereinander zu fördern. Unsere Mitglieder sind Handelsfirmen, welche entweder Werkzeugmaschinen, Holzbearbeitungsmaschinen oder Werkzeuge in ihrem Verkaufsprogramm führen. Der Verband organisiert die verbandseigene Messe «Holz» und ist vertreten im Messebeirat der Prodex. Der Tecnoswiss ist im Vorstand von «Handel Schweiz» (VSIG) vertreten und stellt den Vizepräsidenten des Celimo, der europäischen Vereinigung aller nationalen Verbände des Werkzeugmaschinen- und Werkzeughandels. Der Tecnoswiss ist national und international gut vernetzt und wirkt so im globalen Gedankenaustausch aktiv mit.

Die über 170 Mitglieder beschäftigen rund 4000 Mitarbeiter, davon 160 Lehrlinge. Welche Bedeutung hat der Verband für die Schweiz?

M. Wirth: Unsere Mitglieder sind Teil der produzierenden Industrie in der Schweiz und stellen das Bindeglied zwischen Herstellern und Produzenten dar. Durch die weltweite Beschaffungskompetenz unserer Mitglieder versorgen diese die Schweizer Wirtschaft mit Produkten von praktisch allen weltweit bedeutenden Marken. Gleichzeitig werden so der Industrie internationales Produktions-Know-how und Innovationen zur Verfügung gestellt, dies zur Stärkung von deren internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Die Service-Techniker unserer Mitglieder sind das Öl im Räderwerk der Industrie. Ohne sie stünden viele Produktionen still.

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Welche Schwerpunkte und Ziele verfolgt der Verband für seine Entwicklung in den nächsten Jahren?

M. Wirth: Die meisten unserer Mitglieder agieren primär im Schweizer Markt. Somit liegt es in unserem Ur-Interesse, alles dafür zu tun, um den Produktionsstandort Schweiz zu stärken. Darum kämpfen wir für gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die es auch in Zukunft erlauben, in der Schweiz international wettbewerbsfähig zu produzieren. Dazu gehört auch das duale Ausbildungssystem, als Quelle und Basis von Innovationen und Qualität. Das duale Ausbildungssystem als Differenziator und Erfolgsfaktor der Schweiz gilt es zwingend zu stärken und der enormen Bedeutung entsprechend wieder besser zu positionieren und zu vermarkten.

Sie nannten das Freihandelsabkommen zwischen China und der Schweiz. Welche Bedeutung hat dies für ihre Mitglieder?

M. Wirth: Das neue Freihandelsabkommen mit China birgt ein enormes Chancenpotenzial in sich. Dies gilt sowohl für die produzierende Industrie und damit den Werkplatz Schweiz, als auch für den Werkzeug- und Werkzeugmaschinen-Handel. Die Nachfrage in Asien und China hat den Sättigungsgrad bei weitem noch nicht erreicht, es ist nach wie vor gewaltiges Potenzial vorhanden. China investiert im Augenblick enorm in innovative Technologien, Automation und Produktionseffizienz, in Steckenpferde der Schweizer Industrie also. In diesem Sinne bieten sich unseren Mitgliedern enorme Möglichkeiten mit Sicht auf die produzierende Industrie in der Schweiz, als Abnehmer ihrer Produkte, aber auch hinsichtlich der Erschliessung neuer Importkanäle.

Starker Franken und sinkende Margen sind in aller Munde. Wo drückt der Schuh der Tecnoswiss-Mitglieder momentan am meisten?

M. Wirth: Wir sitzen mit der Schweizer MEM-Industrie im gleichen Boot. Freud und Leid sind geteilt. Im Augenblick sorgen wir uns um die sinkende Profitabilität in der MEM-Industrie, was einhergeht mit einer sinkenden Investitionsbereitschaft. Dies führt dazu, dass der Industriestandort Schweiz Gefahr läuft, mittelfristig an Konkurrenzfähigkeit zu verlieren und das bedeutet auch für den Handel nichts Gutes. Gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen, dass sich aufgrund der heutigen Informationstransparenz und der Internationalisierung des WZ- und WZM-Handelsgeschäfts eine «Hochpreisinsel» nicht aufrechterhalten lässt. Der Wettbewerbsdruck in unserem Geschäft ist aufgrund auch neuer, ausländischer Marktteilnehmer enorm.

Die Vernetzung von Anlagen, Gütern und Logistik soll dazu führen, dass die Produktion effizienter wird – Schlagwort Industrie 4.0. Welche Bedeutung hat das für Ihre Mitglieder?

M. Wirth: Die optimale Abstimmung und informationstechnologische Vernetzung von Mensch, Maschine, Logistik und Produkt in einem globalen Produktionsumfeld steckt noch in den Kinderschuhen. Die Basistechnologien dazu wären aber vorhanden. Es fehlt an innovativen und mehrwertgenerierenden Lösungen. Für die Schweizer Industrie ist es von überlebenswichtiger Bedeutung, sich über innovative Technologien, Produkte und Dienstleistungen zu differenzieren. Eine Chance also für unsere Mitglieder, sich mit guten und gangbaren Lösungen und Dienstleistungen entsprechend zu empfehlen und zu positionieren.

Herr Wirth, Sie sind im Messebeirat der Prodex, die vom 18. bis 21. November 2014 in Basel stattfindet. Wie wichtig ist die Prodex für den Werkplatz Schweiz?

M. Wirth: Die Prodex ist das Schaufenster des Werkplatzes Schweiz – mit ihren über 330 000 Beschäftigten in der MEM-Industrie. Dank ihrem kompletten und umfassenden Angebotsspektrum gilt die Prodex heute bei der metallbearbeitenden Industrie als die Informationsplattform in der Schweiz schlechthin. Zur Gewinnung von Markttransparenz und als Informationsquelle von technologischen Innovationen wird die Prodex von der gesamten Industrie ebenso geschätzt wie als Begegnungspunkt zum gegenseitigen Gedankenaustausch und Networking. Es muss in unser aller Interesse sein, den Werkplatz Schweiz seiner Bedeutung entsprechend zu positionieren – die Prodex bietet beste Gelegenheit dazu!

Ihre Firma ist Aussteller an der diesjährigen Prodex. Worauf freuen Sie sich als Geschäftsführer der Brütsch/Rüegger Tools am meisten?

M. Wirth: Die Prodex bietet eine hervorragende Plattform, um sich zu vernetzen und auszutauschen. So freue ich mich auf viele bereichernde Gespräche mit Kunden, aber auch mit Lieferanten, Geschäftspartnern und Kollegen aus der Branche.

Noch kurz zum Schluss. Wie können wir uns für die Zukunft «rüsten», damit die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Wirtschaftsstandortes nicht verloren geht?

M. Wirth: Es ist wichtig, dass wir auch in Zukunft an unserer liberalen Wirtschaftsordnung festhalten, unter anderem auch in Bezug auf die Arbeitsgesetzgebung. Es gilt das Unternehmertum auf der Basis von Eigenverantwortung und gesundem Menschenverstand zu fördern und die staatlichen Eingriffe auf die Schaffung optimaler Rahmenbedingungen zu reduzieren. Eingriffe, wie zum Beispiel in die Lohnpolitik der Privatwirtschaft oder die kalte Übernahme von durch EU-Bürokraten ohne Bezug zur Realwirtschaft geschaffenen Gesetzen, haben da keinen Platz. Eine Politik, die mit der Sicherheit der Energieversorgung spielt und die zusätzlich noch zu Energiepreisen führt, die die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft gefährden, schafft keine Arbeitsplätze in der Schweiz. Was wir aber brauchen sind Freihandelsabkommen mit asiatischen Ländern wie China, um unsere Abhängigkeit von den stagnierenden europäischen Märkten zu reduzieren.

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